Coronamedikament Paxlovid könnte laut Studie viele Long-Covid-Fälle verhindern

Selbst nach einem milden Coronaverlauf leiden manche Menschen noch Monate später unter Erschöpfung und anderen Symptomen. Laut einer Studie könnte das Medikament Paxlovid viele Fälle verhindern.
Das Medikament Paxlovid besteht aus den Wirkstoffen Nirmatrelvir und Ritonavir

Das Medikament Paxlovid besteht aus den Wirkstoffen Nirmatrelvir und Ritonavir

Foto: TNC / abaca / picture alliance

Das Medikament Paxlovid, das vor allem zur Prävention von schweren Corona-Verläufen eingenommen wird, könnte einer neuen Studie zufolge auch Fälle von Long Covid verhindern. Für die Untersuchung wurde auf Gesundheitsdaten des US Department of Veteran Affairs  zurückgegriffen – einer Behörde, die sich um die Belange von Kriegsveteranen kümmert. Die Autoren wählten aus über 67.000 positiv getesteten Personen diejenigen aus, die mindestens einen Risikofaktor für eine schwere Erkrankung hatten und zu Beginn der Infektion nicht in einer Klinik behandelt wurden.

Innerhalb dieser Gruppe bekamen mehr als 9000 Menschen innerhalb von fünf Tagen nach dem positiven Test den Paxlovid-Wirkstoff Nirmatrelvir – bei mehr als 47.000 Menschen in der Vergleichsgruppe war dies nicht der Fall. Sie alle erhielten in den ersten 30 Tage keine anderen antiviralen Medikamente oder Antikörper. Bei dem Medikament Paxlovid kommt eine Kombination aus Nirmatrelvir und Ritonavir zum Einsatz. Es hemmt die Virusvermehrung im Körper und kann zu Hause eingenommen werden.

Anhand von 12 ausgewählten Symptomen, die typische Langzeit-Beschwerden von Covid-19 darstellen, wurden beide Gruppen nach 90 Tagen miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die das Medikament erhielten, ein signifikant geringeres Risiko für Long-Covid-Symptome hatten. Bei zehn von zwölf untersuchten Beschwerden schnitten die Teilnehmenden, die nicht mit Nirmatrelvir behandelt wurden, schlechter ab – dazu gehörten etwa Kurzatmigkeit, Erschöpfung oder Herzrhythmusstörungen . Ebenso hatten Menschen aus dieser Gruppe ein größeres Risiko im Beobachtungszeitraum zu versterben oder in eine Klinik eingeliefert zu werden.

Lauterbach äußert sich auf Twitter

Bei der Studie handelt es sich um ein sogenanntes Preprint, also eine Arbeit, die noch nicht von Fachkolleginnen- und Kollegen begutachtet und zunächst vorläufig veröffentlicht wurde. Dennoch wurde die Arbeit bereits von mehreren Experten positiv kommentiert. Sogar Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: »Diese neue US Studie zeigt, dass die Gabe von Paxlovid nach COVID Infektion das Risiko von #LongCovid  um 25% senkt. Gilt für Geimpfte, Ungeimpfte und für Geboosterte.« Auch Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (Divi) teilte die Studie auf dem sozialen Medium und bezeichnete die Daten als sehr zuverlässig.

Die Ergebnisse werfen auch die Frage auf, ob die Verschreibungspraxis für das Medikament optimal ist oder ob theoretisch eine größere Gruppe von Covid-Infizierten von der Behandlung profitieren könnte. Allerdings gibt es – neben der bisher fehlenden fachlichen Begutachtung – auch einige Faktoren, die die Aussagekraft der Studie einschränken. Da es sich um Gesundheitsdaten handelt, die erst im Nachhinein analysiert und verglichen wurden, ist es schwer, eine eindeutige Kausalität zwischen der Einnahme des Medikaments und den besseren Ergebnissen herzustellen.

Störfaktoren, also unbeabsichtigte Unterschiede zwischen beiden Gruppen, können das Ergebnis in sogenannten retrospektiven Studien verfälschen. Zudem handelte es sich bei den Teilnehmenden um Veteranen der US-Armee, also vornehmlich um Männer im fortgeschrittenen Alter. Ob auch jüngere Menschen oder Senioren ohne bekannte Risikofaktoren von einer Behandlung mit Paxlovid profitieren, kann die Studie nicht beantworten.

Laut WHO waren in den ersten beiden Jahren der Pandemie mehr als 17 Millionen Menschen in Europa von Long-Covid-Symptomen betroffen. Zu diesen zählen unter anderem Erschöpfung, Husten, Kurzatmigkeit, Geschmacks- und Geruchsverlust sowie Depressionen. Sie treten für gewöhnlich innerhalb der ersten drei Monate nach der Infektion auf und dauern mindestens zwei Monate an. Halten die Beschwerden länger als 12 Wochen an, wird in der Regel von Post Covid gesprochen.

jae
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