Luftverschmutzung Kochfeuer töten Millionen Menschen pro Jahr

Die Luftverschmutzung durch primitive Kochstellen tötet weltweit mehr Menschen als Malaria - das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Demnach sterben jedes Jahr fast zwei Millionen Menschen, weil sie verrauchte Luft in den eigenen vier Wänden einatmen.

Feuerstelle in nigerianischem Flüchtlingscamp (September 2011): Gefahr durch Rauch
DPA

Feuerstelle in nigerianischem Flüchtlingscamp (September 2011): Gefahr durch Rauch


Washington - Die Malaria tötet nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich etwa eine Million Menschen. Doch eine andere Gesundheitsgefahr, die ebenfalls vor allem arme Länder betrifft, hat noch schlimmere Auswirkungen: Rauch in Häusern. Fast zwei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten, die durch verrauchte Luft ausgelöst werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der US-amerikanischen National Institutes of Health.

Von den Folgen des Rauches besonders betroffen seien Frauen und Kinder in extremer Armut, schreiben Studienleiter William Martin und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science". Seit Jahrzehnten werde an dem Thema gearbeitet - allerdings nur mit begrenztem Erfolg.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Armut und ist von der Luftverschmutzung gesundheitlich bedroht. Die Haushalte nutzen Holz und Kohle zum Kochen und Heizen. Das Feuer füllt die Häuser mit dichtem Rauch, schwärzt Wände und Decken - und lässt die Bewohner erkranken. Frauen und Kinder, die sich traditionell um Haus und Herd kümmern, litten besonders unter den Folgen, die sonst nur lebenslange Raucher beträfen, schreiben Martin und seine Kollegen. Haupttodesursachen seien akute Lungenentzündungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie chronische Atemwegserkrankungen.

Die stark qualmenden Kochfeuer schaden auch der Umwelt. Um an Holz zu kommen, werden die umliegenden Wälder abgeholzt. Außerdem setzen die Feuer viel Kohlendioxid frei. Effizientere Kochherde verbrauchten weniger Brennstoff und schonten das Klima.

Um Abhilfe zu schaffen, sollen 100 Millionen Haushalte in Entwicklungsländern bis zum Jahr 2020 mit sauberen und effizienten Kochherden versorgt werden. Dies hat sich die Globale Allianz für saubere Kochherde der Stiftung der Vereinten Nationen zum Ziel gesetzt.

Damit die alternativen Herde von der Bevölkerung besser angenommen werden, sollten sie eher verkauft statt verschenkt werden, rät Martin. Auch müssten die Verbraucher bei der Entwicklung der Herde beteiligt werden, um die Geräte den Anforderungen besser anzupassen. So würden die Herde besser genutzt, wie ein erfolgreiches Projekt aus Peru zeige.

Der Verkauf schaffe außerdem einen bedeutenden neuen Markt für diese Produkte, der idealerweise die lokale Wirtschaft ankurbele. Nur mit solchen marktgetriebenen Strategie könnten 600 bis 800 Millionen Haushalte mit effizienten Kochherden versorgt werden. Das Projekt habe ein riesiges Potential, so die Forscher. Mit relativ wenig Geld ließen sich Millionen Menschenleben retten, ließe sich die Umwelt schützen und dabei noch die wirtschaftliche Entwicklung fördern.

Gesundheitsgefahren durch dreckige Luft sind aber längst nicht nur ein Problem armer Länder. Erst im September kam eine WHO-Studie zu dem Ergebnis, dass Luftverschmutzung in Metropolen weltweit zu Millionen Todesfällen pro Jahr führt.

