Mers-Virus Erster Krankheitsfall in den Niederlanden

In den Niederlanden ist ein erster Fall des Coronavirus Mers aufgetreten. Ein Reisender aus Saudi-Arabien sei mit dem gefährlichen Erreger infiziert gewesen. In dem Wüstenstaat sind mehr als hundert Menschen an einer Erkrankung gestorben.

Unter dem Mikroskop: Das Mers-Virus ruft schwere Atemwegsinfektionen hervor
REUTERS/ NIAID

Unter dem Mikroskop: Das Mers-Virus ruft schwere Atemwegsinfektionen hervor


Das Coronavirus Mers ist erstmals in Europa nachgewiesen worden. Wie das Nationale Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) im niederländischen Bilthoven am Mittwoch mitteilte, infizierte sich der Mann während eines Besuchs in Saudi-Arabien. Die Diagnose sei am Dienstag gestellt worden. Nun werde der Patient in strikter Isolation in einem Den Haager Krankenhaus behandelt.

Das Coronavirus Mers (Middle East Respiratory Syndrome) wurde erstmals im September 2012 bei Patienten mit einer schweren Atemwegsinfektion identifiziert und hat Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus. Es kann grippeähnliche Symptome auslösen, aber auch zu einer schweren Lungenentzündung führen. Anders als Sars führt der neue Erreger zudem zu Nierenversagen.

Seinen Ausgang hatte das neue Virus in Saudi-Arabien genommen. Weltweit wurden bisher nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Mittwoch 496 MERS-Fälle bestätigt. Die WHO sah jedoch keinen Anlass, einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Nicht zuletzt gebe es keine Beweise, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werde.

Etwa 30 Prozent der Fälle verliefen nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) tödlich. Nach amtlichen Angaben aus Saudi-Arabien führte die Infektion dort bislang bei 142 Menschen zum Tod.

Der genaue Übertragungsweg ist noch unklar. Wissenschaftler vermuten, dass Kamele und Fledermäuse eine Rolle bei der Übertragung spielen könnten. Für diese Annahme gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung.

In den USA ist ein zweiter Mers-Fall aufgetaucht. Nach der ersten Meldung in Indiana sei das Virus nun bei einem Patienten in Florida nachgewiesen worden. Wie die Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) in Atlanta mitteilte, hat der Mann im Gesundheitswesen in Saudi-Arabien gearbeitet. Ein Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) will am Dienstagabend die aktuelle Lage und Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Krankheit erörtern.

Der amerikanische Patient sei isoliert worden, ihm gehe es gut. Zunächst unwohl gefühlt habe sich der Mann auf dem Heimflug von Saudi-Arabien nach Florida. Nun suchen die Behörden in 20 der 50 US-Staaten nach Mitreisenden des Patienten. Er soll in vier Flugzeugen Kontakt mit Hunderten Passagieren gehabt haben.

Chip für Kamele

Während es in den USA bislang nur zwei Mers-Fälle gab - beide Patienten hatten sich im Ausland angesteckt - ist Saudi-Arabien weltweit das am stärksten von Mers betroffene Land. Seit 2012 steckten sich dort mehr als 400 Menschen mit dem Virus an. Besonders in den vergangenen Wochen sind die Erkrankungen dort sprunghaft angestiegen. Allein binnen 24 Stunden starben in dem Königreich nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montagabend fünf infizierte Menschen.

Mers steht für Middle East Respiratory Syndrome. Der Erreger kann unter anderem zu Nierenversagen und Lungenentzündung führen. Mehr als 40 Prozent der Patienten sterben, es gibt keinen vorbeugenden Impfstoff.

Da auch Kamele mit dem Erreger infiziert sein können, empfehlen die saudi-arabischen Behörden Züchtern und Händlern beim Umgang mit den Tieren Handschuhe und Mundschutz zu tragen. Außerdem sollen alle Kamele in Saudi-Arabien nun einen Mikrochip bekommen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Darauf sollen Informationen über den Züchter und die Herkunft des Tieres gespeichert werden, berichtet die "Saudi Gazette" am Dienstag auf ihrer Website.

jme/dpa

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