Gesundheitsminister Spahn "Bis 40 Prozent der Bevölkerung sind Risikogruppe"

Die Infektionszahlen schnellen in Deutschland in die Höhe. Für Gesundheitsminister Jens Spahn hängt das auch mit der Altersstruktur zusammen – und dem Wohlstandsleben.
Jens Spahn (Archivbild): "Alles Risikofaktoren für dieses Virus"

Jens Spahn (Archivbild): "Alles Risikofaktoren für dieses Virus"

Foto: MICHELE TANTUSSI/ REUTERS

Die Marke von 20.000 Infektionen am Tag wurde zuletzt wiederholt erreicht, Deutschland befindet sich noch vor dem offiziellen Winteranfang mitten in der zweiten Corona-Welle. Und eine Abschwächung ist bisher nicht in Sicht. Im Gegenteil: Bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland zählen in der Pandemie nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Risikogruppe.

"Bei uns sind 23 Millionen Deutsche über 60", sagte der CDU-Politiker der "Bild" . Der Minister weiter: "Wir sind ein Wohlstandsland mit Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewichtigkeit. Alles Risikofaktoren für dieses Virus, wie für viele Infektionskrankheiten übrigens auch." Er warnte: "Wenn Sie nach der Definition gehen, sind 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Risikogruppe." Die Bundesrepublik sei nach Japan das zweitälteste Land der Welt.

Mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen sagte Spahn: "Wenn von 20.000 Neuinfizierten an einem Tag etwa zwei Prozent in die Intensivmedizin müssen, dann sind das 400 am Tag. Wenn die intensivmedizinische Behandlung und Begleitung 15 Tage im Schnitt dauert – sind das 6000."

Die Intensivstationen füllen sich wieder

Diese Zahl werde Deutschland "im November noch erreichen, das ist im Grunde schon absehbar". Für das Gesundheitswesen sei diese Belastung nur "unter ziemlicher Anspannung" zu bewältigen. "Wenn die Intensivmedizin mal zu voll ist, überfüllt ist, überlastet ist, dann ist es zu spät", sagte Spahn der "Bild".

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen erreichte am Wochenende in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Der bisherige Höchststand war laut DIVI am 18. April mit 2933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

Banger Blick auf die Zahlen zum Wochenanfang

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Sonntag lag die Zahl der Neuinfektionen zuletzt bei 16.017 Fällen innerhalb eines Tages. Das waren rund 7000 Fälle weniger als noch am Tag zuvor, an dem mit 23.399 neu gemeldeten Fällen ein neuer Höchstwert erreicht worden war. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen jedoch meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 63 auf insgesamt 11.289.

Laut einer Umfrage im Auftrag der Ergo-Versicherung von Mitte Oktober hatten sich selbst als Teil einer Risikogruppe insgesamt 41 Prozent der befragten Bundesbürger gesehen. Am wenigsten waren es unter jüngeren Leuten bis 30 Jahre mit 11 Prozent, am meisten bei den über 60-Jährigen mit 75 Prozent.

jok/dpa
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