Fotostrecke

iKnife: Futuristisches Hilfsmittel bei Krebs-OPs

Foto: ? Luke MacGregor / Reuters/ REUTERS

Neue Operationstechnik Intelligentes Messer erkennt krankes Gewebe

Es wäre eine wichtige Entscheidungshilfe: Binnen Sekunden könnten Ärzte in Zukunft erfahren, welche Gewebe bei Krebspatienten vom Tumor befallen sind. Das dafür nötige intelligente Messer hat erste Tests bestanden - und ist doch noch weit vom Praxiseinsatz entfernt.

Wo endet der Tumor, wo beginnt das gesunde Gewebe? Bei Operationen von Krebspatienten ist die Antwort auf diese Frage für den Chirurgen eine große Herausforderung. Allzu radikale Schnitte sind nicht ratsam, belasten sie doch den Patienten unnötig. Andererseits werden Folgeoperationen nötig, wenn Krebszellen zurückbleiben - und zum Beispiel bei der Entfernung von Brustkrebs ist das leider nicht selten der Fall.

Um das Problem zu lösen, werden in Zweifelsfällen noch während der Operation Gewebeproben analysiert. Das dauert mindestens eine halbe Stunde - doch eine neue Technik verspricht nun einen radikalen Zeitgewinn. Forscher am Imperial College in London haben das iKnife vorgestellt. Es soll dem Mediziner innerhalb von drei Sekunden mit einer farbigen Anzeige bei der Entscheidung helfen, ob Gewebe herausgeschnitten werden sollte oder nicht.

Zum Einsatz kommt ein sogenannter Elektrokauter, mittlerweile ein Standardinstrument bei chirurgischen Eingriffen. Es handelt sich um einen Draht, der von elektrischem Strom durchflossen wird. Er wird unter anderem wegen des geringeren Blutverlusts normalerweise anstelle eines klassischen Skalpells verwendet.

Probenmaterial von 300 Patienten liefert Vergleichsdaten

Beim iKnife wird der ständig am Elektrokauter entstehende Rauch des vom Draht verbrannten Gewebes von einem Massenspektrometer analysiert. Anschließend werden die Messwerte mit den Daten einer Referenzdatenbank verglichen. In einem ersten Test hatten die Londoner Forscher darin die Rauchsignaturen von bösartig wucherndem aber auch von gesundem Gewebe gespeichert. Das Material dafür stammte von 302 Probanden: 1624 vom Krebs befallene Proben sowie 1309 unverdächtige.

Anschließend untersuchten die Mediziner das Gewebe von weiteren 81 Patienten. Dabei ließen sie den Rauch des Kauters von dem fahrbaren Massenspektrometer analysieren und mit der Datenbank vergleichen. Das neue Gerät habe bei der Analyse zu 100 Prozent richtig gelegen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science Translational Medicine" .

Von einem praktischen Ansatz im Krankenhausalltag ist das iKnife trotzdem noch sehr weit entfernt. Zunächst sind weitere, diesmal anonymisierte Studien nötig. Erfinder Zoltan Takats will das Gerät dafür an 1000 bis 1500 Patienten mit verschiedenen Krebsformen testen und anschließend über sein Unternehmen Medimass vermarkten.

Doch dafür muss die vom Imperial College und der ungarischen Regierung finanzierte Neuentwicklung auch den offiziellen Zulassungsprozess überstehen. In London rechnet man damit, dass das noch einmal zwei bis drei Jahre dauern könnte. Hinzu kommt eine weitere Hürde: Das intelligente Messer ist teuer. Umgerechnet um die 300.000 Euro hat der Prototyp gekostet. Zwar versprechen Takats und Kollegen, dass der Preis bei der Fertigung größerer Stückzahlen sinken soll. Doch bleibt das nötige Massenspektrometer in jedem Fall ein kostspieliges Gerät.

chs