Paraguay Mehr als 240 Menschen an Denguefieber gestorben

In Paraguay grassiert das Denguefieber, vor allem die Hauptstadt Asunción ist betroffen. Mehr als 240 Menschen sind bislang gestorben. Die Regierung lässt in betroffenen Gebieten sogar Häuser ausräuchern. Doch einige Bewohner weigern sich, die Schutzmaßnahmen umzusetzen.

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Asunción - Zeitungen berichten von der "schlimmsten Dengue-Epidemie in der Geschichte des Landes." Die Tropenkrankheit trifft das Land in diesem Jahr besonders hart. Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho) sind in diesem Jahr in Paraguay 242 Menschen an den Folgen des Denguefiebers gestorben. Allein im südlichen Teil Südamerikas seien 1,6 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, 9000 von ihnen sind schwer erkrankt.

Nach Angaben des paraguayischen Gesundheitsministeriums liegt die Zahl der Infizierten im Land bei etwa 130.000, jede Woche kommen 700 neue Krankmeldungen hinzu. Deshalb hat das Ministerium einen Alarm ausgerufen. "Mehr als 80 Prozent der Erkrankten kommen aus Städten, vor allem aus der Hauptstadt Asunción", sagte Iván Allende von der Behörde für Gesundheitsüberwachung. "Im Durchschnitt werden 27 bis 30 Menschen jeden Tag in die Krankenhäuser eingeliefert", sagte Allende. Die Versorgung in der 510.000-Einwohner-Stadt sei entsprechend knapp.

Allerdings, so der Appell aus dem Gesundheitsministerium, sollen die Betroffenen bei ersten Anzeichen wie Kopf- und Gliederschmerzen trotzdem einen Arzt aufsuchen. "Wie empfehlen, eine Schmerztablette zu nehmen", sagte die stellvertretende Gesundheitsministerin, "aber dann sollen die Leute sofort zum Arzt gehen und sich nicht selbst behandeln." Das könne einerseits Komplikationen im Krankheitsverlauf verursachen, andererseits könne das Virus so nicht wirkungsvoll daran gehindert werden, sich weiter auszubreiten.

Infektionsschutz unter erschwerten Bedingungen

"Es ist wichtig, dass wir alle zusammen gegen die Dengue kämpfen", sagte die stellvertretende Gesundheitsministerin derparaguayischen Zeitung "Hoy".Diesen Kampf führt der "Nationale Dienst zur Ausrottung von Dengue" (Senepa) in Paraguay an zwei Fronten: Einerseits geht man gegen die Überträger vor, insbesondere die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Hinzu kommt der Aufruf zu mehr Hygiene: "Wir bitten die Menschen, Terrassen, Hallen, Dachrinnen, Reifen, und Flaschen sauber zu halten", sagte ein Mitarbeiter der Senepa der Nachrichtenagentur Efe. Die stellvertretende Gesundheitsministerin empfahl, dass die Bewohner sich die Zeit nehmen sollen, Wasserpfützen und -lachen zu trocknen. Da sich die Mücken in stehenem Wasser vermehren, lässt sich ihre Verbreitung auf diese Weise eindämmen.

Ende Dezember beginnt in Paraguay der Sommer, und die Zuständigen befürchten einen Anstieg der Infektionszahlen - vor allem, wenn die empfohlenen Präventionsmaßnahmen weiterhin kaum umgesetzt werden.

Auch die Arbeit der Senepa-Mitarbeiter würden immer wieder behindert. Sie ziehen durch die Straßen, räuchern Häuser mit biologisch abbaubaren Insektiziden aus und erklären den Besitzern, woran sie die gefährlichen Überträger erkennen. "Schon im vergangenen Jahr verweigerten einige den Arbeitern den Zutritt zum Haus. Vor Gericht mussten sie dann zur Öffnung gezwungen werden", zitiert die Zeitung "Ultimahora" den Chef der Senepa.

Denguefälle auch in anderen südamerikanischen Regionen

Erst vor wenigen Wochen hatte auch die Regierung von Nicaragua in Mittelamerika eine erhöhte Zahl von an Dengue erkrankten Menschen gemeldet. Bisher sind in diesem Jahr dort mindestens 15 Menschen an der Krankheit gestorben. In Brasilien registrierte man bereits 522 Todesfälle, in Kolumbien 125 und 100 in der Dominikanischen Republik.

