Mers-Epidemie Saudi-Arabien nimmt sich Kamele vor

Schon rund 500 Menschen in Saudi-Arabien haben sich mit dem Coronavirus Mers infiziert. Kamele gelten als tierisches Reservoir des Erregers - und erstmals ziehen die Behörden daraus nun auch Schlüsse. Die Tiere spielen in dem Land eine kulturell wichtige Rolle.

Mit Gesichtsmaske vor Kamelen: Dieser Mann nahe Riad scheint (noch) eine Ausnahme zu sein
REUTERS

Mit Gesichtsmaske vor Kamelen: Dieser Mann nahe Riad scheint (noch) eine Ausnahme zu sein


Einen zugelassenen Impfstoff gibt es noch nicht - auch deswegen macht das Coronavirus Mers den Gesundheitsbehörden Sorgen. Schwere Lungenleiden machen den betroffenen Patienten zu schaffen, dazu droht ein gefährliches Nierenversagen. Bisher war der Erreger vor allem auf der Arabischen Halbinsel zu finden. Aber Experten fragen sich voller Sorge, ob er das Zeug zu einer weltweiten Seuche hat - obwohl sich das Virus bisher schlecht von Mensch zu Mensch verbreitet hat.

Im April waren die Infektionszahlen jedoch sprunghaft angestiegen: Vor allem Saudi-Arabien ist betroffen, dort haben sich fast 500 Menschen infiziert. Im Schnitt rund ein Viertel aller Infizierten starben. Die Behörden des Landes haben nun erstmals Hinweise für Menschen herausgegeben, die mit Kamelen zu tun haben. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium.

Kamel spielt wichtige Rolle in der Kultur

Demnach sollen Menschen nur wenn unbedingt nötig Kontakt mit Kamelen haben. Außerdem sollen vorher und nachher die Hände gewaschen werden. Auch zur Benutzung einer Gesichtsmarke wird geraten. Vor allem wer mit gebärenden, kranken oder toten Tieren zu tun habe, solle Handschuhe tragen. Kamelfleisch und -milch sollten vor dem Verzehr erhitzt werden.

Das Kamel spielt eine sehr wichtige Rolle in der Kultur Saudi-Arabiens. Das hat mit den nomadischen Wurzeln der Bevölkerung zu tun, auch wenn diese heute kaum noch eine Rollen spielen. Wohl wegen ihrer herausgehobenen Position waren die Tiere bisher beim praktischen Kampf gegen Mers ausgenommen - auch wenn es schon länger Hinweise darauf gibt, dass sie dem Erreger als Reservoir dienen könnten. So haben Wissenschaftler in den Nasen von Kamelen Erreger gefunden, die denen infizierter Menschen genetisch sehr ähnlich waren.

Nun fordern die Gesundheitsbehörden die Bewohner Saudi-Arabiens auf, mögliche Fälle von Mers bei Kamelen umgehend zu melden. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Sonntag jedoch, auf einem von ihm besuchten Auktionsplatz für Kamele in Riad hätte nur ein einziger von Dutzenden Angestellten eine Maske getragen. Offizielle Bekanntmachungen zur möglichen Gefahr durch die Kamele seien auch keine zu sehen gewesen.

chs/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
satissa 12.05.2014
1. Es ist schlimmer als hier dargestellt
Zitat von sysopREUTERSSchon rund 500 Menschen in Saudi-Arabien haben sich mit dem Coronavirus Mers infiziert. Kamele gelten als tierisches Reservoir des Erregers - und erstmals ziehen die Behörden daraus nun auch Schlüsse. Die Tiere spielen in dem Land eine kulturell wichtige Rolle. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mers-epidemie-saudi-arabien-nimmt-sich-kamele-vor-a-968781.html
Die 500 Fälle sind lächerlich untertrieben. Selbst 5000 ist zu niedrig gegriffen und es geht erst richtig rund. Die Tatsache das Kamele und andere Tiere die Übertrager sind, war schon lange bekannt. Aus den im erwähnten Artikel geht die besondere Stellung des Kamels in der Gesellschaft hervor. Der Blutzoll wird von Gerichten immer noch in Kamelen abgerechnet. Dazu kommen 2 andere Faktoren: Man leidet hier unter Minderwertigkeitskomplexen und will der Welt zeigen, dass Saudis mit dem Problem alleine fertig werden können, was natürlich falsch und vermessen ist, andererseits wird das Problem nicht im vollen Ausmaß der Öffentlichkeit dargestellt. Der zweite Punkt ist die chaotische Logistik. Selbst wenn man eine Gesichtsmaske tragen will, es gibt kaum noch welche. Auch Desinfektionsmittel werden mittlerweile auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Hinzu kommt, dass es nun Sommer wird und für die meist fettleibigen Saudis ist es ein Zeichen von Luxus, bei einer Aussentemperatur von mehr als 40 Grad ein Raumklima von unter 20 Grad zu halten, denn besonders die Frauen sind ja voll verhüllt. Die meist schlecht gewarteten Klimaanlagen funktionieren bestens als Virenschleudern und die Saudis und andere Hilfsarbeiter sind in der Regel dauerverschnupft, weil die Klimaanlagen eiskalte Luft in die Räume blasen. Der Hadj im September wird die Epidemie weiter in alle islamischen Länder bringen.
romaval 12.05.2014
2. Wenn man sich
die Kamele wirklich " vornehmen " will dann gehört fie ganze Herde getötet sofern nur ein Tier den Virus in sich hat.Dazu aber müßte der Staat gleich sagen wie es um die Entschädigung steht.
forumgehts? 12.05.2014
3. Und
Zitat von romavaldie Kamele wirklich " vornehmen " will dann gehört fie ganze Herde getötet sofern nur ein Tier den Virus in sich hat.Dazu aber müßte der Staat gleich sagen wie es um die Entschädigung steht.
wenn der Virus dann eine ihrer Frauen befällt?! :))
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.