Herstellungsfehler Klinik muss 125 defekte Hüftprothesen austauschen

In einer Freiburger Klinik müssen Patienten mit einem künstlichen Hüftgelenk erneut unters Messer. Der Grund: Metallspäne lösen sich vom Gelenk. Herstellerfirma und Ärzte beschuldigen sich gegenseitig, eine Untersuchung gibt den Medizinern nun Recht.
Klinik: Fehlerhafte Hüftgelenke müssen nun ausgetauscht werden

Klinik: Fehlerhafte Hüftgelenke müssen nun ausgetauscht werden

Foto: Corbis

Freiburg - Nach der Operation mit fehlerhaften künstlichen Hüftgelenken mussten rund hundert Patienten des Loretto-Krankenhauses in Freiburg erneut unters Messer, mindestens 25 Patienten steht das noch bevor. Etwa ein Drittel der 2004 bis 2008 implantierten Gelenke sei fehlerhaft, etliche müssten ersetzt werden, teilte der Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RkK) am Montag mit. Schuld sei das Material der Prothese. Zwei vom Loretto-Krankenhaus in Auftrag gegebene Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich Metallspäne vom Gelenk lösen. Das Krankenhaus und den Arzt treffe keine Schuld, hieß es.

In den zwanzig Jahren zuvor habe er dieses Problem "in keinem einzigen Fall" gehabt, sagte der Chirurg Marcel Rütschi. Der Chefarzt der Orthopädie im Loretto-Krankenhaus habe in seinem Berufsleben etwa 3000 künstliche Hüften implantiert. Als er im Januar 2008 bei den ersten Patienten Entzündungen durch den Metallabrieb feststellte, habe er das Prothesenmodell fortan nicht mehr eingesetzt. Der Arzt vermutet, dass die Prothesenköpfe nicht richtig rund waren.

Fast alle der 720 Patienten mit den problematischen Hüftgelenken seien mittlerweile kontrolliert worden, sagte Rütschi. Bei mehr als einhundert Patienten sei die künstliche Hüfte bereits ausgetauscht worden, weitere warteten auf ihre Operation. Die Kosten dafür übernehme die Krankenkasse, so der Regionalverbund.

Hersteller sieht Grund in falscher Montage

Der Hersteller der Prothesen sehe den Fehler hingegen nicht im Design oder Material, sagte der RkK-Geschäftsführer Helmut Schillinger. Der Arzt habe die Prothese nicht fest genug in den Knochen eingeschlagen, lautete der Vorwurf. "Aufgrund von Explantatanalysen und Laboruntersuchungen wurde geschlossen, dass die berichtete Korrosion das Ergebnis eines ungenauen Montierens des Konus war", heißt es in einer im Oktober 2009 veröffentlichten Stellungnahme  des Herstellers Zimmer. Laut Schillinger zeigten die nun veröffentlichten Untersuchungen jedoch, dass auch bei einer idealen Verbindung ein hoher Metallabrieb auftrete.

Nach Angaben von Zimmer hat die Firma seit dem Jahr 2003 insgesamt 430.000 Hüftsysteme verkauft. Die bemängelten Prothesen vom Typ "Durom/Metasul LDHHüftprothesensystem" machten etwa 0,3 Prozent davon aus.

Die 30.000 Euro teure Studie soll das Loretto-Krankenhaus entlasten, in dem rund 70 Prozent der problematischen Prothesen implantiert worden waren. Das Ergebnis sei ein Ansatzpunkt für Entschädigungszahlungen. Klage habe der Regionalverbund aber noch nicht erhoben, sagte Schillinger. Bisher habe auch kein Patient Klage gegen den Prothesenhersteller oder das Krankenhaus eingereicht.

lub/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.