Umfrage Mehrheit der Deutschen geht trotz Krankheit zur Arbeit – auch mit Corona

Krankheiten oder Beschwerden richtig auskurieren? Das kommt laut einer Umfrage für viele Deutsche nicht infrage – sie schleppen sich an den Arbeitsplatz. Daran hat offenbar auch die Pandemie wenig geändert.
Frau beim Naseputzen (Symbolbild): Und dann ab ins Büro...

Frau beim Naseputzen (Symbolbild): Und dann ab ins Büro...

Foto: Maya Claussen / Westend61 / IMAGO

In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben die Deutschen als Folge der Coronakrise eine Art unfreiwilligen Crashkurs in Sachen Infektionsschutz und Verhalten bei Krankheitssymptomen bekommen. An der grundsätzlichen Einstellung der meisten Bürgerinnen und Bürger zum Umgang mit Erkrankungen scheint das aber kaum etwas geändert zu haben. Diesen Schluss legt zumindest eine neue Umfrage nahe.

Demnach geht die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland krank zur Arbeit. Sogar rund jeder zehnte Coronainfizierte erscheint trotz positiven Tests im Büro oder im Betrieb, wie die repräsentative Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK ergab, aus der die Funke-Mediengruppe (Montagausgaben) zitiert. Nur 28 Prozent der Deutschen bleiben demnach bei Krankheit konsequent zu Hause.

Mit 49 Prozent am häufigsten gehen Berufstätige der Studie zufolge trotz Rückenschmerzen zur Arbeit. 38 Prozent arbeiten trotz Allergien. Auch ein Drittel der Beschäftigten mit psychosomatischen oder psychischen Beschwerden erscheint demnach im Job.

Präsenz im Büro als »unzumutbare Gefahr«

Bei Coronainfektionen erscheinen laut Umfrage neun Prozent der Erkrankten im Betrieb, 17 Prozent arbeiten von zu Hause aus, weitere 17 bleiben ein paar Tage zu Hause, bis die schlimmsten Symptome vorüber sind. Acht Prozent der Betroffenen machen ihre Entscheidung über die Rückkehr an den Arbeitsplatz davon abhängig, wie viel auf der Arbeit los ist. Nur 33 Prozent der Befragten bleiben bei einem leichten Coronaverlauf so lange daheim, bis sie wieder gesund sind.

»Wer sich nicht in Ruhe auskuriert, riskiert, dass Viruserkrankungen auch Herz oder andere Organe angreifen oder sich durch Medikamente unterdrückte Symptome verschlimmern«, sagte Gerd Herold, Beratungsarzt bei der Pronova BKK, den Funke-Zeitungen. »Noch dazu können Mitarbeitende angesteckt werden.« So sei die Präsenz im Büro trotz positiven Coronatests »eine unzumutbare Gefahr«.

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Die Erfahrungen mit dem Infektionsschutz während der Coronapandemie hätten nichts an der Gewohnheit geändert, auch krank im Job zu erscheinen, sagte Herold: »Manche haben Sorge, als faul zu gelten oder den Kolleginnen und Kollegen die Vertretung zuzumuten.«

jok/AFP
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