Hirnforschung Musizieren mindert Alterserscheinungen

Wer lange Jahre ein Musikinstrument spielt, kann auch im Alter davon profitieren. Eine Studie legt jetzt nahe, dass Musiker nicht nur ein stärkeres Gedächtnis besitzen, sondern unter schwierigen Bedingungen auch besser hören und verstehen können.
Klavierspiel: "Neuronale Verbesserungen bei musikalisch Trainierten"

Klavierspiel: "Neuronale Verbesserungen bei musikalisch Trainierten"

Foto: A3446 Patrick Seeger/ dpa

Eine Unterhaltung in der Bahnhofshalle? Für viele ältere Menschen ist das extrem schwierig. Sie haben Probleme, Sprache in geräuschvoller Umgebung zu verstehen. Doch woran liegt das? Der altersbedingte Gehörverlust kann nach Ansicht von Forschern nicht die alleinige Ursache sein. Schließlich schneiden Probanden mit annähernd identischem Hörvermögen höchst unterschiedlich ab, wenn es um das Sprachverstehen bei hoher Geräuschbelastung geht.

"Lebenslanges musikalisches Training scheint Vorteile für mindestens zwei wichtige Fähigkeiten zu verleihen, die bekanntermaßen mit dem Alter nachlassen: Das Gedächtnis und das Vermögen, Sprache in Lärm zu hören", sagt Nina Kraus von der Northwestern University in Evanston (US-Bundesstaat Illinois). Hinweise darauf liefert eine kleine Studie mit Musikern und Nicht-Musikern, die Kraus zusammen mit Kollegen im Fachblatt "PLoS One"  veröffentlicht hat. Die Ergebnisse legen nahe, dass Musik es fördert, wichtige Klangmuster aus dem Lärm herausfiltern und erkennen zu können.

Die Forscher hatten 18 Musiker und 19 Nicht-Musiker im Alter von 45 bis 65 Jahren einer Reihe von Tests unterzogen. Sie prüften das Vermögen, Sprache trotz lauter Geräuschkulisse zu verstehen, sowie Gedächtnisleistungen in verschiedenen Bereichen wie Hören und Sehen. Das Ergebnis: Musiker, die seit ihrem neunten Lebensjahr oder noch länger beständig ein Instrument spielten, schnitten in beinahe allen Bereichen besser ab.

Leistungen, die mit dem visuellen Arbeitsgedächtnis zusammenhingen, waren in beiden Gruppen vergleichbar. Das Musizieren und die damit verbundene Übung könnten demnach das altersbedingte Nachlassen bestimmter Fähigkeiten reduzieren, die mit dem Hören zusammenhängen.

"Die neuronalen Verbesserungen, die wir bei musikalisch Trainierten vorfinden, sind nicht einfach nur ein Verstärkungs- oder eine Art Lautstärkeregler-Effekt", sagt Kraus. "Zu musizieren fordert die Fähigkeit, relevante Muster separat zu erkennen, wie etwa den Klang des eigenen Instrumentes, Harmonien und Rhythmen." Dieses Feintuning des Nervensystems durch das Musizieren wirke sich offenbar ebenso positiv auf das Spracherkennungsvermögen aus.

chs/dapd
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