Ab Ende März Olaf Scholz verspricht bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche

International hinkt Deutschland bei der Impfrate bedenklich hinterher. Nun stellt Olaf Scholz Abhilfe in Aussicht. Ab Ende des Monats sollen die Kapazitäten deutlich hochgefahren werden.
Corona-Impfzentrum in Hamburg

Corona-Impfzentrum in Hamburg

Foto: Christian Charisius / dpa

Deutschland impft langsamer als die internationalen Vorreiter und ist in der EU nur Mittelfeld. Das soll sich laut dem Bundesfinanzminister demnächst ändern. Bund und Länder werden die Impfkapazitäten Olaf Scholz zufolge verstärken. »Es wird bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche geben«, sagt der Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im ZDF.

Dies gelte ab Ende März und für die Monate April, Mai und Juni. »Und dass das jetzt gut vorbereitet wird, dafür habe ich gesorgt.« Scholz fügt hinzu, dass er sich im Kabinett und beim jüngsten Bund-Länder-Gipfel für Verbesserungen im Kampf gegen die Viruspandemie eingesetzt habe. »Ich tue, was notwendig ist, damit wir gut durch diese Krise kommen.«

Bislang werden in Deutschland die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca verabreicht. Alle drei Präparate haben gemein, dass sie ihre volle Wirkkraft erst nach der zweiten Impfung entfalten. Aktuell wird in Deutschland an Werktagen eine niedrige sechsstellige Zahl an Impfdosen verabreicht. Am Wochenende, vor allem sonntags, sind es weniger. Bislang wurden in der Bundesrepublik rund 4.916 Millionen Menschen geimpft (Stand: 7. März).

Details zur Lage in Deutschland finden Sie hier im Impfmonitor:

Noch haben nicht alle Impfzentren ihren vollen Betrieb aufgenommen. Das liegt vor allem an den noch geringen Impfstoffmengen, die bislang geliefert wurden. Bis Ende März sollen die drei Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca insgesamt knapp 20 Millionen Impfdosen geliefert haben.

Bund und Länder beschuldigen sich gegenseitig

Die Länder beklagen, dass der Bund zu wenig Impfstoff zu langsam eingekauft habe, und verweisen auf ihre halb leeren Impfzentren. Im Bund zeigen etliche dagegen auf die Länder und rechnen vor, dass erhebliche Teile der begehrten Dosen in Kühlschränken herumlägen.

Die Kritik an der Impfstrategie des Bundes bleibt laut. Zuletzt hatte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer der Bundesregierung schwere Versäumnisse vorgeworfen. »Mitte Februar hat Gesundheitsminister Jens Spahn kostenlose Schnelltests für alle versprochen. Und er hat behauptet, er habe für Deutschland 500 Millionen Teste vertraglich gesichert«, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Spahn (CDU) habe aber die von ihm geweckten hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Rheinland-Pfalz habe nicht auf den Bund gewartet, sondern sofort begonnen, Tests zu beschaffen und Tester zu schulen, sagt Dreyer. Der Start des Einzelhandels am Montag werde mit der Eröffnung von Hunderten Schnellteststellen begleitet.

Auch in der EU sollen die Kapazitäten steigen

Zuletzt hatte sich auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Lage in der Europäischen Union geäußert. Demnach sollen dort ab April deutlich mehr Impfstoffdosen bereitstehen als bisher. Das stellte die Politikerin in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung »Der Standard« in Aussicht .

Im Januar und Februar seien von den Herstellern 20 beziehungsweise 30 Millionen Impfdosen geliefert worden, sagte von der Leyen, im März sei von 50 Millionen Dosen auszugehen: »Ab April könnten sich die Mengen nach den Plänen der Hersteller noch mal verdoppeln. Das wären im zweiten Quartal im Schnitt rund 100 Millionen Dosen pro Monat, insgesamt 300 Millionen bis Ende Juni.«

Die EU impft derzeit weitaus langsamer als die USA, Großbritannien, Israel oder Chile. US-Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genug Impfstoff für alle US-Amerikanerinnen und -Amerikaner bereitstellen zu können.

jok/Reuters
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