Steigende Coronazahlen Spahn fordert Länder zur Wiedereröffnung von Impfzentren auf

Der Herbst ist da, und die Infektionszahlen schnellen in die Höhe: Nochgesundheitsminister Jens Spahn setzt auf Booster-Impfungen – und will deshalb die Impfzentren der Länder reaktivieren.
Jens Spahn (Archivbild)

Jens Spahn (Archivbild)

Foto: Christoph Soeder / picture alliance / dpa

Angesichts stark steigender Coronafälle in Deutschland fordert der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Länder auf, ihre Impfzentren wieder zu öffnen. »Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Stand-by bereithalten, nun wieder startbereit machen«, sagte er der »Rheinischen Post«.

Zudem riet Spahn erneut dazu, in einem ersten Schritt alle Menschen über 60 schriftlich zur Impfung einzuladen. »Das hat bei den Erstimpfungen auch gut geklappt.« Hintergrund ist, dass mehr Menschen eine Auffrischungsimpfung – die Booster-Impfung – gegen die nachlassende Wirkung des Impfstoffs wahrnehmen sollen.

Spahn hatte am vergangenen Freitag für eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus geworben. Empfohlen sei das für Menschen über 60 Jahre, so Spahn im rbb-Inforadio. Impfstoff sei »mehr als genug« vorhanden, auch für alle anderen Menschen.

Mit dieser Aussage hatte der Minister für einigen Unmut bei Ärztevertretern gesorgt. »Wir sind verärgert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Erwartungen schürt, Booster-Impfungen seien für alle möglich«, sagte zuletzt das Bundesvorstandsmitglied des Hausärzteverbands, Armin Beck, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ärztekammerchef: »Keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz«

Durch Spahns Äußerungen werde nun der Aufklärungs- und Diskussionsbedarf in den Praxen größer. »Die Hausärzte folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, und diese empfiehlt aktuell Drittimpfungen nur für über 70-Jährige und wenige andere Gruppen.«

Auch der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, war nicht glücklich über den Vorstoß des Ministers. »Für die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz«, sagte Reinhardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Er warb gleichzeitig für die Drittimpfung von älteren und vorerkrankten Menschen: Sie könne ihr Infektionsrisiko erheblich reduzieren.

Die meisten jungen Menschen wären zu früh dran

Seit zwei Monaten können sich bestimmte Bevölkerungsgruppen zum dritten Mal gegen das Coronavirus impfen lassen. Für Risikogruppen ist die Auffrischungsimpfung wichtig, denn der Schutz gegen Erkrankungen lässt im Laufe der Zeit nach – gleichzeitig haben sie bei Impfdurchbrüchen ein höheres Risiko für schwere Verläufe. Doch bisher nahmen nur wenige das Angebot wahr. Expertinnen und Experten fordern in Anbetracht steigender Fallzahlen jetzt mehr Tempo bei den Booster-Impfungen.

Bisher empfiehlt die Ständige Impfkommission die Drittimpfung nicht generell für jüngere Altersgruppen, sondern nur in bestimmten Fällen, etwa für medizinisches und Pflegepersonal. Die meisten jüngeren Menschen wurden zudem erst im Sommer geimpft, der empfohlene Mindestabstand von sechs Monaten zur Grundimmunisierung ist also noch gar nicht vorbei – und ihr Impfschutz dürfte noch zuverlässig sein.

jok/dpa
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