Studie mit Kindern Luftverschmutzung könnte Risiko für Diabetes erhöhen

Wer als Kind nah an einer vielbefahrenen Straße wohnt, hat eine erhöhte Insulinresistenz. Das könne im Erwachsenenalter zur Entwicklung einer Diabetes führen, warnen Forscher. Als Ursache der Insulinresistenz gelten Feinstaub und Stickstoffdioxide.
Abgase: Nachweisbar höhere Insulinresistenz

Abgase: Nachweisbar höhere Insulinresistenz

Foto: Michael Probst/ ASSOCIATED PRESS

München - Luftverschmutzung durch Autoabgase kann einer Studie zufolge die Insulinresistenz bei Kindern steigern - und damit möglicherweise auch das Risiko für einen späteren Diabetes. "Nach unseren Ergebnissen gibt es einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Stickstoffdioxide, Feinstaub sowie Dieselruß und einer höheren Insulinresistenz", sagt Joachim Heinrich vom Münchner Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt.

Für Kinder sei dieser Nachweis neu. Das heiße aber nicht, dass sie zwangsläufig an Diabetes vom Typ 2 erkrankten. "Alle von uns untersuchten Kinder waren gesund", betont Heinrich. Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Diabetologia"  erschienen. Bekannt war, dass Stickstoffdioxid, Dieselrußpartikel oder Feinstaub das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. "Die feinen Partikel überwinden die Lungen-Blut-Schranke im Körper und können zu entzündlichen Reaktionen führen", erläutert Heinrich. Zudem vermuteten Forscher, Luftverschmutzung könne bei Erwachsenen auch eine Rolle bei der Entstehung von Diabetes 2 spielen.

Entfernung zu Hauptstraßen wichtig

Nun bestimmten die Wissenschaftler die Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 397 Kindern im Alter von zehn Jahren. Die Teilnehmer stammten aus Regionen um München und Wesel. Einige Kinder wohnten nahe Hauptstraßen, andere nicht. Die soziale und wirtschaftliche Situation der Familien habe wenig mit der Wohnadresse zu tun gehabt, sagt Heinrich. "An stark befahrenen Straßen haben also nicht nur ökonomisch schlechter gestellte Familien gelebt." Dennoch sei in die Analyse der sozioökonomische Status der Familien ebenso einbezogen worden wie auch andere Informationen, etwa das Geburtsgewicht, der Entwicklungsstatus, der Körper-Masse-Index oder ob die Eltern rauchten.

Die Studie ergab, dass bei Kindern, die vermehrt Feinstäuben ausgesetzt waren, eine höhere Insulinresistenz vorlag. Eine hohe Feinstaubbelastung der Luft erhöhte die Insulinresistenz pro sechs Mikrogramm je Kubikmeter um 19 Prozent. Mit einer zusätzlichen Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) um 10,6 Mikrogramm pro Kubikmeter stieg die Häufigkeit einer Insulinresistenz um 17 Prozent. Auch die Entfernung der Wohnung zu einer stark befahrenen Straße spielte eine Rolle: In ihrer Nähe stieg die Insulinresistenz pro 500 Meter um sieben Prozent.

Schadstoffe reagieren mit Fetten und Eiweißen im Körper

Heinrich ist überzeugt, dass Luftverschmutzung mitverantwortlich für das Risiko einer erhöhten Insulinresistenz ist, die schon im Kindesalter beginnen kann. Sicher sei sie aber nicht die alleinige Ursache, betonte der Wissenschaftler.

Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid, Feinstäube und Dieselrußpartikel aus Autoabgasen seien unterschiedlich giftig, sagt Erstautorin Elisabeth Thiering. Aber alle könnten direkt mit Fetten und Eiweißen im Körper reagieren. Das könne eine Erklärung für die Entwicklung einer Insulinresistenz sein.

Insulinresistenz ist lediglich ein Marker für Diabetes, doch keine Krankheit an sich. "Wir können momentan die klinische Relevanz des erhöhten Risikos für die Insulinresistenz durch Feinstaubbelastung nicht abschätzen", sagt Heinrich. "Die Resultate unterstützen aber die These, dass die Entwicklung eines Diabetes im Erwachsenenalter mit Umweltfaktoren früherer Lebensabschnitte zusammenhängt."

nik/dpa