Fakt 4 IMI forscht an den WHO-Zielen vorbei

Die Forschungsprojekte der IMI sollen dringend benötigte Medikamente hervorbringen. Doch anstelle der WHO-Prioritäten folgt die IMI lieber der Agenda der Pharmaindustrie.

REUTERS

Von Maxie Eckert, , Julian Schmidli und Timo Stukenberg


Offiziell sollen sich die Forschungsbereiche der IMI an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO orientieren. Tatsächlich gibt aber die Industrie vor, was erforscht wird. 2004 legte die WHO ihren ersten Bericht zu dringend benötigten Medikamenten vor. Darin listet sie unter anderem neue Antibiotika, Medikamente gegen Schlaganfall, Diabetes, Tuberkulose und Depression auf.

Die Liste umfasst 25 Indikationen - doch davon findet sich nur ein Teil in den Forschungsprojekten der IMI wieder. Malaria, Herzerkrankungen und Arthrose werden zum Beispiel gar nicht erforscht, wie eine Analyse des Rechercheverbunds zeigen. Gleichzeitig häufen sich die Projekte bei Themen wie Krebs oder Diabetes.

"Es ist immer das Ziel gewesen, dass die Pharmaindustrie von der IMI profitiert', sagt Jan Raaijmakers, Professor an der niederländischen Universität Utrecht und ehemaliger Vizepräsident für externe Forschungskooperationen bei GSK Europe. "Deshalb ist auch klar, dass die Pharma bei der IMI ziemlich den Ton bestimmt."

Das ist schon in der Konstruktion der IMI angelegt. Die Ausschreibungen - und damit die Forschungsagenda - werden von den Konsortien des europäischen Pharmaverbands EFPIA entwickelt. Erst bei der Bewertung der eingereichten Anträge dürfen Forscher und kleinere Unternehmen mitreden.

Der Verband der europäischen Pharmaindustrie EFPIA erklärt auf Anfrage des Rechercheverbunds, dass sehr wohl viele der Krankheiten erforscht werden, die auf der Liste der WHO stehen.

Die Ausrichtung der Forschung in der ersten Projektlaufzeit sei allerdings Ergebnis einer "breit angelegter Konsultation mit den wichtigsten Beteiligten aus der Biomedizin" gewesen. Die IMI soll sich selbstverständlich an den Leitlinien orientieren, aber "es ist nicht zu vermeiden, dass die IMI auch in anderen Bereichen agiert". Dies sei zulässig, solange es an den "allgemeinen Zielen der IMI" ausgerichtet sei.

Mitarbeit: Christina Elmer, Timo Grossenbacher, Sylke Gruhnwald, Maximilian Schäfer



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