Coronavirus Italien riegelt betroffene Gebiete ab

Nach zwei Todesfällen und Dutzenden Ansteckungen hat sich die italienische Regierung zu drastischen Maßnahmen entschieden. Aus den als Epidemiezentren geltenden Orten im Norden darf niemand mehr ausreisen. Betroffen sind 50.000 Menschen.
Im norditalienischen Codogno bringen Krankenhausmitarbeiter neue Betten

Im norditalienischen Codogno bringen Krankenhausmitarbeiter neue Betten

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Luca Bruno/ AP

Die italienische Regierung will die Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Dafür wird die Bewegungsfreiheit der Bewohner der am stärksten betroffenen Städte stark eingeschränkt. Das teilte die italienische Regierung mit. Ein entsprechendes Dekret sei am Abend erlassen worden.

Wie ernst die Lage inzwischen ist, war Ministerpräsident Giuseppe Conte anzusehen, als er am Samstag Abend im Zentrum für Zivilschutz in Rom vor die Presse trat. "Wir werden Italien nicht in ein Lazarett verwandeln", sagte er. Aber er betonte auch: "Die Gesundheit der Italiener hat höchste Priorität".

Dem Dekret zufolge werden zehn Kommunen in der Lombardei und eine Kommune im Veneto abgeriegelt. 50.000 Menschen sind betroffen. Sie dürfen ihre Orte nicht mehr verlassen, zugleich dürfen die Kommunen von Auswärtigen nicht mehr betreten werden. Arbeit und Versammlungen sind in der Sperrzone nicht mehr zugelassen. Wer sich der Anordnung widersetzt, riskiert bis zu drei Monate Haft. Einen Anlass für das harte Durchgreifen lieferte eine Familie, die die gefährdete Zone verlassen wollte. "Wenn sich ein solches Verhalten verbreitet", erklärte Ministerpräsident Conte, "riskieren wir, dass wir die Verbreitung des Virus nicht eindämmen können". Deshalb müssten nun "für einige Wochen" restriktive Maßnahmen ergriffen werden. 

Die Menschen könnten sich nur noch mit "besonderen Ausnahmeregelungen" bewegen. Conte kündigte die Maßnahme nach Krisengesprächen mit der Zivilschutzbehörde des Landes an. Wie die Zeitung "Repubblica" unter Berufung auf Gesundheitsminister Roberto Speranza berichtet, habe der Bildungsminister nun zudem die Möglichkeit, Schulreisen in Italien und im Ausland sowie Sportreisen zu untersagen.

In Italien waren zuvor 76 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 erfasst worden, zwei Menschen sollen daran gestorben sein. Damit ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten. In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf, darunter ein Todesfall.

In Italien verteilten sich die Infizierten auf die Lombardei, Venetien und die Region Piemont. Nachgewiesen wurde der Erreger demnach unter anderem bei der Frau und einer Tochter des Mannes, der mutmaßlich Italiens erstes gemeldetes Covid-19-Todesopfer ist.

Der italienische Zivilschutz sprach von einem zweiten Opfer, dessen Tod wohl auf die von Sars-CoV-2 verursachte Lungenerkrankung Covid-19 zurückzuführen sei. Beim ersten gemeldeten Toten handelt es sich um einen 78-Jährigen in Venetien, beim zweiten um eine Frau in der Lombardei.

Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch schwer erkrankt in der Klinik der Kleinstadt Codogno behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

In zehn Gemeinden der Lombardei waren die rund 50.000 Einwohner bereits vor dem Erlassen des Dekrets aufgerufen worden, möglichst zu Hause zu bleiben. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents waren bereits verboten worden. Der Unterricht an den Universitäten in der Lombardei soll in der kommenden Woche ausfallen.

Schutzmaßnahmen werden in Norditalien auch jenseits der jetzt gesperrten Kommunen ergriffen. Sämtliche Sportveranstaltungen in den Regionen Lombardei und Veneto wurden abgesagt, darunter auch ein für Sonntag geplantes Fußballspiel von Inter Mailand. Und auch auf den Mailänder Modeschauen gibt es Konsequenzen: So verkündete zum Beispiel Giorgio Armani, dass seine für Sonntag geplante Modenschau ohne Publikum stattfinden und nur per Livestream zu sehen sein soll, um die Gäste zu schützen. 

 Italiens Außengrenzen sollen unterdessen geöffnet bleiben. Eine Aussetzung des Schengen-Abkommens für Italien wäre angesichts der jetzigen Lage nicht angemessen, sagte Regierungschef Conte.

Wegen der Situation im Nachbarland bereitet sich auch Frankreich auf eine Ausbreitung des Coronavirus vor. Die Lage werde "aufmerksam verfolgt", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran im Gespräch mit dem "Le Parisien".

Auch auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich die Lage zu: Wie die Gesundheitsbehörden am Samstag mitteilten, wurden in Südkorea binnen eines Tages 229 weitere Ansteckungen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen. Damit stieg die Zahl erfasster Fälle auf 433.

fek/Frank Hornig/dpa
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