Maskenpflicht in Innenräumen, 3G und 2G Coronaschutzmaßnahmen gehen vielerorts zu Ende

In allen Bundesländern außer Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern laufen Maskenpflicht und Zutrittsbeschränkungen aus. Doch Vertreter von Ärzten und Kliniken warnen vor verfrühten Lockerungen.
Lange Schlangen vor einem Geschäft am Berliner Kurfürstendamm. Ab Sonntag müssen Kunden in Innenräumen keine Masken mehr tragen.

Lange Schlangen vor einem Geschäft am Berliner Kurfürstendamm. Ab Sonntag müssen Kunden in Innenräumen keine Masken mehr tragen.

Foto: Political-Moments / IMAGO

In den meisten Bundesländern gehen in der Nacht zum Sonntag zahlreiche Alltagsauflagen zum Eindämmen der Coronapandemie zu Ende. Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Maskenpflichten oder 2G- und 3G-Zutrittsregeln in Geschäften, Schulen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen dann prinzipiell nicht mehr möglich.

Es gibt aber eine Ausnahmemöglichkeit, wenn Landesparlamente für eine Region eine besonders kritische Coronalage feststellen. Von dieser sogenannten Hotspot-Regel machen vorerst nur Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern Gebrauch. Weiter möglich sind Maskenpflichten auch in Kliniken oder Pflegeheimen, Bussen und Bahnen.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist weiter rückläufig. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen mitteilte, liegt der Wert nun bei 1531,5. Am Freitag hatte er 1586,4 betragen, vor einer Woche lag er bei 1758,4. Der Wert beziffert die Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, lag die absolute Zahl der gemeldeten Neuinfektionen binnen 24 Stunden am Samstag bei 196.456 – nach 252.530 am Vortag und 252.026 Neuinfektionen vor einer Woche. Die Gesamtzahl der registrierten Ansteckungsfälle in Deutschland seit Beginn der Coronapandemie erhöhte sich auf 21.553.495.

Binnen 24 Stunden wurden laut RKI 292 weitere Todesfälle im Kontext des Coronavirus registriert. Die Gesamtzahl der verzeichneten Coronatoten in Deutschland stieg damit auf 129.987.

In seinem am Donnerstag veröffentlichten Wochenbericht hatte das RKI erklärt, dass der Höhepunkt der aktuellen Coronawelle »wahrscheinlich erreicht« sei. Der »Infektionsdruck« und die absolute Zahl der täglichen Coronatoten seien weiterhin sehr hoch.

Marburger-Bund-Chefin für Maskenpflicht

Die Chefin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, dringt daher auf die Beibehaltung der Maskenpflicht in Innenräumen. Dass beim jetzigen Infektionsgeschehen in vielen Geschäften keine Maskenpflicht mehr gelte, halte sie aus medizinischer Sicht für falsch, sagte Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Gerade in Supermärkten und Restaurants seien Masken weiterhin von großer Bedeutung, um Infektionen einzudämmen. Sie könne nur an die Länder appellieren, die Maskenpflicht in möglichst vielen Bereichen beizubehalten.

Sorgen vor einem »Déjà-vu« im Herbst

Johna forderte zudem das zügige Einführen einer Coronaimpfpflicht: »Wenn es keine Mehrheit für eine Impfpflicht ab 18 Jahren gibt, brauchen wir zumindest eine Impfpflicht für alle ab 50 Jahren«.

Es sei wichtig, diese Nachweispflicht jetzt sofort einzuführen und nicht erst im Herbst, fügte Johna hinzu. Die Politik habe in der Pandemie »oft genug« erst abgewartet »und dann viel zu spät reagiert«, kritisierte die Medizinerin. »Ich mache mir große Sorgen, dass wir im Herbst in eine neue große Welle geraten und schon wieder ein Déjà-vu erleben.«

Krankenhausfunktionär fordert Impfpflicht ab 18 Jahren

Ähnlich äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. »Wir haben uns klar für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen, denn nur eine möglichst hohe Impfquote wird uns aus der immer wiederkehrenden Gefahr herausholen, die Kliniken zu überlasten«, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. »Ohne eine hohe Impfquote laufen wir Gefahr, dass sich in diesem Herbst das vergangene Jahr wiederholt und wir in die nächste Welle geraten.«

Die DKG sei für eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren, unterstrich Gaß. Sollte es dafür keine Mehrheit im Bundestag geben, sei »auf jeden Fall auch eine Impfpflicht ab 50 angezeigt und ein möglicher Kompromiss«.

Mehrheitsverhältnisse im Bundestag unklar

Am kommenden Donnerstag soll der Bundestag entscheiden, ob eine Impfpflicht kommt, für wen sie gelten soll und wie sie umgesetzt wird. Zuletzt war weiter unklar, welches der konkurrierenden Modelle mit einer Mehrheit rechnen kann.

Derzeit liegen Anträge vor für eine Impfpflicht ab 18 sowie für eine Impfpflicht ab 50 mit vorgeschalteter Beratungspflicht. Beide Vorschläge haben Unterstützer in der Ampelkoalition. Die Unionsfraktion will ein »Impfvorsorgegesetz«, das je nach Lage eine Impfpflicht für bestimmte Bevölkerungsgruppen erlauben würde. Weitere Anträge richten sich grundsätzlich gegen jede Impfpflicht.

mpz/AFP/dpa
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