Umfrage unter 12- bis 25-Jährigen Immer weniger junge Menschen rauchen

Nur einer von fünf jungen Erwachsenen in Deutschland raucht Zigaretten, unter Jugendlichen einer von zwanzig - so wenige wie nie zuvor. Bei Alkohol und Cannabis sind die Zahlen weniger erfreulich.
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Rauchen sei bei jungen Menschen zunehmend uncool, sagt Heidrun Thaiss, die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Laut einer Umfrage  der Organisation sagen nur noch 5,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen von sich, ständig oder gelegentlich zu rauchen. Unter den 18- bis 25-Jährigen sind demnach 21,2 Prozent Raucher - ebenfalls ein historischer Tiefstand.

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) sprach von erfreulichen Zahlen. Weitere Werbeverbote, die der Bundestag an diesem Donnerstag beschließen soll, seien aber wichtig, damit die Quoten so niedrig bleiben.

Der Anteil der "Nie-Raucher" stieg in der Umfrage auf den bisher höchsten Wert: Nach eigenen Angaben noch kein Mal im Leben geraucht haben 85,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 45,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen. Die Entwicklung bei E-Produkten und Wasserpfeifen sei genau zu beobachten - auch wenn aktuell keine weiteren Anstiege beim Konsum zu sehen seien. Für die Studie wurden den Angaben zufolge 7000 Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren zwischen April und Juni 2019 befragt. Die Umfragereihe  läuft seit 1973 in regelmäßigen Abständen.

Um vor allem junge Leute vor Risiken zu schützen, will die Große Koalition am Donnerstag ein schrittweises Verbot der Plakatwerbung fürs Rauchen durchs Parlament bringen. Wirksam werden soll es ab 2022. Ins Visier kommen auch Elektrozigaretten. Auch Kinowerbung und Marketingaktionen sollen beschränkt werden. Es sei wichtig, dass Deutschland jetzt als letztes europäisches Land ein Außenwerbeverbot beschließe, das auch E-Produkte umfasse, sagte Ludwig. "Werbung wird gemacht, um Konsum anzureizen. Wer das Gegenteil behauptet, lügt." BZgA-Leiterin Thaiss sagte: "Prävention ist immer Schwimmen gegen den Strom." Niedrige Zahlen hießen nicht, dass man sich ausruhen könne.

Nicht nur in der jüngeren Altersgruppe sind mehr Menschen Nichtraucher als in vergangenen Jahren: Beim Suchtsurvey 2018 , für den Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren befragt werden, gaben nur 15 Prozent an, im vergangenen Monat mindestens eine Zigarette geraucht zu haben. Der Anteil der Raucher sinkt laut der Untersuchung seit Mitte der Neunzigerjahre, als noch rund 30 Prozent der Befragten sagten, im vergangenen Monat mindestens eine Zigarette geraucht zu haben.

"Cannabis ist kein Brokkoli"

Sorgen bereiten in der BZgA-Umfrage das verbreitete Alkoholtrinken bis zum Rausch sowie Konsumanstiege bei Cannabis. Laut der BZgA haben 10,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 46,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen schon einmal Cannabis ausprobiert. "Cannabis ist die mit Abstand am meisten konsumierte illegale Substanz", sagte Thaiss. Dies sei besonders bedenklich, da der Konsum im Jugendalter mit besonderen Risiken für den wachsenden Organismus verbunden sei.

Die Drogenbeauftragte warnte davor, mit Debatten über eine Freigabe von Cannabis den Eindruck zu erwecken, man spreche über einen eher harmlosen Stoff. "Nur weil Alkohol gefährlich ist - unbestritten -, ist Cannabis kein Brokkoli." Sie habe keine Veranlassung, die Debatte über eine Legalisierung zu vertiefen. "Wir haben zwei Volksdrogen, ich brauche keine dritte", sagte Ludwig mit Blick auf Alkohol und Tabak.

Angesichts der Coronakrise verwies die CSU-Politikerin auch auf die besonders schwierige Lage von Kindern in Familien mit Suchtproblemen; meist geht es um Alkohol. Hier sei wegen der Schließungen von Schulen und Kitas ein Stück gesellschaftliche Kontrolle abhandengekommen. "Wenn Kinder Eltern in Suchtsituationen erleben müssen, hinterlässt das tiefe Wunden." Neben der Arbeit von Kinderärzten und Jugendämtern komme es auf alle an, bei Problemen nicht wegzuschauen.

wbr/kry/dpa