Medizin Jeder Bürger soll über Organspende entscheiden

Tausende Deutsche warten auf Spenderorgane - und viele sterben, bevor sie eines bekommen. Jetzt wird die Organspende neu geregelt: Jeder Erwachsene soll zu seiner Bereitschaft befragt werden. Start ist bereits in diesem Jahr.
Gesundheitsminister Daniel Bahr: "Mit so viel Nachdruck wie möglich"

Gesundheitsminister Daniel Bahr: "Mit so viel Nachdruck wie möglich"

Foto: DPA

Die Regeln für die Organspende in Deutschland werden reformiert. Eine Spitzenrunde von Opposition, Koalition und Bundesregierung hat sich am Donnerstag in Berlin geeinigt, die bisher geltende Zustimmungslösung durch die sogenannte Entscheidungslösung zu ersetzen.

Künftig soll jeder Erwachsene in Deutschland regelmäßig nach seiner Bereitschaft zur Organspende befragt werden . Man könne die Bereitschaft erklären, sie verneinen oder das Anschreiben einfach wegwerfen, erklärte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Auch die Bereitschaft, nur bestimmte Organe zu spenden, kann erklärt werden.

Die Abfrage solle "mit so viel Nachdruck wie möglich" geschehen, "ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben". Bereits ab diesem Jahr bekommt jeder Deutsche demnach regelmäßig Post von seiner Krankenkasse, die über die Organspende informiert und zur Abgabe einer Erklärung auffordert. Die nächste Abfrage ist für 2014 geplant, nach 2017 soll die Aufforderung dann alle fünf Jahre erfolgen.

Bereitschaft zur Organspende soll auf Ausweis vermerkt werden

Der Einigung auf die Neuregelung waren zahlreiche Debatten vorausgegangen, letztlich konnte nun auf Initiative der beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, der Konsens erzielt werden.

Geeinigt haben sich die Gesundheitspolitiker auch darauf, dass auch bei der Ausgabe von amtlichen Ausweisen - zum Beispiel Reisepass oder Führerschein - Informationen zur Organspende ausgeben werden sollen, erklärt Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU.

Die für die elektronische Gesundheitskarte Verantwortlichen werden per Gesetz beauftragt, Lösungen zu entwickeln, um die Entscheidung der Versicherten zur Organspende auf der Karte speichern zu können. Dabei sollen die Krankenkassen ihre Versicherten auch im Rahmen eines postalischen Rückmeldeverfahrens unterstützen können. Bis Mitte 2013 muss dem Bundesministerium für Gesundheit ein entsprechender Bericht zur Umsetzung vorgelegt werden.

Spendenbereitschaft 2011 zurückgegangen

Bisher müssen die Menschen ihre Bereitschaft zur Spende aus eigener Initiative erklären - per Organspendeausweis oder gegenüber den Angehörigen. Fast 70 Prozent der Deutschen sind laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur weniger als 20 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Spendenausweis dokumentiert.

Rund 12.000 Kranke warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, wie die Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) besagen. Im Jahr 2010 hatte die Zahl der Organspenden 2010 einen Rekordwert erreicht, ist aber im vergangenen Jahr wieder deutlich zurückgegangen. Laut DSO spendeten 2011 rund 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe - 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

mbe/dpa
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