Steigende Zahlen Jeder fünfte Coronafall in Hessen geht auf Delta-Variante zurück

»Schon über 20 Prozent der Fälle«: Hessens Gesundheitsminister ist besorgt wegen der raschen Verbreitung der Delta-Mutante. Für einen schwereren Verlauf gebe es aber keine Anzeichen.
Coronatest in Deutschland (Archivbild)

Coronatest in Deutschland (Archivbild)

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Im Kampf gegen die Pandemie kommen aus Deutschland derzeit ermunternde Zahlen. Die täglichen Neuinfektionen gehen zurück, die Inzidenzen sinken. Zugleich werden immer mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Ein Faktor allerdings bereitet den Experten Sorgen: die rasante Ausbreitung der Delta-Variante.

Mehrere Bundesländer meldeten am Dienstag, dass der Anteil der Variante an den Neuinfektionen  zuletzt spürbar gestiegen sei. In Hessen macht sie nach Angaben von Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) bereits mehr als ein Fünftel der Neuansteckungen aus. »Wir haben doch deutliche Anzeichen, dass Delta auch in Hessen mittlerweile schon über 20 Prozent der Fälle dominiert«, sagte Klose. Daran sehe man, »dass das sehr schnell geht«.

Die Variante sei noch infektiöser als die Alpha-Variante. »Aber wir haben keine Hinweise darauf, bisher jedenfalls, dass diese Variante noch mehr schwere Erkrankungen auslöst.« Er gehe davon aus, »dass Delta sich relativ schnell durchsetzen wird und die vorherrschende Variante sein wird«.

Die Delta-Variante ist offenbar rund 40 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante, die das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit noch dominiert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt erklärt, es sei nicht die Frage, ob, sondern wann Delta das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren werde. Nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts lag der Anteil der zunächst in Indien entdeckten Variante an den Neuinfektionen Anfang Juni bei gut 6 Prozent (Woche vom 31. Mai bis 6. Juni) in Deutschland.

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In Großbritannien ist sie bereits die dominierende Variante. Dort waren im April erste Fälle nachgewiesen worden. Wenig später sah sich die Regierung gezwungen, die geplanten Lockerungen der Virusbeschränkungen zu verschieben.

Delta-Verdopplung in Bayern

In Bayern hat sich die Zahl der bestätigten Infektionen mit der Delta-Variante im Verlauf einer Woche fast verdoppelt. Bisher seien bayernweit 229 Fälle bestätigt, in der vergangenen Woche seien es noch 132 gewesen, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. In einzelnen Laboren betrage der Anteil inzwischen fast ein Viertel.

Auch in Baden-Württemberg breitet sich die Variante aus, während die Zahl der Ansteckungen insgesamt zurückgeht. Der Anstieg bleibt allerdings auf geringem Niveau, wie aus den jüngsten Zahlen des Landesgesundheitsamts (LGA) vom Dienstag hervorgeht. Demnach liegt die Zahl der Infektionen mit dieser Variante (Stand 22. Juni, 16 Uhr) bei bislang 408 von insgesamt 135.172 bestätigten Fällen, die laut LGA auf die sogenannten besorgniserregenden Varianten zurückgehen.

Sie waren zunächst unter anderem in Großbritannien, Südafrika und Indien sowie Brasilien aufgetaucht. Der Anteil der Delta-Fälle an den Ansteckungen mit Varianten legte mit Blick auf die vergangenen beiden Wochen auf 8,99 Prozent nach 6,73 Prozent zu.

jok/dpa