Coronavariante Britische Studien bestätigen offenbar mildere Verläufe bei Omikron-Erkrankungen

Zwei Untersuchungen aus Großbritannien legen minderschwere Erkrankungen bei Omikron-Infektionen nahe. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte sank im Vergleich zu Delta teils drastisch. Eine Entwarnung ist das aber nicht.
Wartende vor Booster-Impfung in London (am 14. Dezember)

Wartende vor Booster-Impfung in London (am 14. Dezember)

Foto: Toby Melville / REUTERS

Weltweit wird die rasante Verbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus mit größter Sorge beobachtet. In zahlreichen Ländern – darunter die USA – hat die Mutante bereits die bisher vorherrschende Delta-Variante verdrängt. Unklar war bisher allerdings, wie die Krankheitsverläufe  bei der neuen Variante ausfallen. Zwei Studien aus Großbritannien könnten nun eine Einschätzung liefern.

Die Erhebungen haben ergeben, dass Infektionen bei Omikron im Vergleich zu Delta seltener zu einem Krankenhausaufenthalt führen. Die am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Studienergebnisse bestätigten somit frühere Erkenntnisse aus Südafrika, wo die Omikron-Variante erstmals registriert worden war. Experten warnten allerdings vor überzogenem Optimismus.

In einer Studie in Schottland , unter anderem mit Beteiligung der Universität von Edinburgh, untersuchten die Forscher Covid-Fälle, die im November und Dezember aufgezeichnet wurden. Sie verglichen dabei Infektionen mit der Omikron-Variante mit solchen der Delta-Variante. Die Studie ergab, dass bei Omikron im Vergleich zu Delta das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Covid-19 um zwei Drittel sinkt und dass eine Auffrischungsimpfung einen erheblichen zusätzlichen Schutz vor symptomatischen Erkrankungen bietet.

Infektionsrisiko bleibt sehr hoch

Die Fallzahl der Studie war allerdings klein, und es wurden keine Personen unter 60 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert. Die Autoren erklärten jedoch, dass sie diese Einschränkungen mit statistischen Methoden ausgeglichen hätten. Studienautor Jim McMenamin erklärte, die Studienergebnisse seien eine bedingt »gute Nachricht«. Bedingt, weil es sich um frühe Beobachtungen handelte, die aber »statistisch signifikant« seien.

In einer weiteren Studie in England wurde festgestellt , dass die Zahl jedweder Krankenhausaufenthalte bei Omikron im Vergleich zu Delta um 20 bis 25 Prozent zurückging. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte, die eine Nacht oder länger dauerten, ging sogar um 40 bis 45 Prozent zurück. In der schottischen Studie wurden nur Aufenthalte von mindestens einer Nacht untersucht. Dies könnte den festgestellten Unterschied teilweise erklären.

Azra Ghani vom Imperial College London, die die englische Studie mitverfasst hat, erklärte: »Das verringerte Risiko einer Krankenhauseinweisung bei der Omikron-Variante ist zwar beruhigend, aber das Infektionsrisiko bleibt extrem hoch.« Eine Auffrischung der Impfung biete »weiterhin den besten Schutz vor Infektionen und Krankenhausaufenthalten«.

Unabhängige Einschätzung der Studien fehlt noch

Keine der Studien wurde bislang von unabhängiger Seite begutachtet. Die Studien tragen allerdings zu einer wachsenden Zahl an wissenschaftlichen Erkenntnissen bei, die einen weniger schweren Verlauf von Omikron-Infektionen zu bestätigen scheinen.

Unklar bleibt, ob die beobachtete geringere Rate schwerer Fälle auf die Eigenschaften der Omikron-Variante zurückzuführen ist. Möglich wäre auch, dass die Krankheit milder verläuft, weil sie auf Bevölkerungsgruppen trifft, die durch frühere Infektionen und Impfungen eine stärkere Immunität besitzen.

Die Professorin für Pharmazeutische Medizin am King's College London, Penny Ward, die nicht an den Studien beteiligt war, erklärte, diese änderten »nichts an der außergewöhnlichen Ausbreitung dieser Variante in der Bevölkerung«.

Es sei eine Tatsache, dass »selbst ein kleiner Anteil von Menschen, die wegen Covid im Krankenhaus behandelt werden müssen, zu einer sehr großen Zahl werden kann, wenn die Zahl der Ansteckungen in der Bevölkerung weiter ansteigt.«

jok/AFP
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