Minister Jens Spahn an Ungeimpfte »Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?«

Angesichts steigender Coronazahlen wird Gesundheitsminister Jens Spahn gegenüber Impfverweigerern deutlich. Sein CDU-Kollege Friedrich Merz brachte einen Lockdown für Ungeimpfte ins Spiel.
Jens Spahn (Archivbild): »Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist«

Jens Spahn (Archivbild): »Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist«

Foto: CLEMENS BILAN / EPA

Eine bundesweite Inzidenz an der 400-Marke, dazu noch deutlich höhere Zahlen unter anderem in Ostdeutschland: Von einer Verbesserung der Coronalage ist Deutschland immer weiter entfernt. Trotzdem verweigert eine nicht unerhebliche Minderheit weiter eine Impfung gegen das Virus .

An diese Gruppe wandte sich der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit folgender Ansage in der »Rheinischen Post«: »Es gibt immer noch diejenigen, die glauben, das Virus könne ihnen nichts anhaben. Diese Menschen würde ich am liebsten auf eine Intensivstation zerren und sie im Angesicht des Leids fragen: Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?«

Der CDU-Politiker hält es für möglich, die für den 9. Dezember geplante nächste Ministerpräsidentenkonferenz vorzuziehen. »Wir werden früher handeln müssen. Wir sehen ja, dass in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen die Lage sehr ernst ist. Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen. Das haben wir so noch nicht gehabt in der Pandemie. Das wird noch eine große Herausforderung werden.« Schärfere Maßnahmen für Veranstaltungen, Bars und Klubs müssten geprüft werden.

Auf die Frage, ob er einen Teillockdown ausschließe, sagte Spahn: »Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist.« Wichtig sei allerdings, dass alles getan werde, um Schließungen von Kitas und Schulen zu vermeiden.

Lockdown für Menschen ohne Impfung?

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz schlug angesichts der Infektionszahlen einen Lockdown für Ungeimpfte vor. »Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann dann nur noch zur Apotheke, in den Supermarkt und zum Arzt«, sagte Merz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ungeimpfte könnten dann auch nicht mehr arbeiten: »Mit konsequenter 2G-Regelung wäre der Zugang zum Betrieb und zur Arbeitsstelle auch nur noch für Geimpfte und Genesene möglich – mit allen Konsequenzen«, so Merz. Es müsse gelten: »Kein Ungeimpfter mehr im Büro, kein ungeimpfter Fußballspieler mehr auf dem Rasen, kein ungeimpfter Abgeordneter mehr im Bundestag, kein ungeimpfter Student mehr im Hörsaal.«

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Verlegung von Intensivpatienten beginnt

Erst am Dienstagabend war bekannt geworden, dass zahlreiche Bundesländer mit der strategischen Verlegung von Intensivpatienten beginnen. Wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) mitteilte, soll in den nächsten Tagen eine »größere Anzahl« an Patienten aus Bayern, Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg in andere »Kleeblatt-Regionen« verlegt werden.

Das sogenannte Kleeblatt-Konzept wurde in der Pandemie entwickelt, um bei einer hohen regionalen Auslastung der Intensivstationen die Verteilung von Patienten zu erleichtern. Die 16 Bundesländer sind dabei in fünf Gruppen aufgeteilt – die Kleeblätter Nord, Ost, Süd, Südwest und West. Bayern bildet das Kleeblatt Süd, die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg befinden sich im Kleeblatt Ost.

jok/dpa
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