WHO-Analyse Mindestens 17 Millionen Menschen in Europa von Long Covid betroffen

Es leiden wohl mehr Menschen unter Long Covid als angenommen: Laut einer aktuellen Analyse geht die WHO davon aus, dass schlimmstenfalls jeder Fünfte nach einer Coronainfektion Langzeitfolgen entwickeln könnte.
Erschöpfung, Husten, Kurzatmigkeit: Rund 17 Millionen Menschen in Europa leiden an Long Covid (Symbolbild)

Erschöpfung, Husten, Kurzatmigkeit: Rund 17 Millionen Menschen in Europa leiden an Long Covid (Symbolbild)

Foto: Rolf Poss / IMAGO

Mehr als 17 Millionen Menschen in Europa waren in den ersten beiden Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführte Analyse. Für die Modellrechnung hatte die Universität Washington Coronafälle in 53 europäischen Ländern ausgewertet, wie das in Kopenhagen ansässige Europa-Büro der WHO mitteilte. Als Kriterium galt eine Symptomdauer von mindestens drei Monaten in den Jahren 2020 und/oder 2021.

Dies entspricht mehr als 16 Prozent der 102,4 Millionen Menschen, die sich in den ersten beiden Pandemiejahren in den untersuchten Ländern mit dem Coronavirus infiziert haben, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Schätzung des WHO-Regionalbüros für Europa hervorgeht . Bisherige Schätzungen waren davon ausgegangen, dass etwa jeder Zehnte nach einer Coronainfektion Langzeitfolgen entwickelt. In ihrer aktuellen Mitteilung benennt die Weltgesundheitsorganisation den Anteil der Menschen, die Long Covid entwickeln, nun mit 10 bis 20 Prozent.

Zu den Long-Covid-Symptomen zählen unter anderem Erschöpfung, Husten, Kurzatmigkeit, Geschmacks- und Geruchsverlust sowie Depressionen. Sie treten für gewöhnlich innerhalb der ersten drei Monate nach der Infektion auf und dauern mindestens zwei Monate an. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die Coronaimpfungen gut vor den Langzeitsymptomen schützen. Jüngst zeigte eine Studie aus Israel, dass eine zweifache Impfung einen effektiven Schutz vor Long Covid bietet.

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Die aktuelle WHO-Untersuchung deute darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, bei Frauen doppelt so hoch ist wie bei Männern, teilte die WHO mit. Außerdem steige das Long-Covid-Risiko drastisch nach einer schweren Coronainfektion, zu deren Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich war. Der Modellrechnung zufolge habe eine von drei betroffenen Frauen und einer von fünf betroffenen Männern nach einem schweren Verlauf mit Symptomen von Long Covid zu kämpfen.

»Wir müssen zwar noch viel über Long Covid lernen«, sagte der Direktor der WHO-Region Europa, Hans Kluge, während einer WHO-Tagung in Tel Aviv. »Aber diese Daten machen deutlich, dass wir dringend mehr Analysen, mehr Investitionen, mehr Unterstützung und mehr Solidarität mit den Betroffenen brauchen.« Millionen Menschen litten in den Monaten nach einer Coronainfektion unter schwächenden Symptomen. Sie dürften nicht weiter im Stillen leiden, so Kluge. Regierungen und Gesundheitsorganisationen müssten zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden.

Weltweit waren der Untersuchung zufolge geschätzt rund 145 Millionen Menschen in den ersten zwei Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen.

kry/dpa/AFP
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