SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Februar 2015, 14:22 Uhr

Miracle Mineral Supplement

Gefährliches "Wundermittel" MMS wird verboten

Von

Das Bundesinstitut für Arzneimittel verschärft seine Warnung: MMS, das gegen Aids, Krebs, Herpes und Demenz helfen soll, wurde als bedenkliches, nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft. Damit ist der Verkauf ab sofort illegal.

Hamburg - Seit Monaten wurde ein vermeintliches Wundermittel über das Internet intensiv beworben und über dubiose Online-Shops verkauft: "Miracle Mineral Supplement", kurz MMS, es soll gegen allerhand Leiden gleichzeitig helfen - Krebs, MS, Autismus, Alzheimer.

Doch die "Wunder-Mineralienergänzung" ist gefährlich. Sie besteht aus Natriumchlorit (nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid, also Kochsalz) und einer Zitronensäure-Lösung als "Aktivator". Werde beides vermischt, entstehe Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch, berichtet das das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Chlordioxid diene als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser und verursache schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. MMS ist kein offizielles Arzneimittel, es gibt keine Zulassungsstudien, die die Sicherheit und Wirkung attestiert hätten.

Zulassungspflichtig + bedenklich = verboten

Am Donnerstag hat das BfArM nun die "Miracle Mineral Supplement"-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Zulassungspflichtige Arzneimittel dürfen nach Angaben der Behörde nur in Verkehr gebracht werden, wenn in einem Zulassungsverfahren Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität belegt worden sind. Diese Nachweise fehlen für MMS.

Das BfArM habe die beiden Produkte MMS und MMS2 als sogenannte Präsentationsarzneimittel eingestuft, weil der Hersteller eindeutige Heilversprechen mache und arzneiliche Zweckbestimmungen angebe, heißt es in der Pressemitteilung. Als Präsentationsarzneimittel werden Produkte eingestuft, die zur Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten bestimmt sind. In diesen Fällen sei nicht die pharmakologische Wirkung eines Stoffes ausschlaggebend, sondern die Frage, wie ein Produkt ausgelobt werde und wie es daraufhin vom Verbraucher verstanden werde.

Dadurch wolle der Gesetzgeber erreichen, dass Mittel wie MMS im Sinne des vorbeugenden Patientenschutzes arzneimittelrechtlich kontrolliert werden und nicht ohne behördliche Zulassung in den Verkehr gebracht werden dürfen, schreibt das BfArM.

Beide Produkte wurden von der Behörde außerdem als bedenklich eingestuft, weil der begründete Verdacht besteht, dass sie "bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen". Die Arzneimittelbehörde hatte bereits im Mai 2014 vor Natriumchlorit-Produkten gewarnt. Gegen die nun vorgenommene Einstufung als zulassungspflichtiges Arzneimittel kann der Hersteller innerhalb eines Monats Widerspruch erheben.

Möglich wurde die Reaktion des BfArM, weil eine Landesbehörde zuvor einen Antrag gestellt hatte, das Bundesinstitut möge entscheiden, ob es sich bei dem umstrittenen Wundermittel MMS um ein zulassungspflichtiges Arzneimittel handele oder nicht. Nach der Entscheidung des Bundesinstituts sind nun wieder die Gesundheitsämter in den Ländern gefragt. Sie können auf Basis des BfArM-Votums "ordnungsbehördliche Maßnahmen zum Schutz der Patienten einleiten", also zum Beispiel die Einfuhr von MMS-Produkten oder deren Verkauf verbieten.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen schon lange vor MMS. Dort wurden nach Einnahme von MMS unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet.

Hinweis der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels waren Quellen nicht vollständig angegeben. Wir haben diese Angaben ergänzt und bitten um Entschuldigung!

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung