Infarktrisiko Trinkgelage schlagen aufs Herz

Ein Glas pro Abend oder ein Trinkgelage einmal pro Woche? Obwohl die gleiche Alkoholmenge konsumiert wird, schadet letzteres dem Herzen mehr. Dies berichten Forscher, nachdem sie die Trinkgewohnheiten von Nordiren und Franzosen verglichen haben.

Alkoholkonsum: Das Infarktrisiko wird vom Trinkverhalten beeinflusst
dpa

Alkoholkonsum: Das Infarktrisiko wird vom Trinkverhalten beeinflusst


Regelmäßige Trinkgelage am Wochenende verdoppeln im Vergleich zu gemäßigtem Alkoholkonsum das Risiko, einen tödlichen Herzinfarkt zu erleiden. Das berichten französische und britische Wissenschaftler, die unterschiedliche Trinkgewohnheiten in Frankreich und Nordirland verglichen haben. Sie begleiteten 9778 Männer aus den französischen Städten Lille, Straßburg und Toulouse sowie in der nordirischen Hauptstadt Belfast, die zum Beginn der Studie in den neunziger Jahren zwischen 50 und 59 Jahre alt waren und keine Herzerkrankungen hatten. Die Herzgesundheit und das Trinkverhalten der Teilnehmer wurde zehn Jahre lang beobachtet.

Wie das Forscherteam um Jean-Bernard Ruidavets von der Universität Toulouse im "British Medical Journal" berichten, erlitten 332 Männer innerhalb dieses Zeitraums einen Herzinfarkt. Außerdem gab es 361 Fälle von Angina-Pectoris - schmerzhaftem Druck im Brustbereich, der durch Verengung der Herzkranzgefäße verursacht wird. Die Herzinfarktrate in Belfast war dabei fast doppelt so hoch wie die in den französischen Städten. Die Wissenschaftler berücksichtigten beim Vergleich auch andere Risikofaktoren für Herzerkrankungen wie etwa Zigarettenkonsum, Blutdruck, Bauchumfang und Diabetes.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die in einer Woche konsumierte Alkoholmenge sich in beiden Ländern nicht stark unterscheidet. Aber: Während sich der Alkoholkonsum in Nordirland auf den Samstag konzentriert, trinken die Franzosen den Alkohol eher über die Woche verteilt. In Nordirland kommt es demnach 20-mal so häufig zu Trinkgelagen wie in Frankreich. Dazu zählen die Wissenschaftler Abende, an denen mehr als 50 Gramm Alkohol konsumiert werden. Das entspricht etwa vier bis fünf Gläsern Wein oder ebenso vielen großen Gläsern Bier.

Einen weiteren Grund für die unterschiedliche Herzinfarktrate sehen die Forscher auch in der Art des getrunkenen Alkohols. Während die Männer in Belfast vor allem Bier und harten Alkohol tranken, ist in Frankreich Wein das mit großem Abstand am meisten getrunkene alkoholische Getränk. Regelmäßigem und gemäßigtem Weinkonsum wird in Studien immer wieder eine positive Wirkung auf das Herz nachgesagt. Diese Theorie ist allerdings umstritten.

wbr/AFP



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