Das Denguefieber wird vor allem durch die Tigermücke übertragen. Die Krankheit kann unter anderem die Gelenke angreifen und zum Tode führen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit bis zu 100 Millionen Dengue-Fälle pro Jahr.

Die Krankheit kommt in mehr als hundert tropischen und subtropischen Regionen vor, so etwa in Südostasien, in Afrika und in der Karibik. Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Denguefieber.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Relevanz stehenden Wassers für die Vermehrung der Mücken nicht beschrieben, diesen Aspekt haben wir nachträglich ergänzt. Vielen Dank für den Hinweis!

Denguefieber
Die Krankheit
Denguefieber ist eine Vireninfektion, die von Mücken auf den Menschen übertragen wird. Die Krankheit wird auch als Knochenbrecherfieber bezeichnet und kann bis zu zehn Tage nach dem Mückenstich auftreten. In schweren Fällen kann die Vireninfektion zum Tod führen. Jährlich erkranken weltweit bis zu hundert Millionen Menschen. Die Zahl der Todesfälle ist dank Früherkennung und medizinischer Versorgung relativ gering. Etwa 2,5 Prozent der schweren Fälle (etwa 500.000 im Jahr) enden tödlich.
Symptome
Die Erkrankung beginnt wie eine Grippe mit hohem Fieber. Dazu kommen mindestens zwei dieser Symptome: Starke Schmerzen im Kopf, hinter den Augen, in den Muskeln oder in den Gelenken. Betroffene klagen häufig auch über Übelkeit, Erbrechen, geschwollene Lymphknoten und Ausschlag. Die Symptome dauern meist zwei bis sieben Tage lang an. In schweren Fällen ist der Krankheitsverlauf anders. Hier geht das Fieber zwar nach drei bis sieben Tagen etwas zurück. Dafür kommen aber Symptome wie starke Bauchschmerzen, andauerndes Erbrechen, Kurzatmigkeit, Zahnfleischbluten sowie Blut im Erbrochenen, Erschöpfung und Ruhelosigkeit dazu. Betroffene müssen in diesen Fällen unbedingt im Krankenhaus behandelt werden.
Übertragung
Denguefieber wird nur von den Weibchen der beiden Mückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus auf den Menschen übertragen. Nicht alle Weibchen tragen das Virus in sich, sie müssen sich erst selbst anstecken. Das geschieht, wenn sie einen Menschen stechen, der Denguefieber hat. Nach einer Inkubationszeit von vier bis zehn Tagen kann eine Mücke das Denguevirus für den Rest ihres Lebens auf Menschen übertragen. Für die Infektionen im Mittelmeerraum ist Aedes alboptictus verantwortlich. Diese Mückenart stammt ursprünglich aus Asien, ist aber sehr anpassungsfähig. Deshalb kann sie auch kälteren Temperaturen trotzen. Von Mensch zu Mensch kann die Krankheit nicht übertragen werden.
Verbreitungsgebiet
Mehr als 2,5 Milliarden Menschen - über 40 Prozent der Weltbevölkerung - leben in Risikogebieten. Denguefieber ist besonders im westlichen Pazifik, in Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika verbreitet. Im Jahr 2010 sind aber auch Menschen in Frankreich und Kroatien am Knochenbrecherfieber erkrankt. Der Mittelmeerraum gehört also inzwischen auch zu den Risikogebieten.
Virus
Denguefieber wird durch Arboviren ausgelöst. Es gibt vier Untergattungen des Virus (DEN-1 bis DEN-4), die eng miteinander verwandt sind. Die gute Nachricht: Wer einmal Denguefieber hatte, ist für den Rest seines Lebens gegen das Virus immun. Die schlechte Nachricht: Betroffene sind nur gegen die entsprechende Untergattung, also DEN-1 oder DEN-3 dauerhaft gewappnet. Bei den anderen drei Virustypen währt die Immunität nicht lange. Hinzu kommt: Menschen, die mehrmals an Denguefieber erkranken, sind anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf.
Behandlung
Eine Impfung oder eine spezialisierte Behandlung gibt es nicht. Ärzte können nur die Symptome der Erkrankung behandeln, also zum Beispiel das Fieber senken und die Schmerzen lindern. Wichtig ist auch, den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. In schweren Fällen haben viele Betroffene nämlich mehr als 20 Prozent weniger Blutplasma im Körper als gesunde Menschen.
Epidemien
Denguefieber kann immer und überall dann zur Epidemie werden, wenn infizierte Menschen immer wieder von Mücken gestochen werden. Die Insekten verbreiten die Krankheit dann in der umliegenden Bevölkerung. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Epidemien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge rasant zugenommen. In Asien und Südamerika ist Denguefieber die Hauptursache für Krankenhausaufenthalte und den Tod von Kindern. 2010 kam es zum Beispiel auf den französischen Karibikinseln Guadeloupe und Martinique zur Epidemie. In sechs Monaten gab es 60.000 Infektionen und 17 Todesfälle. In Argentinien meldeten die Gesundheitsbehörden im April 2009 7700 Fälle der Erkrankung. Die Dunkelziffer wurde auf bis zu 14.000 geschätzt. Erst kürzlich hat das Knochenbrecherfieber die brasilianische Stadt Rio de Janeiro erfasst. Im Januar und Februar 2012, also kurz vor dem Karneval, wurden 3500 Denguefälle gemeldet, gestorben ist aber keiner. Der berühmte Karneval fand trotzdem statt.
Prävention
Aktuell ist Prävention das beste Mittel gegen Denguefieber. In Singapur und Malaysia ist es verboten, Wasser in offenen Gefäßen zu lagern. Der Grund ist, dass Mücken in solchen Behältern brüten. Wichtig ist auch, Müll so zu entsorgen, so dass dort keine Wasserpfützen entstehen. Autoreifen sind bei den Mücken zum Beispiel besonders beliebt. Die Behörden besprühen sie deshalb oft mit Insektengift. Wenn Denguefieber bereits ausgebrochen ist, werden ganze Wohnviertel mit Insektiziden besprüht. Nur so können die infizierten Mücken getötet werden.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)

