Norwegen Zwei von drei Infizierten an mutiertem Schweinegrippe-Virus gestorben

Norwegische Mediziner haben ein mutiertes Schweinegrippe-Virus entdeckt. Von drei infizierten Patienten sind zwei gestorben, einer ist schwer erkrankt. Forscher sehen derzeit allerdings keinen Grund zu erhöhter Sorge: Das mutierte Virus scheint sich nicht zu verbreiten.
Schweinegrippe-Virus: Norwegische Forscher berichten von Mutation

Schweinegrippe-Virus: Norwegische Forscher berichten von Mutation

Foto: DPA/ CDC

Oslo - In Norwegen ist eine potentiell gefährliche Veränderung des H1N1-Virus gefunden worden. Wie die Gesundheitsbehörden an diesem Freitag mitteilten, könnte die Mutation dafür verantwortlich sein, bei Infizierten schwere Krankheitssymptome auszulösen. "Die Mutation könnte die Fähigkeit des Erregers beeinflussen, tiefer in die Atemwege einzudringen und so eine schwerere Form der Krankheit auszulösen", heißt es in einer Mitteilung des norwegischen Instituts für öffentliche Gesundheit.

Allerdings weise derzeit nichts darauf hin, dass die Mutation die Wirksamkeit der Impfstoffe und antiviralen Medikamente beeinträchtige, die gegenwärtig gegen die Schweinegrippe eingesetzt werden. Unklar sei, ob sich die veränderte Form des Virus von Mensch zu Mensch verbreite. "Ausgehend von dem, was wir derzeit wissen, scheint das mutierte Virus nicht in der Bevölkerung zu kursieren", sagte Geir Stene Larsen, Direktor des Instituts für öffentliche Gesundheit. Man gehe von "spontanen Veränderungen" des Erregers bei den drei Patienten aus.

Die beiden Menschen, die an der veränderten Form des Virus gestorben waren, gehören nach den Angaben der Behörden zu den ersten Todesopfern der Schweinegrippe in Norwegen. Bei späteren Opfern habe man zwar ebenfalls einige Mutationen des Virus entdeckt - aber nicht dieselben, die man zuvor bei den Toten gefunden hatte, sagte Larsen.

Harald Pors Muniz, Sprecher des Nationalen Institutes für Gesundheit in Oslo, äußerte sich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ähnlich: "Die Mutation beschränkt sich auf drei Personen, von denen zwei verstorben sind, und konnte nicht in der breiten Masse der Erkrankten nachgewiesen werden. Wir sehen diesen Fund als nicht so dramatisch an. Er war nur am Rande einer Pressekonferenz ein Thema", sagte er.

Norwegen ist relativ zu seiner Bevölkerungsgröße hart von der Schweinegrippe getroffen worden: 23 Menschen sind in dem Land gestorben. Weltweit kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher 6750 Menschen durch die Seuche zu Tode.

Experten halten Mutationen des H1N1-Virus nicht grundsätzlich für einen Anlass zur Sorge. Bisher wurden bereits mehrere Veränderungen nachgewiesen, doch keine führte zu einer erhöhten Gefahr. Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern überhaupt - Veränderungen sind deshalb an sich nicht überraschend.

Gefährlich sind sie vor allem dann, wenn sie einen Virus tödlicher machen - "aber nur, wenn sie leicht übertragbar sind", sagte William Schaffner von der Vanderbilt University in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) der "Washington Post". Deshalb sei es zunächst beruhigend, dass die norwegische Variante sich offenbar nicht in der Bevölkerung ausbreite.

mbe/Reuters
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