Studie zu Corona-Langzeitfolgen Mehrheit der Long-Covid-Patienten hat nach einem Jahr noch Beschwerden

Die meisten Long-Covid-Erkrankten, die wegen Covid-19 in einer Klinik waren, haben sich auch nach einem Jahr noch nicht von ihrer Infektion erholt. Nach fünf Monaten verbessert sich ihr Zustand kaum noch.
Auch nach Monaten fühlen sich viele Coronapatienten noch müde und abgeschlagen

Auch nach Monaten fühlen sich viele Coronapatienten noch müde und abgeschlagen

Foto: martin-dm / Getty Images

Über zwei Drittel der Long-Covid-Patientinnen und Patienten, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt worden waren, spüren auch ein Jahr nach ihrer Entlassung keine oder nur wenig Besserung. Das ergab eine Untersuchung von über 2300 Erwachsenen in Großbritannien.

»Nur jeder dritte Betroffene fühlte sich nach einem Jahr vollständig genesen«, sagte Dr. Rachel Evans vom National Institute for Health Research dem »Guardian« .

Ärztinnen und Ärzte hatten die körperliche Leistungsfähigkeit und den allgemeinen Gesundheitszustand von Betroffenen fünf Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus analysiert. Nach einem Jahr wurden nochmals rund tausend Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer untersucht.

Kaum Besserung bei kognitiven Beschwerden

Dabei zeigte sich, dass sich der Zustand der Patientinnen und Patienten, die nach dem Krankenhausaufenthalt anhaltende Symptome hatten, auch die Monate darauf kaum verbesserte. Zwischen dem siebenten und dem zwölften Monat änderte sich fast gar nichts an ihrem Gesundheitszustand.

Das Risiko von Langzeitfolgen einer Coronainfektion ist bereits bekannt – dennoch sind der Verlauf und die Häufigkeit sowie die Ursachen von Long Covid bisher nur lückenhaft untersucht. Die britische Studie liefert erstmals Daten zur Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

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In der Patientengruppe, die auch nach fünf Monaten immer noch unter Symptomen wie Müdigkeit, Schmerzen oder Atemnot litt, gab es demnach eine gleichbleibend niedrige Verbesserungsrate von unter 30 Prozent. Wenig oder keine Verbesserung gab es bei kognitiver Beeinträchtigung wie dem »Gehirnnebel«. Das betraf rund ein Zehntel der Probandinnen und Probanden.

Nach fünf Monaten gab es fast keine Besserung mehr

»Leider konnten wir nach einem Jahr gegenüber dem Stand nach fünf Monaten kaum Verbesserungen feststellen«, sagte Evans. Die Fachleute konnten aber zumindest unterschiedlich stark betroffene Gruppen von Long-Covid-Betroffenen ausmachen: So hatten einige Kranke im Durchschnitt nur vier Symptome und damit einen leichteren Verlauf, während andere über bis zu 20 Symptome klagten.

Bisher konnte keine Studie die Ursachen für die anhaltenden Beschwerden und die teils extrem langsame Genesung finden. Das britische Ärzteteam fordert deshalb dringend neue Ansätze für die Verbesserung der körperlichen und psychischen Einschränkungen der Long-Covid-Kranken.

»Wir wissen jetzt, dass Long Covid keinem einheitlichen Muster folgt und damit auch mehr als einen Behandlungsansatz braucht«, so Studienautorin Evans.

Dabei ist Long Covid keineswegs selten: Laut einer Untersuchung vom September konnte bei 37 Prozent der Genesenen in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Coronainfektion mindestens ein Long-Covid-Symptom diagnostiziert worden.

sug