Behandlung von Hals-Kopf-Karzinom Neue Immuntherapie bei Todkranken erfolgreich

Eine neue Therapie soll das Immunsystem aktivieren, Krebszellen zu bekämpfen. In der vorläufigen Auswertung einer Studie mit tausend Patienten, die als unheilbar galten, hat das Medikament Wirkung gezeigt.

Eine neue Krebstherapie könnte Hoffnung für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Karzinom bieten. Wie der britische »Guardian« berichtet , hat eine Kombination von Immuntherapie-Medikamenten in einer Studie positive Ergebnisse erzielt.

Die Therapie regt dem Bericht zufolge das Immunsystem der Patientinnen und Patienten an, die eigenen Krebszellen abzutöten. In der Studie führte das laut Forschern des Institute of Cancer Research (ICR) und des Royal-Marsden-Krankenhauses in London zu einem »positiven Überlebenstrend« der Betroffenen.

Der »Guardian« sprach mit einem Studienteilnehmer, dem vor vier Jahren gesagt wurde, er werde bald sterben. Er beschrieb der Zeitung den Moment, in dem die Krankenschwestern ihm mitteilten, sein Tumor sei »komplett verschwunden« – es sei »fantastisch« gewesen. Einige Wochen, nachdem er im Rahmen der Studie die neue Behandlung begonnen hatte, sei der Tumor kleiner geworden. Der 77-Jährige sei nun krebsfrei und habe vergangene Woche mit seiner Frau eine Kreuzfahrt gemacht, heißt es in dem Bericht.

Forscher hatten herausgefunden, dass eine Kombination der Wirkstoffe Nivolumab und Ipilimumab die Tumorgröße bei als unheilbar krank geltenden Krebspatienten mit Kopf-Hals-Karzinom reduziert. Darunter versteht man bösartige Tumoren, die ihren Ursprung im Kopf-Hals-Bereich haben. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 17.000 Menschen an Krebs im Kopf- und Halsbereich. Bei einigen der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer verschwanden die Tumoren durch die Therapie komplett.

Kombination auch gegen andere Krebsarten wirksam

Die Kombination dieser Wirkstoffe ist nicht neu. In Deutschland ist sie seit November 2020 als Ersttherapie bei metastasiertem, nicht kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen . In anderen Studien hatte sich die Wirkstoffkombination als effektiv gegen andere Krebsarten wie etwa Hautkrebs, Nierenkrebs oder Darmkrebs erwiesen. Sowohl Ipilimumab als auch Nivolumab sollen dabei das Immunsystem aktivieren, den Krebs zu bekämpfen.

Den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zufolge könnte die neue Therapieform einen weiteren Vorteil für viele Patienten bringen: Sie hat weitaus weniger Nebenwirkungen als die gängige Chemotherapie, bei der die Betroffenen unter extremen Nebenwirkungen leiden und oft Langzeitfolgen davontragen.

An der Phase-III-Studie nahmen rund tausend todkranke Krebspatientinnen und -patienten teil. Die Ergebnisse bezeichnete das ICR als sehr früh und nicht statistisch signifikant, aber trotzdem »klinisch bedeutsam«. Einige der Patientinnen und Patienten lebten Monate oder Jahre länger und hätten deutlich weniger Nebenwirkungen.

»Das sind vielversprechende Ergebnisse«, sagte Kristian Helin, Geschäftsführer des ICR. »Immuntherapien sind freundlichere, intelligentere Behandlungen, die den Patienten erhebliche Vorteile bringen können.«

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Immuntherapie-Kombination bei einer Gruppe von Patienten, deren Tumoren hohe Werte eines Immunmarkers namens PD-L1 aufwiesen, eine besonders hohe Erfolgsrate hatte. Einige der Patienten lebten durchschnittlich drei Monate länger als diejenigen, die Chemotherapie erhielten. Im Mittel lebten die Betroffenen 17,6 Monate länger, was der höchste Überlebensdurchschnitt in dieser Patientengruppe ist, der jemals verzeichnet wurde.

»Trotz der fehlenden statistischen Signifikanz sind diese Ergebnisse klinisch bedeutsam«, sagte Kevin Harrington, Professor für biologische Krebstherapien am ICR und beratender klinischer Onkologe am Royal Marsden, der die Studie leitete. »Wir müssen eine längere Nachbeobachtung durchführen, um zu sehen, ob wir einen Überlebensvorteil für alle Patienten in der Studie nachweisen können.«

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