Neuer Subtyp entdeckt Was über Omikron XE bekannt ist

In Großbritannien haben Fachleute eine neue Omikron-Untervariante ausgemacht. Wird sie BA.2 verdrängen? Führt sie zu schwereren Verläufen? Noch ist das unklar. Doch die Zahl der Fälle nimmt zu.
Fußgänger in London: Je mehr Infektionen es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass neue Varianten entstehen

Fußgänger in London: Je mehr Infektionen es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass neue Varianten entstehen

Foto: Justin Tallis / AFP

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Der Name klingt, als gehöre er zur neuen Generation eines Mobiltelefons: Omikron XE haben Fachleute einen neuen Coronavirus-Subtyp genannt. Entdeckt wurde die Omikron-Untervariante in Großbritannien. Dort wird sehr viel sequenziert, neue Virustypen fallen entsprechend schneller auf als etwa in Deutschland.

Omikron XE ist eine Kombination aus den bereits bekannten Typen BA.1 und BA.2 und enthält zusätzlich drei neue Mutationen. Omikron BA.1 hatte die erste Omikron-Welle auslöste, BA.2 ist derzeit in Deutschland dominant und bestimmt das Infektionsgeschehen.

Die ersten Daten aus Großbritannien legen nahe, dass Omikron XE die sich am schnellsten ausbreitende Coronavirus-Variante sein könnte, die bislang bekannt ist. Noch halten es Fachleute aber für zu früh, um abzuschätzen, welche Risiken ihre mögliche Ausbreitung birgt.

Zahl der XE-Fälle nimmt zu

Bekannt wurde der erste XE-Fall am 19. Januar 2022 in England, wo bis heute die meisten Infektionen mit dem Virussubtyp entdeckt wurden. Laut dem aktuellsten Virusvarianten-Bericht  der britischen Health Security Agency (UKHSA) sind in England bis zum 22. März 2022 637 Fälle von Omikron XE aufgetreten, das sind nicht mal ein Prozent der im Vergleichszeitraum erfassten Coronainfektionen. Insgesamt wurde die Variante in Großbritannien 763-mal erfasst.

An sich ist das Vorkommen neuer Virusvarianten und -untervarianten nichts Ungewöhnliches. Weltweit haben Fachleute zahlreiche Unterformen des Coronavirus identifiziert. Die meisten finden erst gar nicht ihren Weg in die Öffentlichkeit, weil sie sich nicht gegen bekannte Virustypen durchsetzen können und nach einem sporadischen Auftreten wieder verschwinden.

Die Zahl der Fälle mit Omikron XE nimmt laut UKHSA jedoch zu. Der Subtyp könnte also die derzeit vorherrschende Variante BA.2 verdrängen – ähnlich, wie zuvor Delta Alpha ablöste, und später Omikron BA.1 und kurz darauf BA.2 die Oberhand gewannen. Allerdings ist das noch nicht gesichert.

Kann sich Omikron XE durchsetzen?

Bisherige Daten legen nahe, dass XE 10 Prozent ansteckender sein könnte als BA.2. Die Zahl steht noch auf sehr wackligen Füßen, denn regional gibt es große Unterschiede. »Die Variante XE hat eine variable Wachstumsrate gezeigt, wir können noch nicht bestätigen, ob sie wirklich einen Wachstumsvorteil hat«, erklärte die Epidemiologin Susan Hopkins von der UKHSA der britischen »Sun«.

Bereits im Zusammenhang mit Omikron BA.1 war diskutiert worden, ob die Variante tatsächlich einen Fitnessvorteil hat oder sich nur aufgrund ihrer Fähigkeit, einen Infektionsschutz nach Impfung oder Infektion teilweise zu umgehen, stärker ausbreitet als Delta. Womöglich hat sich BA.1 demnach nur durchgesetzt, weil es mehr Wirte gefunden hat als Delta, aber nicht, weil es von sich aus ansteckender ist.

BA.2 dagegen scheint etwas ansteckender zu sein als BA.1 und hat es deshalb verdrängt. Ob Omikron XE hier noch eins draufsetzen kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Es gebe keine ausreichende Evidenz, um Schlussfolgerungen zur Übertragbarkeit von XE zu ziehen, sagte Hopkins. Auch sei bislang nichts über den Schweregrad einer XE-Infektion bekannt oder über die Wirksamkeit der Impfstoffe.

Dazu passt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) XE bislang nicht zu einer neuen besorgniserregenden Variante erklärt und dementsprechend auch keine neuen griechischen Buchstaben vergeben hat. Auch BA.2 zählt sie weiterhin zu Omikron, obwohl nur eine entfernte genetische Verwandtschaft mit BA.1 besteht.

Die WHO erklärte, sie werde XE so lange unter Omikron einordnen, bis »signifikante Unterschiede bei der Übertragung und den Krankheitsmerkmalen, einschließlich des Schweregrads, gemeldet werden«.

Hochzeit der Varianten

Veränderungen des Erbguts von Viren entstehen auf unterschiedlichen Wegen. Das Erbmaterial der Partikel kann ganz klassisch an einzelnen Stellen mutieren, etwa durch Umwelteinflüsse. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sich Informationen aus verschiedenen Varianten oder Subtypen zu etwas Neuem verbinden. Experten sprechen dann von Rekombination. Bei XE ist genau das passiert.

Die Chance für eine Rekombination besteht etwa für den Fall, dass sich eine Person mit mehr als einem Virustyp infiziert. Dann können die Partikel Teile ihres Erbguts austauschen, während sie sich in den Zellen des Wirts vervielfältigen.

Dass Rekombinanten entstehen, sei nichts Ungewöhnliches, erklärte Hopkins. Die Wahrscheinlichkeit ist dann besonders hoch, wenn mehrere Varianten eines Virus breit zirkulierten. Die meisten Rekombinanten könnten sich jedoch nicht durchsetzen und spielten daher keine Rolle. Trotzdem warnen Fachleute wegen des Risikos neuer Variantenbildung seit jeher vor hohen Infektionszahlen.

Die UKHSA beobachtet derzeit neben XE noch zwei weitere, neue Corona-Rekombinanten mit den Bezeichnungen XD und XF. Beide sind eine Kombination von Delta und Omikron BA.1, breiten sich bislang aber nicht nennenswert aus. Seit Mitte Februar wurden in Großbritannien 38 Fälle von XF festgestellt. XD haben Fachleute weltweit 49-mal nachgewiesen, meist in Frankreich.

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