DER SPIEGEL

»Versorgung teilweise kritisch« Kinderkliniken wegen RSV-Welle am Limit

In deutschen Kinderkliniken sind kaum Intensivbetten frei. Der Grund: Immer mehr RSV-Erkrankungen. Teilweise werden schwer erkrankte Kinder abgewiesen.

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In deutschen Kinderkliniken sind kaum Intensivbetten frei. Im Augenblick grassieren vermehrt RS-Viren, die insbesondere bei jüngeren Kindern zu schweren Atemwegsinfektionen führen können. Die Aufnahmekapazitäten sind vielerorts ausgeschöpft, teilweise werden schwer erkrankte Kinder abgewiesen. In der Würzburger Missio-Kinderklinik ist die Lage höchst angespannt.

Christina Kohlhauser-Vollmuth, Chefärztin der Missio-Kinderklinik Würzburg

»Also aktuell sind wir hier in Würzburg in der Missio-Kinderklinik maximal belegt. Wir haben viele schwerkranke Neugeborene - also innerhalb der ersten vier Lebenswochen, Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr - und Kleinkinder und Kindergartenkinder mit Infekten vor allem im Augenblick des RS-Virus. Etwas, das ja durch alle Kinderkliniken Deutschlands im Augenblick reist und die Belegung und Versorgung der Patienten schwierig, teilweise kritisch, macht.«

Der RS-Virus, der Respiratorische Synzytial-Virus, ist eine Atemwegserkrankung, die sich in Symptomen wie Schnupfen, Husten und Fieber manifestiert. Besonders jüngere Kinder haben engere Atemwege, was diese anfälliger für Bronchitis und heftigere Infektionsverläufe macht.

Lisa Trinklein, Mutter eines Säuglings mit RSV

»Ja, wir sind jetzt schon morgen zwei Wochen da. Also, es ist eine ziemlich lange Zeit. Ihm ging es anfangs auch wirklich schlecht. Da waren wir natürlich sehr, sehr, sehr besorgt. (Es ist) sehr emotional, wenn es dem Kleinen so schlecht geht und man nichts machen kann, gerade die Viruserkrankung. Und hat die Sauerstoffunterstützung gerade gekriegt und ja... Zeit, Geduld und jetzt geht es aufwärts. Jetzt geht es ihm besser, hat kein Fieber mehr, kann wieder besser atmen. Die Werte verbessern sich, und jetzt hoffen wir, dass wir baldig entlassen werden, ja.«

Derzeit sind laut Angaben des Robert Koch-Instituts 58 Prozent der Null- bis Vierjährigen in den Krankenhäusern mit schweren Atemwegsinfektionen an RS-Viren erkrankt. Am Donnerstag hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Maßnahmen gegen die Überlastung bei der medizinischen Versorgung von Kindern angekündigt.

Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

»Wir werden Personal aus den regulären Erwachsenenstationen in die Kinderstationen verlegen, insbesondere Pflegepersonal. Ich habe die Krankenkassen aufgefordert, die Personaluntergrenzen weder in den Kinderstationen noch auf den Erwachsenenstationen weiter zu prüfen, auch die Sanktionen auszusetzen.«

Ob diese Maßnahmen die pädiatrische Krise lösen können, ist offen. Laut der Chefärztin der Missio-Kinderklinik Würzburg gibt es zum fehlenden Platz und akuten Personalmangel noch weitere Probleme.

Christina Kohlhauser-Vollmuth, Chefärztin der Missio-Kinderklinik Würzburg

»Dass es in Kinderkliniken kaum noch Platz gibt, ist ja ein Problem, das es seit vielen Jahren gibt, oder dass es Probleme in den Kinderkliniken gibt. Das liegt daran, dass Kinder spezielle Patienten sind. Und ich sage immer, wir in der Pädiatrie haben zwei Patienten zu betreuen - das Kind und die Eltern. Und es ist nicht alles planbar wie bei den Erwachsenen. Das heißt, wir haben höhere Vorhaltekosten, einen höheren Personalbedarf, und werden schlechter bezahlt als alle anderen Bereiche in der Klinik.«

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