Menschliche Embryonen Geklonte Zellen, kopierte Bilder

Dieser wissenschaftliche Coup vereinte gleich mehrere brisante Eigenschaften: Zum ersten Mal gelang es Forschern, menschliche embryonale Stammzellen zu klonen. Ihre Studie sorgte für Wirbel - und war doch nicht ganz wasserdicht.

Schritt 1 des somatischen Kerntransfers: Einer menschlichen Eizelle wird genetisches Material entnommen
Cell/ Tachibana et al.

Schritt 1 des somatischen Kerntransfers: Einer menschlichen Eizelle wird genetisches Material entnommen


Eine derart durchschlagende Wirkung haben Forschungsergebnisse aus den Biowissenschaften nur selten: Mitte Mai verkündete ein internationales Forscherteam um Shoukhrat Mitalipov, menschliche embryonale Stammzellen mittels Klonen erzeugt zu haben. Fachwelt und Öffentlichkeit waren gleichermaßen elektrisiert.

Wissenschaftler verblüffte an der neuen Methode vor allem ihre Zuverlässigkeit: Ungewöhnlich viele Eizellen hatten sich in Zelllinien umprogrammieren lassen, nur wenige blieben im Laufe des Verfahrens auf der Strecke. Dass es generell möglich ist, Stammzellen mit Hilfe des somatischen Kerntransfers zu klonen, überraschte dagegen kaum einen der Experten. Schließlich funktioniert die Methode bei Tieren seit Jahren zuverlässig.

Vorwurf der Manipulation

In manchen Massenmedien führte die im Fachmagazin "Cell" veröffentlichte Studie dagegen zu aufgeregten Reaktionen. Schnell geisterte die Vorstellung geklonter Menschen durch die Öffentlichkeit - inklusive zuverlässiger Angstmacher wie Frankensteins Monster. Schuld daran war auch die unpräzise Bezeichnung der geklonten Zellstrukturen. Zwar handelte es sich um Embryonen, jedoch in einem extrem frühen Stadium, das rund hundert Zellen umfasst.

Als die öffentliche Debatte um Klonmenschen und Stammzelllinien bereits abzuklingen schien, drängte sich die Studie selbst noch einmal in den Fokus. In großer Eile hatten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse aufgeschrieben und dabei offenbar übersehen, dass drei Abbildungen doppelt vorkamen. Diese methodischen Mängel bezeichneten sie selbst als "Versehen".

Die Fachzeitschrift prüfte daraufhin, ob die Unstimmigkeiten auch die Hauptaussagen der Studie betreffen. Bislang scheint es dafür keinen begründeten Verdacht zu geben. Mitalipov wurde jüngst vom Wissenschafts-Fachblatt "Nature" unter die zehn wichtigsten Personen des Jahres gewählt.

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