Maus-Experiment Wirkstoff verhindert Sonnenbrand

Sonnenbrand ist im Sommer so allgegenwärtig wie Eiscreme. Jetzt haben Forscher herausgefunden, warum die verbrannte Haut schmerzt - und die potentiell Krebs auslösenden Zellschäden mit einer Salbe verhindert. Bis zur Anwendung am Menschen ist der Weg allerdings noch weit.

Sonnenbrand: Schmerzhafte Krebsgefahr
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Sonnenbrand: Schmerzhafte Krebsgefahr

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Brennt die Sonne vom Himmel, leuchtet es rot im Schwimmbad: Zahlreiche unvorsichtige Badegäste haben sich unzureichend oder gleich gar nicht geschützt und tragen einen Sonnenbrand spazieren. Die böse Überraschung erleben manche erst zu Hause vor dem Spiegel - und anschließend in Form heftiger Schmerzen an den verbrannten Stellen.

Doch das könnte bald Vergangenheit sein: Wissenschaftler haben in Versuchen an menschlichen Zellen und an Mäusen herausgefunden, wie die Schmerzen entstehen und wie sich Schäden der Haut - und damit auch der weit verbreitete Hautkrebs durch zu viel Strahlung - verhindern lassen könnten.

Die Stellschraube ist offenbar der Ionenkanal TRPV4 in der äußeren Hautschicht, berichten Wissenschaftler um Wolfgang Liedtke von der amerikanischen Duke University im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Der Kanal transportiert positiv geladene Ionen wie etwa Kalzium und Natrium in die Hautzellen. In einem Versuch mit rund 50 Mäusen entfernten die Forscher bei einigen Tieren per Genmanipulation das TRPV4-Molekül. Anschließend setzten sie alle Mäuse mit den Hinterpfoten auf starke UV-B-Strahlung. Das Ergebnis: Während die nicht veränderten Tiere Verbrennungen erlitten, zeigten sich auf der Haut der Mäuse ohne TRPV4-Kanäle kaum Verletzungen durch die Strahlen.

In Versuchen an Zellen im Labor ergründeten die Forscher den Grund dafür: Demnach bewirkt UV-B-Strahlung, die auch von der Sonne ausgesendet wird, dass Kalzium über den TRPV4-Ionenkanal in die Hautzellen strömt. Das wiederum ruft vermehrt das Molekül Endothelin auf den Plan, das den Kalziumtransport noch verstärkt. Endothelin sei dafür bekannt, beim Menschen Schmerzen und Juckreiz auszulösen, wie man es bei einem Sonnenbrand erlebt, so die Forscher. Zur Sicherheit überprüften sie den Mechanismus an menschlichen Hautzellen im Labor.

Salbe verhindert Schädigung der Haut

"Wir haben eine neue Erklärung gefunden, warum Sonnenbrand schmerzt", erklärt Liedtke. "Wenn wir Sonnenbrand verstehen, können wir Schmerzen besser verstehen." Denn was kranke Menschen täglich plage, sei dem kurzfristigen Leiden durch Sonnenbrand sehr ähnlich.

Die Forscher gingen allerdings noch weiter: Sie entwickelten eine Salbe, um die schädliche Wirkung der Strahlung auch ohne Genmanipulation zu verhindern. Die Mischung aus einem Desinfektionsmittel und dem Wirkstoff GSK205, der die Aktivität des TRPV4-Ionenkanals unterdrückt, habe die Hinterpfoten der Mäuse in einem weiteren Test vor Verbrennungen und Schäden der Haut geschützt. In Zellkulturen konnten die Forscher beobachten, dass die Substanz den Transport der Kalziumionen in die Zelle verhinderte.

"Die Ergebnisse zeigen TRPV4 als neues Ziel, um Sonnenbrand zu verhindern und zu behandeln", sagt Martin Steinhoff von der University of California, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Zudem könnte die Salbe nicht nur die kurzfristigen, akuten Symptome lindern oder gar verhindern, sondern möglicherweise auch "chronischen Schäden der Haut wie etwa Hautkrebs oder Hautalterung vorbeugen", so Steinhoff. Allzu große Euphorie will er aber nicht aufkommen lassen: "Es ist noch viel Arbeit nötig, bevor TRPV4-Inhibitoren als Teil von Sonnencremes oder zur Behandlung chronischer Hautschäden eingesetzt werden können."

UV-B ist wichtig für die Vitamin-D-Synthese

Die Entstehung von Sonnenbrand und Hautkrebs ist vielschichtig: Im Vergangenen Jahr hatte eine Studie gezeigt, dass sogenannte microRNA-Moleküle an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Sie regeln, welche Proteine in einer Zelle verwendet werden. Verändert durch UV-B-Strahlung können die Moleküle laut der Studie Entzündungen in Nachbarzellen auslösen und Mechanismen aktivieren, die als tumorfördernd gelten.

