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21. Januar 2011, 16:10 Uhr

Krankenhaushygiene

FDP fordert Standard-Test gegen Klinikkeime

Täglich sterben Menschen, weil sie sich im Krankhaus mit tödlichen Keimen infiziert haben. Die FDP hat jetzt einen Vorschlag zur Eindämmung der Gefahr vorgelegt: Bestimmte Patienten sollen bei einer Einweisung routinemäßig getestet werden.

Im Kampf gegen gefährliche Infektionen in Krankenhäusern, schlägt die FDP ein neues Vorgehen vor: Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben, an gefährlichen Infektionen zu Erkranken, sollen nach der Einlieferunung generell untersucht werden, fordert die Partei. Werden Erreger nachweisen, sollen die Patienten demnach stets isoliert und sorgfältig behandelt werden. Notfallpatienten jedoch sollten weiter ohne Vorlauf behandelt werden.

Der Vorschlag der FDP-Abgeordneten Jens Ackermann und Lars Lindemann zielt auf Erreger, die gegen Antibiotika resistent sind. "Viele Menschen haben diese Keime auf der Haut, doch zur Gefahr werden sie erst bei den Kranken und Schwachen", sagten die Abgeordneten am Freitag in Berlin. Zunächst sollten Risikogruppen definiert werden. Die Untersuchung auf solche Keime sollten dann in der Regel die Hausärzte machen.

Das vorgeschlagene Verfahren könne die Gefahr bannen, dass in Kliniken eingeschleppte Keime andere Patienten gefährden, erklärten die FDP-Politiker. In der Medizin gelten Patienten mit großen Wunden, Kathetern, chronischer Pflegebedürftigkeit oder Dialysepatienten als potentiell gefährdet.

Auch in einem anderen Punkt gehen die beiden Mitglieder des Gesundheitsausschusses über Eckpunkte der Unions- und FDP-Fraktion für mehr Klinikhygiene hinaus: Sie wollen eine bundeseinheitliche Hygieneverordnung. So sollen etwa spezielle Beauftragte in Kliniken für regelmäßige Desinfektionen von Händen und Ablagen vorgeschrieben werden. Die bisherigen Pläne der Regierung sehen lediglich eine Gesetzesänderung vor, die den Ländern den Erlass eigener Hygieneverordnungen erleichtern soll - eine neue Verordnung soll den bisherigen Plänen zufolge nicht vorgeschrieben werden. Bis zu 15.000 Menschen sterben nach Koalitionsangaben jährlich bundesweit an Klinikinfektkionen.

cib/dpa

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