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07. Februar 2012, 11:33 Uhr

Langzeitstudie

Raucher bauen geistig schneller ab

Wer raucht, erhöht nicht nur sein Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Zumindest bei Männern beschleunigt der Tabakkonsum auch den Verlust geistiger Fähigkeiten, wie eine über 25 Jahre laufende Studie gezeigt hat.

Berlin - Dass Zigaretten der Gesundheit schaden, bestreiten selbst hartgesottene Raucher selten. Sie müssen aber nicht nur Krebs, Lungen- und Herz-Kreislauf-Krankheiten fürchten. Laut einer britischen Langzeitstudie zieht der Tabakkonsum auch das Gehirn in Mitleidenschaft. Rauchenden Männer drohen demenzähnliche Symptome schon ab einem Alter von etwa 45 Jahren, berichten Forscher vom University College London in der Fachzeitschrift "Archives of General Psychiatry".

Severine Sabia und ihre Kollegen verfolgten mehr als 5000 Männer und 2100 Frauen über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren. In dieser Zeit wurden sie mehrfach nach ihrem Zigarettenkonsum befragt und mussten eine Reihe von Tests zu ihren geistigen Fähigkeiten absolvieren. Dabei kam heraus, dass rauchende Männer bei sämtlichen Tests schlechter abschnitten als Nichtraucher. Die Studie zeige, dass "Rauchen schlecht fürs Gehirn ist", kommentierte der Neurologe Marc Gordon.

Bei Frauen stellten die Wissenschaftler nicht den gleichen Effekt fest. Die Gründe dafür sind noch unklar. Die Forscher vermuten jedoch, dass die durchschnittlich höhere Zahl der täglich konsumierten Zigaretten bei Männern im Vergleich zu Frauen eine Rolle spielen könnte.

"Ein 50-jähriger männlicher Raucher zeigt den ähnlichen geistigen Abbau wie ein 60-jähriger männlicher Nichtraucher", sagte Sabia. Wenn Männer zehn Jahre vor dem ersten Test zu kognitiven Fähigkeiten mit dem Rauchen aufgehört hätten, sei das Risiko des geistigen Abbaus immer noch erhöht gewesen. Lag die Raucherzeit deutlich länger zurück, beobachteten die Forscher keine Unterschiede mehr im Vergleich zu Nichtrauchern.

Diese Ergebnisse passen zu früheren Studien. 2004 etwa hatten Wissenschaftler mehr als 9000 Männer und Frauen im Alter von mindestens 65 Jahren nach ihren Rauchgewohnheiten befragt. Anschließend maßen sie knapp zweieinhalb Jahre lang mit Fragebögen und einfachen Intelligenztests immer wieder die geistige Leistungsfähigkeit ihrer Probanden. Das Ergebnis war eindeutig: Während unter den Nichtrauchern die Leistungsfähigkeit lediglich um 0,03 Punkte pro Jahr sank, nahm sie bei den Rauchern mit 0,16 Punkten pro Jahr mehr als fünfmal so schnell ab. 2005 hatte eine Untersuchung ergeben, dass Passivrauchen sogar die geistigen Fähigkeiten von Kindern beeinflusst.

hda/AFP

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