Grundsätzlich schädlich ist UV-B-Strahlung aber nicht: Der Körper benötigt sie, um Vitamin D herzustellen. Einige Studien legen nahe, dass ein Mangel des Vitamins das Risiko für Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen sowie die Anfälligkeit für Infektionen erhöht. In zu hoher Dosis jedoch verbrennt die Haut unter der Strahlung: Das Erbgut der Zellen wird beschädigt, Hautkrebs ist die mögliche Folge.

insgesamt 13 Beiträge
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_thilo_ 06.08.2013
1. UV-B ist schädlich ...
(1) UV-B hat Wellenlängen um 300 nm und damit Energie um 4 eV. Diese Energie kann organische Moleküle knacken und ist damit SELBSTVERSTÄNDLICH "grundsätzlich schädlich" ! (2) Genau diese Energie treibt aber auch die Vitamin-D Produktion in der Haut an und Vitamin D ist lebenswichtig. (Und schützt möglicherweise auch vor Krebs ..) Der Punkt ist SO EINFACH: Mit "relativ wenig" praller Sonne können wir ausreichend Vitamin D erzeugen. Mehr Sonne als nötig ist immer (mehr oder weniger) schädlich. PS: Die beschriebene Salbe kann schädliche Folgeprozesse nach Sonnenbrand vermindern aber nicht bereits entstandene Schäden an der DNA reparieren.
Sleeper_in_Metropolis 06.08.2013
2.
---Zitat--- Sie entwickelten eine Salbe, um die schädliche Wirkung der Strahlung auch ohne Genmanipulation zu verhindern. ---Zitatende--- Gibt es schon seit vielen Jahrzehnten und für wenig Geld in jedem Discounter zu kaufen. Nennt sich Sonnencreme. Im Ernst : Die beschriebene Salbe, sollte sie denn irgendwann mal auf den Markt kommen mag zur Notfallbehandlung von Sonnenbrand nützlich sein, aber wenn ich mir schon herkömmliche Sonnencreme im Vorfeld nicht auf die Haut schmiere, wie soll das dann vorbeugend mit einer anderen Creme funktionieren ? Die Leute haben, völlig verständlich, oftmals keine Lust sich am ganzen Körper mit diesem Schmierzeug namens Sonnencreme einzureiben. Also sollte man nicht eine weitere Creme entwickeln, sonder einen Schutz, der sich eleganter anwenden läßt. Tabletten oder ähnliches wäre sehr praktisch. Es gibt doch auch Bräunungspillen
dr._k 06.08.2013
3. potentiell krebsauslösende Schäden...
...lassen sich nur durch Meidung des Sonnenlichtes oder Blocker (d.h. Sonnencremes) vermeiden. Die inflammatorische Reaktion (Sonnenbrand) die durch die zur Diskussion stehende Creme unterdrückt wird ist Resultat einer Zellschädigung durch UV-Strahlung. Der schlimmere Aspekt ist, dass die DNA der, den Sonnenbrand Überlebender Zellen nachhaltig geschädigt ist. Diese Zellen entarten mit höherer Wahrscheinlickteit. Dass diese Entartung durch eine Creme die den Entzündungsprozess hemmt unterdrückt werden kann ist Unsinn. Egal, ob von den Studienautoren oder vom Autor des SPON-Artikels behauptet. Ansonsten hätte jede Brandsalbe die selbe Wirkung.
dv039 06.08.2013
4. Ist nicht euer Ernst ...
"Wir haben eine neue Erklärung gefunden, warum Sonnenbrand schmerzt" Also meine persönlichen Studien am Strand im Hochsommer haben gezeigt, warum Sonnenbrand schmerzt: der Körper sagt einem so, dass ich den Mist lassen soll, mich stundenlang in praller Zenit-Sonne rumzuwälzen, weil meine Haut davon kaputt geht und die Zellen altern oder sogar mutieren. Die Pharmaindustrie freut sich natürlich über menschliche Dummheit, weil da viel Geld zu holen ist (Beispiele das hier und noch viele weitere)
rainer/zufall 07.08.2013
5.
Zitat von sysopCorbisSonnenbrand ist im Sommer so allgegenwärtig wie Eiscreme. Jetzt haben Forscher herausgefunden, warum die verbrannte Haut schmerzt - und die potentiell Krebs auslösenden Zellschäden mit einer Salbe verhindert. Bis zur Anwendung am Menschen ist der Weg allerdings noch weit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/maus-experiment-forscher-verhindern-sonnenbrand-a-915117.html
Die Familie der TRPV Rezeptoren ist an sich für die Schmerzwahrnehmung zuständig. So wird z.B. der TRPV1 Rezeptor durch capsaicin, das z.B. in Chilischoten vorhanden ist aktviert und sendet Schmerzsignale an das Gehirn. Insofern erschließt sich mir nicht wie eine Hemmung von Schmerzrezeptoren DNA Schäden vorbeugen soll. Die Salbe mag durch Inaktivierung dieser Kanäle zwar die Schmerzen lindern, aber der "Sonnenbrand"/die Schmerzen sind ja an sich ein Warnsignal unseres Körpers, um weitere Schäden zu vermeiden. Insofern würde man durch diese Salbe vielmehr sein eigenes Warnsystem ausschalten und riskieren, dass es wirklich zu ernsthaften Folgen kommt. Zur akuten Schmerzlinderung mag das sinnvoll sein, aber ganz sicher nicht als präventive Maßnahme. Da setzt Sonnencreme doch schon einen Schritt früher an, indem sie verhindert, dass die UV Strahlung den Körper in voller Intensität erreicht. So wie ich das sehe hat entweder der Journalist die Absichten dieser Wissenschaftler falsch interpretiert, oder es fehlen zusätzliche informationen in dem Artikel
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