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18. Januar 2011, 09:14 Uhr

Lebenserwartung

Warum Männer früher sterben

Frauen leben im Schnitt länger als Männer. Warum? Anhand von Daten aus 30 europäischen Ländern haben Forscher jetzt beziffert, welchen Anteil Zigaretten und Alkohol an diesem Geschlechterunterschied haben.

Frauen leben im Schnitt länger als Männer. Ein in Deutschland gerade geborener Junge hat nach Angaben des Statistischen Bundesamts eine Lebenserwartung von 77 Jahre und 4 Monaten, ein Mädchen hat dagegen 82 Jahre und sechs Monate vor sich. Wie lässt sich dieser Unterschied erklären? Ist es pure Biologie, die Frauen im Schnitt ein paar Jahre länger leben lässt? Oder erklären verschiedene Verhaltensweisen die Differenz?

Forscher aus Glasgow und London wollten beziffern, wie stark Zigaretten- und Alkoholkonsum dies beeinflussen. Sie analysierten dafür die Todesursachen der Menschen aus 30 europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Die Daten stammten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Rauchen kann neben Krebs in den Atemwegsorganen auch bestimmte Herz-, Gefäß- und Lungenerkrankungen auslösen. Auf erhöhten Alkoholkonsum zurückzuführen sind unter anderem Lebererkrankungen sowie ein Krebs der Speiseröhre.

Das Rauchen erklärt demnach 40 bis 60 Prozent der Differenz in der jährlichen Zahl der Todesfälle von Männern und Frauen, schreiben Gerry McCartney und Kollegen im Fachblatt "Tobacco Control". Durch den Alkoholkonsum lassen sich in Osteuropa 20 bis 30, in den restlichen Ländern 10 bis 20 Prozent erklären.

Deutschland im Mittelfeld

Dabei entdeckten die Forscher große Unterschiede in den einzelnen Staaten. In Island war die Differenz zwischen Männern und Frauen am geringsten, auch in Schweden, Griechenland, Zypern und Großbritannien fiel der Unterschied gering aus. In Osteuropa war er dagegen besonders ausgeprägt - und am höchsten in der Ukraine. Deutschland lag im Mittelfeld.

Hierzulande sind die Unterschiede rund zur Hälfte auf Zigaretten- und zu einem Fünftel auf Alkoholkonsum zurückführen.

Die Wissenschaftler folgern, dass veränderte Gewohnheiten in Bezug auf das Rauchen langfristig dazu führen können, dass sich die Lebenserwartung der Geschlechter angleicht. Die Autoren geben zu bedenken, dass in der Studie Ungenauigkeiten aufgetreten sein könnten, beispielsweise bei Krankheiten, die sowohl durch Rauchen als auch durch Alkohol verursacht werden. Darüber hinaus könne es Unterschiede bei der Verschlüsselung der Daten in den einzelnen Ländern geben. Die WHO-Daten stammen aus den Jahren 2003 bis 2006, mit einem Schwerpunkt auf 2005.

wbr/dpa

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