China Forscher wegen genveränderter Babys zu drei Jahren Haft verurteilt

Gut ein Jahr ist es her, dass in China erstmals gentechnisch veränderte Babys geboren wurden. Der verantwortliche Forscher He Jiankui muss nun ins Gefängnis, zudem erhielt er eine hohe Geldstrafe.
He Jiankui im Oktober 2018: Forscher hätten nicht über die Voraussetzungen verfügt, um als Ärzte zu arbeiten

He Jiankui im Oktober 2018: Forscher hätten nicht über die Voraussetzungen verfügt, um als Ärzte zu arbeiten

Foto: Mark Schiefelbein/AP

Ein Jahr nach der Geburt der ersten angeblich genmanipulierten Babys in China ist der hinter dem Experiment stehende Wissenschaftler verurteilt worden. Wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete, erhielt der Forscher He Jiankui in der südchinesischen Stadt Shenzhen eine Strafe von drei Jahren Haft. Zudem soll er drei Millionen Yuan (etwa 380.000 Euro) zahlen.

Laut Xinhua wurde He schuldig gesprochen, illegal Genmanipulationen bei menschlichen Embryos "zum Zweck der Reproduktion" ausgeführt zu haben. He hatte im November 2018 die Geburt der Zwillingsmädchen Lulu und Nana auf der Videoplattform YouTube bekannt gegeben. Zudem gab der Forscher damals an, dass eine weitere Frau mit einem gentechnisch veränderten Kind schwanger sei. Xinhua zufolge wurde auch dieses Kind zur Welt gebracht.

He behauptet, das Erbgut der Kinder mithilfe der Genschere Crispr/Cas9 so manipuliert zu haben, dass diese vor einer Ansteckung mit HIV geschützt sind. Sein Vorgehen rief in der Fachwelt und der Öffentlichkeit große Empörung hervor. Verwerflich an dem Eingriff ist, dass He das Erbgut der Kinder verändert haben will, als diese noch Embryonen waren. Dadurch befindet sich die Genveränderung in jeder Körperzelle der Kinder und wird an ihre Nachkommen vererbt (mehr dazu lesen Sie hier).

Auch zwei Kollegen Hes verurteilt

Die Risiken eines solchen sogenannten Keimbahneingriffs lassen sich derzeit kaum überblicken. Im Februar 2019 berichteten Forscher, dass sich die Genveränderung etwa auf das Gehirn der Kinder und damit auf ihre kognitiven Fähigkeiten ausgewirkt haben könnte. He verschwand kurz nach Bekanntwerden der angeblichen Experimente aus der Öffentlichkeit. Wo er sich derzeit aufhält, ist nicht bekannt.

Das Gericht verurteilte auch zwei Kollegen Hes. Zhang Renli muss für zwei Jahre ins Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Yuan (etwa 128.000 Euro) bezahlen. Qin Jinzhou erhielt eine Haftstrafe von 18 Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem erhielt er eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Yuan (etwa 64.000 Euro).

Die drei Verurteilten hätten nicht über die nötigen Voraussetzungen verfügt, um als Ärzte zu arbeiten, urteilte das Gericht. Sie hätten wissentlich chinesisches Recht und die ethischen Prinzipien des Landes verletzt und "persönlichen Ruhm und Vorteil" angestrebt.

Wissenschaftler haben die Ergebnisse von Hes Arbeit zuletzt angezweifelt. Experten konnten Unterlagen seiner Forschungen sichten und kamen Anfang Dezember in einem Artikel für das Magazin "MIT Technology Review"  zu dem Ergebnis, dass He mit seinem Vorgehen zahlreiche ethische und wissenschaftliche Normen verletzt habe. Die Manipulationen, die die Babys vor einer Ansteckung mit HIV schützen sollten, hätten zudem vermutlich nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt (mehr dazu lesen Sie hier).

jme/dpa/AFP