SPD-Gesundheitsexperte "Kassen sollen Cannabis für Kranke endlich erstatten"

Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden: Schwerkranke Menschen dürfen für den Eigenbedarf Cannabis anbauen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verlangt jetzt noch deutlichere Schritte.
SPD-Gesundheitsexperte: "Kassen sollen Cannabis für Kranke endlich erstatten"

SPD-Gesundheitsexperte: "Kassen sollen Cannabis für Kranke endlich erstatten"

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Karl Lauterbach, 53, ist Mediziner und Gesundheitsökonom. Der SPD-Politiker ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei.

SPIEGEL ONLINE: Herr Lauterbach: Sie fordern, dass die Kassen die Kosten für Cannabis aus der Apotheke übernehmen. Müssen wir wirklich alle für den therapeutischen Drogenkonsum bezahlen?

Lauterbach: Es geht nur um eine kleine Gruppe, der alle anderen Medikamente und Therapien nicht helfen. Die Krankenkassen wären gut beraten gewesen, wenn sie diese Leistung längst übernommen hätten.

SPIEGEL ONLINE: Kritiker befürchten, dadurch einen unkontrollierten Drogenkonsum in Deutschland loszutreten.

Lauterbach: Das Gegenteil wäre doch der Fall. Statt nun in jedem Einzelfall zu prüfen, ob ein Schwerkranker Cannabis bekommen soll und diesen dann wegen mangelnder Kostenübernahme durch die Kassen auch noch dazu zu zwingen, sein Medikament selbst anzubauen, wäre die Abgabe durch die Apotheke eine sichere Lösung. Kontrollieren ließe sich nicht nur, wer wie viel Cannabis bekommt. Auch die Qualität der Droge selbst wäre sichergestellt.

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach einem gigantischen Aufwand.

Lauterbach: Nein, das lässt sich sogar kostengünstig gestalten. Kranke, die eine Berechtigung haben, könnten Cannabis dann per Rezept erhalten. Die Kassen könnten den Bedarf planen und ausschreiben - der beste Anbieter bekäme den Zuschlag.

SPIEGEL ONLINE: Cannabis per Rabattvertrag aus der Apotheke? Das bekommen Sie nie durch.

Lauterbach: Die momentane Situation, in der schwerkranke Menschen schon seit Jahren zu irrwitzigen Aktionen gedrängt werden, ist ein Armutszeugnis für unser Gesundheitssystem. Das Urteil aus Köln ist überraschend und zumindest dahingehend gut, weil nun alle aufgefordert sind, endlich etwas zu ändern.

nik