Spahn zu steigenden Corona-Zahlen "Wir alle können der Spielverderber für das Virus sein"

Wenn die Grippewelle im Winter zeitgleich auf Covid-19 trifft, droht eine Überlastung des Gesundheitssystems. RKI und Gesundheitsministerium appellieren daher an die Menschen in Deutschland.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz (Archivbild)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz (Archivbild)

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CHRISTIAN MARQUARDT/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht die steigenden Corona-Neuinfektionen in Deutschland mit Sorge. "Uns allen bereiten die steigenden Zahlen Sorgen und das zu Recht, aber wir stehen dem Virus nicht machtlos gegenüber", sagte er auf der Bundespressekonferenz am Mittwoch. "Aber wir alle können einen echten Unterschied machen."

Dazu benötige es zwar Freiheit und Verzicht, so der Gesundheitsminister. Jedoch bedeute das auch, "heute auf etwas zu verzichten, um morgen wieder mehr zu haben". "Wir wollen Weihnachten mit der Familie möglich machen und die kommenden Wochen mit möglichst wenigen Beschränkungen überstehen", sagte er. "Wir alle können der Spielverderber für das Virus sein."

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Deutschland erneut gestiegen: 5132 Fälle wurden am Dienstag von den Gesundheitsämtern an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. Seit April hat es nicht so viele Neuinfektionen gegeben. Allerdings sind die Zahlen schwierig zu vergleichen, weil auch die Testkapazitäten gestiegen sind. Die Gesamtzahl der bestätigten Fälle stieg auf 334.585. Bei den Todesfällen verzeichnet das RKI einen sprunghaften Anstieg von tags zuvor 13 auf 43. 

"Wir wissen heute mehr über das Virus"

Das Virus sei nun zwar weiter in der Bevölkerung verbreitet, schlimmer als im Frühjahr sei die Pandemie dennoch nicht zu bewerten, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. "Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass wir heute mehr Wissen über das Virus haben", sagte er. Im März habe man keine Erfahrung gehabt, keine Schutzkleidung und keine ausgereiften Hygienekonzepte. "Inzwischen wissen wir zielgenau, welche Maßnahmen wir durchführen können - wir können ein Feuer, das entfacht wird, schneller löschen."

"Die schweren Verläufe von Covid-19 werden weiter zunehmen, daher müssen wir verhindern, dass zusätzlich die Grippekranken zunehmen", sagte Wieler zur Notwendigkeit der Grippeimpfung, um die es bei der Pressekonferenz hauptsächlich ging. Covid-19 könne zu Leiden führen, die noch Monate anhalten können. "Wenn viele Covid-19-Fälle und viele Grippefälle auftreten, befürchten wir, dass das Gesundheitssystem überlastet wird", sagte Wieler. Daher sei es wichtig, sowohl die Corona-Zahlen als auch die Grippe gering zu halten. Gegen die Grippe gebe es seit vielen Jahrzehnten einen wirksamen Impfstoff.

Es sei wichtig, dass sich besonders Risikogruppen und Beschäftigte im Gesundheitswesen frühzeitig impfen lassen, sagte Spahn. Auch er habe sich impfen lassen: "Das ist ein kleiner Pieks mit dreifacher Wirkung: Er schützt mich, er schützt andere und er schützt das Gesundheitssystem", sagte er. Man habe in diesem Jahr zusätzlich sechs Millionen Grippe-Impfstoffdosen bestellt. Das sei fast doppelt so viel wie in der vergangenen Saison verimpft worden sei. Insgesamt stünden rund 26 Millionen Impfstoffdosen in Deutschland zur Verfügung. Um den Zugang zum Grippeimpfstoff zu erleichtern, zog Spahn Impfungen in Apotheken in Erwägung.

kry
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