Immunabwehr gegen Omikron Labortests stützen Hoffnung auf verlässlichen Krankheitsschutz

Omikron kann den Schutz vor Infektionen nach einer Impfung offenbar teilweise umgehen. Laboruntersuchungen deuten nun aber darauf hin, dass die Vakzinen schwere Verläufe weiter zuverlässig verhindern.
Coronavirus in der Blutbahn

Coronavirus in der Blutbahn

Foto: Alexander Limbach / imago images

Die neue Virusvariante Omikron ist sehr wahrscheinlich ansteckender als ihre Vorgänger und der Impfschutz zumindest bei einer Zweifachimpfung  nicht immer gegeben, zeigen erste Daten.

Bei einem Treffen der Weltgesundheitsorganisation  am Mittwoch berieten Gesundheitsexperten aber auch über neue Untersuchungen, die Hoffnung machen. So könnten sogenannte T-Zellen bei geimpften Menschen eine starke Abwehr gegen die Variante auslösen – und so schwere Verläufe, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verhindern.

Bisher hatten Forscher vor allem auf die schwache Antwort von Antikörpern auf Omikron verwiesen – der ersten »Verteidigungslinie« des Körpers. Antikörper eliminieren Viren, noch bevor diese Zellen befallen können. Sie sind somit für den Infektionsschutz zuständig. Mit der abgeschwächten Wirksamkeit der Antikörper gegen Omikron erklärten Fachleute daher auch den starken Anstieg der Neuinfektionen.

Aber Antikörper sind nicht die einzigen wichtigen Akteure in der Immunantwort einer Person auf das Virus. Mehrere Untersuchungen deuten nun darauf hin, dass die T-Zellen ähnlich stark auf Omikron anschlagen wie bei vorherigen Varianten, etwa Delta.

»Immunantwort weitgehend aufrechterhalten«

Eine südafrikanische Forschergruppe der University of Cape Town setzte T-Zellen von 16 Personen, die bereits mit Pfizer-Biontech doppelt geimpft wurden, in einem Experiment im Labor den Proteinfragmenten der Omikron-Variante aus. Das Ergebnis: Die T-Zellen reagierten ungefähr 70 Prozent so stark wie gegen die ursprüngliche Virusform.

»Die gute Nachricht ist, dass die T-Zell-Antworten auf Omikron weitgehend aufrechterhalten werden«, sagte Wendy Burgers von der University of Cape Town laut »New York Times«  in ihrer Präsentation während des WHO-Treffens.

US-Wissenschaftler wie Alessandro Sette vom kalifornischen La Jolla Institute for Immunology und Andrew Redd vom National Institutes of Health berichteten gestern über ähnliche Beobachtungen. Trotz der vielen Mutationen von Omikron würden die Proteinfragmente von T-Zellen ähnlich gut erkannt wie bei vorherigen Varianten.

Noch handelt es sich um kleine Untersuchungen im Labor. Sie liefern also keine endgültige Gewissheit. In der Praxis muss sich noch zeigen, wie gut der Schutz vor schwerer Krankheit tatsächlich ist. Eine auch gegen Omikron stabile T-Zell-Antwort könnte aber erklären, warum die Variante bislang für eher milde Krankheitsverläufe sorgt.

Die Viruspolizei des Körpers

T-Zellen gehören zu den sogenannten Gedächtniszellen des Körpers. Sie können lernen, Fragmente viraler Proteine ​​zu erkennen, die auf der Oberfläche einer infizierten Zelle sitzen. Die T-Zellen töten dann die infizierte Zelle ab oder alarmieren das Immunsystem, um einen stärkeren Angriff gegen das Virus zu starten. Das Virus wird im besten Fall gestoppt, bevor es sich ausbreiten kann und spätestens, bevor es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt.

Da der Feind – in diesem Fall das Virus – jederzeit erneut auftauchen könnte, patrouillieren auch Monate nach einem »Angriff« sogenannte Gedächtniszellen durch den Körper. Erkennen diese das Virus erneut, greifen sie selbst an oder sorgen abermals für Verstärkung.

Außer den T-Zellen spielen auch sogenannte B-Zellen  eine wichtige Rolle bei der langfristigen Immunität. Sie verfügen über eine Art Fahndungsfoto des Coronavirus, mit dem sie alle Eindringlinge im Körper abgleichen, denen sie begegnen. Erkennen sie das Virus, produzieren sie erneut passgenaue Antikörper, die den Erreger ausschalten.

sug
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