Covid-19 Neandertaler-Genvariante erhöht Risiko für schweren Krankheitsverlauf

Ein bisschen Neandertaler tragen viele Menschen in ihrem Erbgut. Während der Pandemie mit dem Coronavirus kann das üble Folgen haben, zeigt eine Studie.
Nachbildung eines Neandertalers im LVR-Landesmuseum Bonn: genetisches Erbe mit "tragischen Auswirkungen"

Nachbildung eines Neandertalers im LVR-Landesmuseum Bonn: genetisches Erbe mit "tragischen Auswirkungen"

Foto: Oliver Berg / dpa

Warum stecken viele Menschen eine Coronavirus-Infektion ohne große Beschwerden weg, während einige schwer erkranken oder sogar sterben? Diese Frage lässt sich noch immer nicht hundertprozentig beantworten. Aber Forscherinnen und Forscher sammeln weiter neue Erkenntnisse, um sie so gut wie möglich beantworten zu können.

Neben dem Alter und Vorerkrankungen können demnach auch bestimmte Genvarianten dazu beitragen, dass eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Forschergruppen hatten in früheren Studien bereits eine Gruppe von Genen auf Chromosom drei als relevant eingestuft. Für Menschen, die dort eine bestimmte Genvariante tragen, stellt das Coronavirus eine größere Gefahr dar als für andere.

Aus einer im Fachblatt "Nature"  veröffentlichten Studie geht nun hervor, dass diese Genvariante von den Neandertalern stammt. Das Risiko, wegen Covid-19 im Krankenhaus zu landen, ist laut der Untersuchung für Träger dieser Genvariante 1,6-mal so groß wie für Menschen ohne diese Genvariante.

Hugo Zeberg und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben entdeckt, dass die DNA-Sequenz sehr der eines Neandertalers ähnelt, der vor rund 50.000 Jahren im Gebiet des heutigen Kroatiens lebte. Pääbo und sein Team in Leipzig entschlüsselten vor Jahren das Neandertaler-Erbgut.

"Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten", sagt Zeberg jetzt laut einer Mitteilung des Instituts.

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Unterschiedlich verbreitet

Die genetische Variante sei regional unterschiedlich stark verbreitet, heißt es weiter in der Studie. Besonders häufig findet sie sich demnach bei Menschen in Südasien, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung sie im Genom trage, in Bangladesch sogar 63 Prozent. In Europa habe etwa einer von sechs Menschen (rund 16 Prozent) sie geerbt - in Afrika und Ostasien komme die Variante hingegen so gut wie gar nicht vor.

Dass die Genvariante in Süd-, aber nicht in Ostasien verbreitet ist, ist ungewöhnlich und deutet laut den Forschern darauf hin, dass sie in der Vergangenheit durch bestimmte Ereignisse an einem Ort gefördert oder am anderen unterdrückt wurde - vielleicht haben sogar frühere Coronaviren dafür gesorgt, dass sich diese Erbgutvariante in Ostasien schlechter durchsetzte?

Eine Erklärung dafür, warum Menschen mit der Genvariante ein höheres Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben, gebe es bisher nicht. "Es ist erschreckend, dass das genetische Erbe der Neandertaler während der aktuellen Pandemie so tragische Auswirkungen hat", sagte Pääbo. "Warum das so ist, muss jetzt so schnell wie möglich erforscht werden."

wbr/dpa
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