"Ice Bucket Challenge" Eiswasserspaß bringt 1,6 Millionen Euro für ALS-Kranke

Tausende gossen sich im Sommer Eiswasser über den Kopf - war die "Ice Bucket Challenge" nur ein Jux? Experten loben die Aktion, sie helfe Hunderten ALS-Patienten.

Eis auf den Kopf (Archivbild): Erst kippen, dann spenden
Getty Images

Eis auf den Kopf (Archivbild): Erst kippen, dann spenden


Berlin - Mit Eiswasser duschen und für den Kampf gegen eine seltene Krankheit werben: Die Internetaktion "Ice Bucket Challenge" hat der Berliner ALS-Ambulanz nach eigenen Angaben 1,6 Millionen Euro Spenden eingebracht. Das Geld soll der Ambulanz und der Forschung zugutekommen, sagt Leiter Thomas Meyer. "Der große Ansturm ist nun zwar vorbei, aber die hohe Summe hat unsere Arbeit auf einen etwas längeren Zeitraum gesichert", ergänzte er.

Die Ambulanz an der Charité-Klinik kümmert sich um Patienten mit der unheilbaren Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). ALS führt zu einer Schädigung von Nervenzellen. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Nur in Ausnahmefällen leben sie länger als ein Jahrzehnt mit der Krankheit. Bundesweit gibt es laut Meyer zwischen 7000 und 8000 Betroffene.

Etwa 800 Patienten mit ALS werden derzeit in Berlin betreut. Die meisten von ihnen kommen aus dem Nordosten Deutschlands. Allein die Kosten für Betrieb und Weiterentwicklung der Ambulanz beliefen sich auf 550.000 Euro im Jahr - unter anderem, weil die Krankenkassen nur 20 bis 30 Prozent der Kosten für das Ambulanzpersonal übernähmen, berichtete Meyer.

Die "Ice Bucket Challenge" war ein riesiger Hype im Sommer: Dabei stellten die Teilnehmer entweder ein Video von ihrer Eiswasserdusche ins Netz, oder spendeten. Viele von ihnen taten beides. Auch viele Prominente machten mit, von Bill Gates bis Helene Fischer. Bei der amerikanischen ALS Association kamen durch die Aktion 115 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) zusammen.

Schnell kamen Vorwürfe auf, das Geld versickere größtenteils in der Verwaltung und komme weder bei Patienten noch in der Forschung an. Doch dafür gibt es keine Belege, wie eine Recherche von SPIEGEL ONLINE zeigte.

ALS-Patienten zufrieden

"Es war ein Strohfeuer, aber extrem positiv", bilanzierte Charité-Fachmann Meyer. Die Zahl der Spender in Deutschland stieg demnach bei der Eiswasseraktion auf 34.000 - vorher waren es hundert, wobei diese oft größere Summen gaben.

Zur Kritik, das Ganze sei nur ein Jux, sagte Meyer: "Die Verbindung von Spaß mit einem seriösen Anliegen an sich finde ich unverändert gut und erfolgreich." Ihn störe es allerdings, wenn bei den Eiswasserduschen ALS mit keinem Wort erwähnt werde. Bei fast allen Patienten sei die Aktion gut angekommen. Weitere Spenden würden bei der Ambulanz unbedingt gebraucht.

"Wir haben nun eine Stelle Ambulanzpersonal aufgestockt", sagte Meyer. Auch zusätzliche Forschungsarbeit sei geplant. Ausgehend von Berlin hat sich seit 2011 ein bundesweites ALS-Versorgungsnetzwerk gegründet, das von den ALS-Ambulanzen in Bochum, Dresden, Hannover, Jena, Ulm und Wiesbaden genutzt wird. Dieses Netzwerk werde mit 200.000 Euro aus dem Spendentopf unterstützt.

hda/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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monolithos 23.12.2014
1. Warum so viel Wasser verschütten?
Ist ja schön, dass Geld gespendet wird für die Bekämpfung einer Krankheit. Ich habe aber den Zusammenhang nicht verstanden, warum in Deutschland erst ca. 340000 Liter Wasser verschüttet werden müssen, damit man 1600000 Euro spenden kann (EUR 4,70 pro Liter). Hätte man nicht auch das Wasser spenden können? Es gibt sicher auf der Welt mehr Durstende als ALS-Kranke.
S_Bast 23.12.2014
2. das Wasser
Auf der Welt gibt es schon mehr Durstende als ALS-Kranke, aber sicher nicht in gemäßigten Zonen wie Europa oder Nordamerika, wo das meiste Wasser verschüttet wurde. Wenn Sie, Herr monolithos ne schlaue Idee haben, wie man all das Wasser für lau zu den Durstenden hinbekommt, dann lassen Sie die Welt daran teilhaben. Ansonsten sind Ihre Sorgen gegenüber einer plötzlichen Wasserknappheit z.B. hier in Deutschland komplett unbegründet. Hier in Hamburg fällt es zum Beispiel fast täglich vom Himmel. Aber ich nehme an, dass es Ihnen auch nicht wirklich darum ging einer ernsten Sorge Ausdruck zu verleihen. Sie sind halt einfach nur dagegen, dass andere Menschen sich was Lustiges einfallen lassen, und dabei womöglich auch noch Spaß haben UND anderen Menschen helfen.
eifelhippe 23.12.2014
3. Dummfug
Für mich war die IBC eine der blödsinnigsten Aktionen des letzten Jahres. Nach 4 Nominierungen hatten dann auch alle begriffen, dass ich mich nicht mit eiskaltem Wasser übergiessen lassen möchte. Gespendet habe ich wie üblich für die Organisationen, die ich schon seit Jahren unterstütze - z.B. Ärzte ohne Grenzen. Da erschien mir das Geld besser angelegt.
siebenh 23.12.2014
4. #2
Ich bin der letzte, der Spaß verhindert. Aber ich sehe das leider anders. Die Krankheit ist schlimm und es ist gut, dass soviel geld zusammengekommen ist. Daher heiligt der Zweck die Mittel. Aber die Selbstdarstellung auf Facebook hatte leider in vielen Fällen nichts mehr mit dem Sinn der Aktion zu tun. Das war Werbung für sich selbst und in sehr vielen Fällen scheinheilig. Das nervte.
patbateman-ny 23.12.2014
5. Kubikmeter
Der Liter Wasser kostet in Deutschland 4,70 Euro pro m/3, also pro 1000 Liter. Das sind laut ihrer Berechnung also Wasserkosten von 340 Euro gegenüber 1.6 Mio. Euro. Also vernachlässigbar. Im übrigen haben wir in Deutschland genug Wasser und das Wassersparen führt zu ganz anderen Problemen. So werden jährlich Tausende Kubikmeter Wasser von den Stadtwerken durch die Kanalisation gejagt, damit die Scheiße schwimmt und nicht anfängt zu stinken. Also, Wasser marsch!
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