Auszeichnung in Stockholm Nobelpreis für Medizin geht an Evolutionsforscher Svante Pääbo

Er entschlüsselte das Neandertaler-Erbgut und forscht in Leipzig. Jetzt wurde der schwedische Paläogenetiker Svante Pääbo für seine Arbeit mit dem Nobelpreis geehrt.
Vorreiter der Paläogenetik – und Nobelpreisträger: Svante Pääbo

Vorreiter der Paläogenetik – und Nobelpreisträger: Svante Pääbo

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an Svante Pääbo. Das teilte die Nobelversammlung des Karolinska-Instituts in Stockholm mit. Der schwedische Forscher erhalte die renommierte Auszeichnung »für seine Entdeckungen über die Genome ausgestorbener Homininen und die menschliche Evolution«.

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Pääbo ist Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er gilt als Begründer der Paläogenetik, einer Forschungsdisziplin, die sich mit der Analyse genetischer Proben aus Fossilien und prähistorischen Funden befasst. Er sequenzierte unter anderem als erster Forscher das Neandertaler-Genom. Welche genetischen Veränderungen im Laufe der Evolutionsgeschichte den modernen Menschen ausmachen, erforscht Pääbo durch Vergleiche der DNA-Sequenzen von heute lebenden Menschen, Neandertalern und weiteren menschlichen Vorfahren.

Pääbo sei am Telefon »überwältigt, sprachlos und sehr froh« gewesen, berichtete der Sekretär der Nobelversammlung des Karolinska-Instituts, Thomas Perlmann, bei der Bekanntgabe. Pääbo habe gefragt, ob er jemandem bereits vor der Verkündung von der Auszeichnung erzählen dürfe. Er habe ihm dann gesagt, dass es in Ordnung sei, seiner Ehefrau davon zu berichten, sagte Perlmann.

Mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert

Der Nobelpreis gilt als eine der höchsten Ehrungen in der Wissenschaft. Er ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert, das entspricht rund 920.000 Euro. Die Preisträger teilen sich das Geld.

Der Medizin-Nobelpreis wird traditionell als Erstes bekannt gegeben. Im vergangenen Jahr waren die Molekularbiologen David Julius und Ardem Patapoutian für ihre Entdeckung von Rezeptoren für Temperatur und Berührung im Körper geehrt worden.

Am Dienstag und Mittwoch folgen die Auszeichnungen in Physik und Chemie, am Donnerstag und Freitag dann die in Literatur und Frieden. Zum Abschluss wird am kommenden Montag der Preis für Wirtschaftswissenschaften vergeben.

Bis auf den Wirtschaftsnobelpreis gehen alle Auszeichnungen auf das Testament des schwedischen Forschers Alfred Nobel (1833–1896) zurück. Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der Großindustrielle einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder haderte damit, dass viele seiner Entdeckungen für den Krieg genutzt wurden. Daher vermachte er sein Vermögen einer Stiftung. Das Ziel war, mit dem Geld Forschende auszuzeichnen, die »im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben«.

Überreicht werden die Nobelpreise traditionell an Nobels Todestag am 10. Dezember – der Friedensnobelpreis in Oslo, alle weiteren Auszeichnungen in Stockholm. Dabei erhalten die Ausgewählten auch ihre prestigeträchtigen Nobelmedaillen und Diplome.

sak/dpa
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