insgesamt 4 Beiträge
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jwdueck 20.11.2013
1. Info vom letzten Jahr?
Ich lebe in Paraguay und habe so eine Nachricht noch nicht in der Zeitung in diesem Jahr gelesen. Letztes Jahr gab es diese Krankheit in diesem Masse bei uns in Asunción.
raber 20.11.2013
2. Vorsicht bei einigen Medikamenten bei Dengue
Ich habe eben in Paraguays Zeitungen gegoogelt und auch nichts in dem Masse für 2013 finden können. Sind auf den OTC-Produkten die in Lateinamerika verkauft werden und den Asprin-Wirkstoff enthalten auch Warnhinweise es nicht zu schlucken wenn Verdacht auf Dengue besteht? Asprina bei Dengue-Befall schlucken kann tödlich sein. Das wäre eigentlich eine verantwortungsvolle Eigeninitiative der Firmen wenn der Staat es nicht verlangt.
kernziel 20.11.2013
3. Einziger Schutz
Die Dengue-übertragenden Mücken stechen mit Vorliebe tagsüber an schattigen Plätzen. Also in den Tropen nie ohne Insektenschutz sein! Wer Dengue einmal hatte will diese Schmerzen nie mehr haben. ACHTUNG: NIEMALS Acetylsalicylsäure-haltige Medikamente wie Aspirin, ASS oder Ähnliches einnehmen. Diese Medikamente verstärken die Gefahr von inneren Blutungen, insbesondere bei eine Zweit-Kreuz-Infektion (mit einer anderen Erreger-Variante.
amater 05.04.2014
4. Die Protagonisten
des DDT-Verbots haben die Millionen Dengue- und Malariatoten der letzten 40 Jahre auf dem Gewissen. Wie effizient ein- bis zweimalige Innenraumsprühungen pro Jahr mit geringen DDT-Konzentrationen sind, haben kürzlich Malaysia und Südafrika demonstriert. Sie stellen das Zeug wieder her und setzen es mit Erfolg ein.
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