Ausbreitung in Deutschland Lauterbach besorgt wegen unklarer Corona-Datenlage

Wie steht es um die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland? Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist diese Frage aktuell schwer zu beantworten – weil wegen der Feiertage wichtige Daten fehlen.
Minister Karl Lauterbach (am 6. Dezember)

Minister Karl Lauterbach (am 6. Dezember)

Foto: FILIP SINGER / EPA

Auch in Deutschland dürfte sich – wie in vielen anderen Ländern – die Omikron-Mutante des Coronavirus derzeit rapide ausbreiten. Allerdings wird laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die konkrete Einschätzung der Pandemielage durch ungenaue Daten erschwert.

Gerade die Dynamik bei Omikron sei »in den offiziellen Zahlen nicht zutreffend abgebildet wegen der Testausfälle und Meldeverzögerungen«, sagte Lauterbach der »Bild«-Zeitung.  »Ich beschaffe mir gerade mit dem RKI und zahlreichen Datenquellen aus ganz Deutschland ein Gesamtbild zur Lage.«

Wegen der Feiertage kommt es auch in diesem Jahr laut Robert Koch-Institut (RKI) unter anderem bei der Weitergabe von Daten zu Verzögerungen. Außerdem wird weniger getestet. Der Zeitung zufolge will Lauterbach die Gesundheitsämter dazu bringen, schnell die Kapazitäten für Tests und Kontaktnachverfolgungen wieder hochzufahren. Spätestens bis zur Ministerpräsidentenkonferenz am 7. Januar solle ein realistischer Überblick über das Infektionsgeschehen vorliegen.

Innerhalb eines Tages war die Zahl der an das RKI übermittelten sicher nachgewiesenen und wahrscheinlichen Omikron-Fälle in Deutschland stark gestiegen – um 45 Prozent im Vergleich zum Vortag. Das teilte das RKI am Dienstag mit. Es gab demnach mit 10.443 Fällen erstmals eine fünfstellige Gesamtzahl bei dieser Virusvariante.

In absoluten Zahlen entfallen laut RKI die meisten bisherigen Meldungen, die Omikron zugeordnet werden, auf Nordrhein-Westfalen mit 3476. Es folgen Bayern mit knapp 1896 und Hamburg mit 1487. Angaben zur Häufigkeit von Tests auf Varianten je nach Land wurden dabei nicht gemacht.

Den Angaben zufolge gab es bisher vier Todesfälle im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion: drei Menschen aus der Altersgruppe 60 bis 79 Jahre und einen aus der Gruppe 35 bis 59 Jahre.

RKI erwartet viele Nachmeldungen

Von 124 Fällen gab es die Information, dass sie ins Krankenhaus aufgenommen wurden. Bei 148 lagen Angaben vor, dass es sich um eine Reinfektion handelt – also eine Ansteckung trotz früherer Coronainfektion.

Für die laufende Woche rechnet das Institut mit einer »hohen Anzahl an Neu- und Nachmeldungen«. In Deutschland wird nur ein kleiner Teil der positiven Testproben auf Varianten hin untersucht.

Das Robert Koch-Institut hatte darauf hingewiesen, dass über die Feiertage nicht alle neuen Coronafälle erfasst werden, weil viele Menschen im Urlaub und zahlreiche Arztpraxen geschlossen sind. Zugleich kann es nach den Weihnachtsfeiertagen auch bereits jetzt zu Nachmeldungen kommen.

jok/dpa