Guillain-Barré-Syndrom US-Behörde warnt vor seltener Nervenerkrankung nach Johnson-&-Johnson-Impfung

Probleme beim Gehen und mit der Mimik, Schwächegefühl in Armen und Beinen: In den USA wurden nach Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson sehr seltene Nebenwirkungen beobachtet.
Leere Impfstoff-Ampullen von Johnson & Johnson (Archiv)

Leere Impfstoff-Ampullen von Johnson & Johnson (Archiv)

Foto: Gregor Fischer / picture alliance / dpa

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat vor einem »erhöhten Risiko« einer seltenen Nervenerkrankung bei einer Impfung mit dem Mittel des Pharmakonzerns Johnson & Johnson gewarnt. Die FDA aktualisierte am Montag ihren Warnhinweis , nachdem Dutzende Fälle des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms gemeldet worden waren.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, gibt es bislang rund 100 vorläufige Berichte über ein Auftreten der neurologischen Krankheit – bei rund 12,5 Millionen verabreichten J&J-Impfdosen. In 95 Fällen mussten die Patienten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Mensch starb.

In den USA gibt es jährlich zwischen 3000 und 6000 Fälle des Guillain-Barré-Syndroms. Bei dieser Krankheit werden Nerven durch eine überschießende Autoimmunreaktion geschädigt, weshalb sie keine Reize mehr übertragen können. Das kann zu Lähmungen führen, die in den meisten Fällen, aber nicht in allen, vorübergehend sind. Auch nach anderen Impfungen, wie etwa der Grippeimpfung, wurde ein Auftreten des Syndroms beobachtet. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte auch Fälle des Guillain-Barré-Syndroms nach Impfungen mit AstraZeneca gemeldet und untersucht.

Die FDA berichtete, dass bei den meisten Patientinnen und Patienten etwa 42 Tage nach der Impfung Symptome aufgetreten seien. Die Arzneimittelbehörde rief dazu auf, umgehend einen Arzt aufzusuchen, wenn nach der Impfung folgende Schwierigkeiten auftreten:

  • Probleme beim Gehen,

  • Schwächegefühl in Armen und Beinen,

  • Schwierigkeiten bei der Mimik, vor allem beim Sprechen, Schlucken oder Kauen,

  • Schwierigkeiten, die Blase und den Darm zu kontrollieren,

  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen oder doppeltes Sehen.

Der neue Warnhinweis der FDA ist ein weiterer Rückschlag für Johnson & Johnson. Im April wurde der Einsatz des Coronaimpfstoffs des US-Pharmakonzerns in den USA zwischenzeitlich ausgesetzt, nachdem vor allem bei jüngeren Frauen vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln aufgetreten waren. Die Behörden kamen aber zu dem Schluss, dass die Vorteile der Impfung die Risiken klar überwiegen. Für Schlagzeilen sorgte zudem eine größere Produktionspanne in einem Werk in der US-Stadt Baltimore.

In der Impfkampagne in den USA spielt der Impfstoff von Johnson & Johnson, von dem nur eine Dosis notwendig ist, eine untergeordnete Rolle. Bislang wurden weniger als 13 Millionen Impfdosen verabreicht. Von dem Coronaimpfstoff von Biontech/Pfizer sind es schon mehr als 185 Millionen, von der Vakzine des Biotech-Unternehmens Moderna mehr als 135 Millionen. In Deutschland wurden bisher rund 2,1 Millionen Menschen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft (Stand 12. Juli).

Der stellvertretende Direktor des US-amerikanischen Global Vaccine Data Networks, Steven Black, befürchtet, dass die neuen Meldungen über mögliche Nebenwirkungen die Impfbereitschaft weiter senken könnten. »Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass solche Nachrichten das Vertrauen in Impfstoffe senken und diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, sagen werden >Siehst du, ich hatte recht< – dabei hatten sie nicht recht«, sagte er der »New York Times« . Das Risiko der Nebenwirkungen sei so gering, dass es eine rationale Entscheidung, sich impfen zu lassen, nicht beeinflussen sollte.

kry/AFP