Kampf um die E-Zigarette Elektroraucher bangen um den Nikotindampf

Sieht ihrer analogen Schwester zum Verwechseln ähnlich: Die E-Zigarette
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Sieht ihrer analogen Schwester zum Verwechseln ähnlich: Die E-Zigarette

Von Magdalena Hamm

2. Teil: Einige Hersteller mischen verbotene Medikamente in die Kartuschen


Die fehlende Regulierung des Markts nimmt bisweilen gefährliche Züge an. So mischen manche Hersteller gezielt Medikamente in die Nikotinlösung, um mit einem medizinischen Effekt zu werben. Etwa so: "Beim Rauchen die sexuelle Potenz steigern". Die entsprechenden Kartuschen enthalten Tadalafil, ein Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen.

"Beim Rauchen Gewicht verlieren" ist das Versprechen von Kartuschen mit Rimonabant. Dieser Wirkstoff wurde vor ein paar Jahren als Arznei gegen Übergewicht zugelassen, dann aber wieder vom Markt genommen - er ist somit verboten.

Die FDA konnte mit einer weiteren chemischen Analyse bestätigen, dass die Kartuschen die Wirkstoffe tatsächlich enthalten. Von ihrem Gebrauch ist in jedem Fall abzuraten, da Nebenwirkungen oder eventuelle Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten kaum abzuschätzen sind. Wie die FDA schreibt, kann zum Beispiel Tadalafil in Kombination mit nitrathaltigen Verbindungen zu einem drastischen Abfall des Blutdrucks führen, der im schlimmsten Fall lebensbedrohlich ist.

Gefahr für Jugendliche?

Auch Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum plädiert für ein Verbot der E-Zigarette: "Wir brauchen nicht noch ein Suchtmittel."

Ihrer Erfahrung nach ist die elektronische Variante für einen starken Raucher keine Alternative, dafür sei die Handhabung des Geräts viel zu umständlich. Man müsse zum Beispiel ständig den Akku aufladen und die Kartuschen wechseln. Sie vermutet, dass sich das Produkt vielmehr an Kinder und Jugendliche richtet. "Dafür spricht, dass die Kartuschen in vielen süßen Aromen angeboten werden." In der Tat kann man im Netz, von A wie Apfel bis Z wie Zimt, fast jede vorstellbare Geschmacksrichtung bestellen. Pötschke-Langer will hier eine Parallele zu den Alcopops erkennen.

Im E-Rauchen-Internetforum ist eine Registrierung offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt, jedoch wird das Alter hier, genau wie auf den Händlerseiten, nicht eindeutig geprüft.

Wer sich durch die Einträge klickt, stößt auf zahlreiche Erfolgsgeschichten der Rauchentwöhnung. So mancher User zählt in einem Ticker, wie lange er schon ohne "Pyros", also echte Zigaretten auskommt: 234 Tage, 16 Stunden und drei Minuten. Nachprüfen kann man solche Forenbeiträge natürlich nicht. Pöttschke-Langer ist misstrauisch: "Blogs und Foren können leicht von Händlern missbraucht werden, um Werbung zu streuen."

In Deutschland gibt es momentan keine Bestrebungen, rechtlich gegen die E-Zigarette vorzugehen. Man will zuerst das EU-Urteil abwarten. Bis Mitte Dezember läuft noch eine Online-Anhörung der EU-Kommission. Eine Entscheidung ist nicht vor 2012 zu erwarten.



insgesamt 220 Beiträge
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slider 13.12.2010
1. E-Zigarette, woran erinnert mich dies ?
Ach ja, an den Alkoholkranken, der vor lauter Verzweiflung Rasierwasser trinkt, weil nichts "anderes" da ist.
chrome_koran 13.12.2010
2. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Die EU, waren das nicht die, die normale, altbewährte, harmlose, schöne Glühbirne zu Gunsten von hochtoxischen "Sparlampen" verboten hat? Wen kümmert schon das bisschen Quecksilber im Kinderzimmer, wenn so eine "Sparlampe" kaputt geht. Alles, was den Leuten hilft, von der Zigarette wegzukommen, ist zu begrüßen. Eine Marktregulierung für solche Erfindungen zwar ebenso, aber ich fürchte, der Zug ist schon abgefahren. Steht einmal ein illegales Distributions-Netzwerk, ist es nicht ganz einfach aus der Welt zu schaffen.
xysvenxy 13.12.2010
3. Selber Nutzer
Ich nutze die e-Zigarette selber und finde den Artikel hier, für gewohntes Spiegel-Niveau, reichlich negativ den e-Zigaretten gegenüber. Da gibt es nun endlich eine Alternative zum normalen Rauchen die Nichtraucher nicht dem Passivrauchen aussetzt, die ca. 250 Schadstoffe weniger enthält als normaler Zigarettenrauch - und dann wird nicht nur erwogen die Dinger gleich zu verbieten sondern auch die Berichterstattung ist nicht neutral sondern tendenziell negativ. Wie schön, dass ich relativ nah an den Niederlanden wohne, dort ist man schon viel weiter und kann e-Zigaretten an Tankstellen etc. kaufen. Sollte es also in Deutshcland zu einem Verbot kommen, kann ich mich wenigstens dort eindecken.
tetaro 13.12.2010
4. EU mal wieder
Zitat von sysopRauchen verboten, dampfen erlaubt? Die elektronische Zigarette verbrennt keinen Tabak, stattdessen verdunstet ein flüssiges Nikotinkonzentrat. Hersteller und Konsumenten schwärmen vom gesünderen Genuss oder einem neuen Weg zur Rauchentwöhnung - die EU erwägt dennoch ein Verbot. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,733161,00.html
Die EU macht in der letzten Zeit anscheinend durch Verbote um der Verbote willen von sich reden. Grundsätzlich sollte es in einer Demokratie Freiheit der Genussmittel geben, das heißt jeder trifft die Entscheidungen für sich. Anders kann das m.E. nur bei deutlich schädlichen Substanzen begründet werden, die den Konsumenten seines freien Willens berauben oder wenn Unbeteiligte geschädigt werden. Nur auf Verdacht verbieten, halte ich für bedenklich. Wieso sollte sich ein großer Bruder überall ins Leben einmischen dürfen?
AchimVosa 13.12.2010
5. Die E Zigarrete kann sehr wohl helfen..bzw ihr nicht elektrisches pendant.
Ich hab mit der nicht elektrischen Variante Erfolg gehabt. Ich denke ohne Inhalator hätte ich es nicht geschafft mit dem Rauchen aufzuhören. Und jetzt bin ich schon ein jahr lang ohne Zigaretten , und seit 10 Monaten ohn Inhalator. Kaugummi und Pflaster helfen wenig, da viele Raucher etwas in den Händen halten müssen, undgleichseitig sich langsam vom Nikotin entwöhnen müssen. Das dort jedoch andrer Inhaltsstoffe drin sind ist echt mies.
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