Mäusestudie Milchsäurespiegel verrät Alterskrankheiten

Warnsignal: Bevor Mäuse Haarausfall, Schwerhörigkeit oder Osteoporose bekommen, steigt die Menge an Milchsäure in ihrem Gehirn. Jetzt hoffen Forscher auf Frühdiagnosen beim Menschen.

Hirnaktivität: Frühwarnsystem für Alterungsvorgänge
REUTERS/ King's College London

Hirnaktivität: Frühwarnsystem für Alterungsvorgänge


Köln - Der Milchsäurespiegel im Gehirn könnte verraten, ob Alterungsprozesse eingesetzt haben oder nicht. Das legt die Studie eines schwedisch-deutschen Forscherteams an Mäusen nahe. Ihr Ergebnis: Je weiter der Alterungsprozess in den Gehirnen der Tiere fortschreitet, desto stärker steigt auch der Milchsäurespiegel an. Über ihre Arbeit berichten Jaime Ross vom Karolinska-Institut in Stockholm und ihre Kollegen, die unter anderem an der Universität und dem Max-Planck-Institut in Köln arbeiten, im Wissenschaftsmagazin "PNAS".

Verantwortlich dafür sind Schäden an den Mitochondrien, den winzigen Zellkraftwerken: Funktionieren sie nicht einwandfrei, schalten die Hirnzellen auf einen alternativen Stoffwechselweg zur Energiegewinnung um, in dessen Verlauf vermehrt Milchsäure gebildet wird. Da solche Schäden bereits früher mit typischen Alterskrankheiten wie Parkinson und Alzheimer in Verbindung gebracht wurden, könnte der Milchsäurespiegel auch bei der Früherkennung dieser Krankheiten helfen - vorausgesetzt, die Mäuse-Ergebnisse lassen sich auf den Menschen übertragen.

Für die Energiegewinnung aus Nährstoffen sind normalerweise die Mitochondrien verantwortlich: Sie befinden sich im Inneren der Körperzellen und wandeln verschiedene Zwischenprodukte des Stoffwechsels in den Energieträger ATP um, der dann als Brennstoff für alle möglichen Vorgänge im Körper verwendet wird. Je älter ein Organismus jedoch wird, desto mehr genetische Fehler entstehen in den Zellkraftwerken. Als Folge arbeiten sie nicht mehr so effizient - ein Problem, das laut einer gängigen Theorie das Altern beschleunigt.

Der Pegel steigt

Um diesen Prozess zu untersuchen, beobachteten die Wissenschaftler die Stoffwechselvorgänge in den Gehirnen von Mäusen, darunter auch gentechnisch veränderten Mäuse, die zu vorzeitigem Altern neigen. Schon bevor diese Tiere typische Zeichens des Alterns zeigten wie etwa Haarausfall, Schwerhörigkeit oder Osteoporose, stieg in ihren Gehirnen bereits die Milchsäuremenge an, entdeckten die Forscher. Das Gleiche galt für gentechnisch nicht modifizierte Tiere, wobei die Veränderungen hier lediglich etwas später einsetzten.

Genauere Analysen bestätigten, dass tatsächlich defekte Zellkraftwerke der Grund für den Anstieg waren: Weil die Mitochondrien der Mäuse nicht mehr richtig arbeiteten, nutzten die Zellen einen sauerstoffunabhängigen Weg - die sogenannte Glykolyse -, um Energie zu gewinnen. Dabei entsteht als Endprodukt Milchsäure, die sich dann im Gehirn anreichert. Etwas Ähnliches geschieht bei starker Anstrengung auch in Muskeln, erläutern die Forscher: Sie schalten dann ebenfalls auf diesen schnelleren, aber weniger effizienten Weg der Energiegewinnung um.

Es gebe bereits Hinweise darauf, dass ein solcher Prozess nicht nur bei Mäusen, sondern auch im Gehirn alternder Menschen abläuft, sagen die Wissenschaftler. Sollte sich das bestätigen, könnte der Milchsäurespiegel künftig als Marker für Alterungsvorgänge im Hirn dienen. Das hätte zum einen den Vorteil, dass man solche Prozesse sehr früh diagnostizieren und ihnen gegebenenfalls entgegenwirken könne. Zum anderen lässt sich der Milchsäurespiegel im Gegensatz zu anderen Alterungskennzeichen leicht und für den Patienten schmerzlos mit Hilfe eines kernspintomographieartigen Verfahrens bestimmen.

boj/dapd



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
vibackup 02.11.2010
1. Intressant...
Zitat von sysopWarnsignal: Bevor Mäuse Haarausfall, Schwerhörigkeit oder Osteoporose bekommen, steigt die Menge an Milchsäure in ihrem Gehirn. Jetzt hoffen Forscher auf Frühdiagnosen beim Menschen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,726822,00.html
...aber wo bleibt die Quellenangabe? Denn es gibt doch wohl eine Quelle, oder? //M
Riff 02.11.2010
2. Problem erkannt, Problem gebannt
Zitat von vibackup...aber wo bleibt die Quellenangabe? Denn es gibt doch wohl eine Quelle, oder? //M
Quelle: PNAS. Steht im Artikel. Gleich im 1. Abschnitt.
Hans58 02.11.2010
3. Kein Titel
Zitat von vibackup...aber wo bleibt die Quellenangabe? Denn es gibt doch wohl eine Quelle, oder? //M
Hier ist die Quelle: http://ki.se/ki/jsp/polopoly.jsp?d=130&a=110433&l=en&newsdep=130
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