Mäuse-Studie Nitrat verhilft zu mehr Muskelkraft

Wer ordentlich Spinat und anderes nitrathaltiges Gemüse isst, bekommt laut einer schwedischen Studie stärkere Muskeln. Diesen Effekt haben Forscher bei Mäusen beobachtet, nun planen sie Untersuchungen mit Menschen.

Berg aus Spinat: Nitrat erhöht die Konzentration zweier Muskel-Proteine
dapd

Berg aus Spinat: Nitrat erhöht die Konzentration zweier Muskel-Proteine


Eine Woche lang bekamen die Versuchsmäuse am Stockholmer Karolinska-Institut Trinkwasser, das mit Nitrat angereichert war. Anschließend stellten die Forscher eine signifikante Stärkung der Muskeln der Tiere fest. "Mäuse, die regelmäßig Nitrat erhielten, hatten viel stärkere Muskeln", heißt es in der Studie, die im Fachblatt "Journal of Physiology" veröffentlicht werden soll.

Das täglich eingesetzte Nitrat habe im Verhältnis derjenigen Menge entsprochen, die ein Mensch beim Verzehr von 200 bis 250 Gramm Spinat pro Tag zu sich nehme, sagte Studienautor Andrés Hernández. Keinen Effekt hat das Salz demnach auf langsam zuckende sogenannte Slow-Twitch-Muskelfasern, die bei geringer Anstrengung zum Einsatz kommen. Bei den für größere Kraftanstrengungen beanspruchten schnell zuckenden sogenannten Fast-Twitch-Fasern sei hingegen eine deutliche Veränderung zu beobachten gewesen, sagte Hernández.

Die Forscher führen die Wirkung darauf zurück, dass das Nitrat die Konzentration zweier Proteine in den Muskeln erhöht. Die Eiweiße wiederum bewirkten eine steigende Konzentration von Kalzium in den Muskeln, was die Fast-Twitch-Fasern stärke, sagte Hernández. Er hofft nun nicht nur auf Anwendungen im sportlichen Bereich, sondern auch auf Fortschritte bei der Behandlung von Muskelerkrankungen oder Schwächeerscheinungen im Alter. Weiteren Versuchen an Mäusen sollten daher klinische Studien folgen, sagte Hernández.

Eine kleine Nitrat-Studie mit 14 Freiwilligen hatten Forscher vom Karolinska-Institut bereits 2011 durchgeführt. Die Probanden hatten an einer dreitägigen Nitratkur teilgenommen. Anschließend machten die Forscher Tests mit den Teilnehmern und entnahmen ihnen kleine Gewebeproben aus den Oberschenkelmuskeln.

Nach der Nitratkur benötigten die Probanden weniger Sauerstoff, um die gleiche sportliche Leistung zu erbringen. Zurückzuführen ist das vermutlich darauf, dass die Mitochondrien, die Kraftwerke in den Muskelzellen, effizienter arbeiten - das zeigte die Analyse der Muskelprobe: Die Salze scheinen eine Art Undichtigkeit in den kleinen Zellkraftwerken zu stopfen, so dass die Mitochondrien mehr Energie pro Sauerstoffeinheit bereitstellen können, berichteten die Forscher.

Fazit der beiden Studien aus Schweden: Spinat macht wahrscheinlich wirklich stark. Das liegt jedoch nicht etwa am angeblich vielen Eisen darin, sondern am Nitrat.

hda/AFP



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