mbe/dpa



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
_stordyr_ 14.10.2011
1. ach ja...
das war übrigens in Europa früher auch so .... die Zivilisation hat sich hier trotzdem herausbilden können... oder die Dekadenz ... je nachdem, wie man's nimmt.
Gebetsmühle 14.10.2011
2. was für eine aussage?
Zitat von sysopDie Luftverschmutzung durch primitive Kochstellen*tötet weltweit mehr Menschen als Malaria - das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Demnach sterben jedes Jahr*fast zwei Millionen Menschen, weil sie verrauchte Luft in den eigenen vier Wänden einatmen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,791728,00.html
also kochfeuer verbieten? nicht kochen würde noch mehr töten.
timewalk 14.10.2011
3. Abgasfreie Zonen
Zitat von sysopDie Luftverschmutzung durch primitive Kochstellen*tötet weltweit mehr Menschen als Malaria - das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Demnach sterben jedes Jahr*fast zwei Millionen Menschen, weil sie verrauchte Luft in den eigenen vier Wänden einatmen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,791728,00.html
Wer Autoabgase einatmet, steigert bis zu 6 Stunden danach, das Risiko einer Herzattacke Car fumes 'raise heart attack risk for six-hour window' http://www.bbc.co.uk/news/health-14978027 Wann gibt's abgasfreie Zonen? Besonders wichtig, dort wo Kinder auf dem Weg zur Schule sind.
**Kiki** 14.10.2011
4. .
Zitat von sysopDie Luftverschmutzung durch primitive Kochstellen*tötet weltweit mehr Menschen als Malaria - das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Demnach sterben jedes Jahr*fast zwei Millionen Menschen, weil sie verrauchte Luft in den eigenen vier Wänden einatmen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,791728,00.html
Hat schon mal jemand untersuchte, wie viele Milliarden Gehirnzellen pro Jahr die Publiaktion schwachsinniger Studien auf dem Gewissen hat? Im Ernst, seit Jahr und Tag weise ich darauf hin, daß Tabakrauch - in Form von Passivrauch - weder gefährlicher noch ungefährlicher ist als andere Arten von Verbrennungsrauch, in dem größtenteils dieselben Kanzerogene enthalten sind. (Nikotin, das Tabakrauch von anderen Arten von Rauch unterscheidet, ist übrigens KEIN Kanzerogen.) Es ist ja schön, daß die gute alte Tante WHO das endlich auch zugibt. Aber warum die Menschheit nicht schon mit der Entdeckung des Feuers ausgestorben ist, könnte sie dann ja vielleicht auch mal verraten. Es könnten noch viel mehr Todesfälle vermieden werden, wenn jeder Mensch sein gesamtes Leben in einem keimfreien Raum verbringen würde. Bloß, warum sollte irgendwer ein solches Leben führen wollen?
dentix08 14.10.2011
5. Na sowas!
Wie erst Vorgestern (?) im Fernsehen erklärt wurde, benutzen Menschen in tropischen Gefilden (dort wo die Anopheles-Mücke besonders häufig ist) seit Jahrtausenden Rauch zur Abwehr dieser Malaria-(und anderer)-Mücken! Anscheinend ist die Alternative an Malaria zu erkranken und evtl. zu sterben, oder langfristig durch den Rauch, von diesen Menschen eindeutig zugunsten des Rauches entschieden worden! Soll sich die WHO und das NIH bitte nach Einführung "rauchfreier" Koch- und Heizmöglichkeiten nicht über steigende Malariazahlen beschweren! (Das könnte nämlich die nicht bedachte Konsequenz sein!) Am wichtigsten erscheint mir aber dieser Satz: "Der Verkauf schaffe außerdem einen bedeutenden neuen Markt für diese Produkte, der idealerweise (!) die lokale Wirtschaft ankurbele." Es geht wohl doch - wie üblich - um neue Märkte, um Geld, die - man beachte - IDEALERWEISE die lokale Wirtschaft ankurbeln. Nur im Idealfall! Und was läuft schon ideal in dieser Welt? Wenn's nicht ideal läuft, dann werden eben nicht-lokale, sprich ausländische, Märkte angekurbelt, z.B. die Europas, der USA, Japans etc. der Industrieländer! Was macht's schon wenn dadurch die Gesundheitskosten in den armen Ländern steigen, wenn ausgerechnet durch die gute Idee, mehr Menschen an Malaria erkranken!?
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