Auszeichnung für Grundlagenforschung Gründer und Mitarbeiter von Biontech erhalten Paul-Ehrlich-Preis

Sie haben trotz Rückschlägen die Möglichkeiten erforscht, die mRNA-Moleküle bieten. Özlem Türeci, Ugur Sahin und ihre Mitarbeiterin Katalin Karikó erhalten dafür eine besondere Ehrung und 120.000 Euro.
Ugur Sahin und Özlem Türeci am 17. September 2021

Ugur Sahin und Özlem Türeci am 17. September 2021

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die Menschen hinter dem Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech werden mit dem den Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis 2022 geehrt. Die drei Preisträger erhalten die Auszeichnung »für ihre Erforschung und Entwicklung von Messenger-RNA zu präventiven und therapeutischen Zwecken«, wie der Stiftungsrat am Dienstag in Frankfurt am Main bekannt gab.

Die Biochemikerin Katalin Karikó schloss sich Biontech 2013 an

Die Biochemikerin Katalin Karikó schloss sich Biontech 2013 an

Foto: Erosebb Igen / ZUMA Wire / imago images

Konkret teilen sich das Preisgeld in Höhe von 120.000 Euro die Biontech-Gründer, das Ärzte-Ehepaar Özlem Türeci (54) und Ugur Sahin (56), und die Biochemikerin Katalin Karikó (66), die sich dem Unternehmen 2013 anschloss.

Möglichen Paradigmenwechsel eingeleitet

Die Auszeichnung gilt als eine der bedeutendsten Ehrungen in der medizinischen Grundlagenforschung. Viele Preisträger der vergangenen Jahrzehnte bekamen später den Medizin-Nobelpreis. Die Ehrung wird seit 1952 verliehen. Überreicht wird der Preis traditionell am Geburtstag des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich, dem 14. März.

Geehrt wird mehr als die Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Die Preisträger hätten eine Technologie etabliert, »die in Teilbereichen der Medizin einen Paradigmenwechsel einleiten dürfte«, begründete der Stiftungsrat seine Wahl. Das betreffe etwa die Gabe von Antigenen oder therapeutisch wirksamen Proteinen, aber auch die interne Produktion in den Körperzellen der Patienten. Die »spektakulär schnelle« Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffes gegen Covid-19 würdigte die Jury als »herausragenden Erfolg«.

Der mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 enthält den genetischen Bauplan eines typischen Virusproteins von Sars-CoV-2. Dieser Bauplan ist auf mRNA gespeichert und wird in den Zellen abgelesen. Der Körper stellt das typische Virusprotein so selbst her und entwickelt eine Immunreaktion dagegen. Die Schwierigkeit bei der Entwicklung solcher Impfstoffe bestand lange darin, dass mRNA recht instabil ist und schnell vom Körper abgebaut wird.

mRNA-Technologie zunächst unterschätzt

Die Ungarin Katalin Karikó beschäftigte sich früh mit diesen Herausforderungen. Sie forscht an der University of Pennsylvania. Während in Therapien mit DNA große Hoffnungen gesetzt wurden, schien mRNA für einen medizinischen Einsatz zunächst nicht infrage zu kommen, erklärte der Stiftungsrat. Karikó sei in den Neunzigerjahren dennoch unbeirrt ihrem Ziel treu geblieben.

DER SPIEGEL

Vielen Widrigkeiten zum Trotz sei ihr ein entscheidender Durchbruch gelungen: »Sie entdeckte, wie sich die körpereigene Abwehrreaktion gegen synthetische mRNA ausschalten und damit die intrazelluläre Proteinproduktion deutlich erhöhen ließ.«

Sahin und Türeci forschten im Saarland und in Mainz zuerst an Krebs-Impfstoffen. mRNA schien ihnen am besten dafür geeignet zu sein. Sie entwickelten »ein wegweisendes Verfahren, um jeden mRNA-Impfstoff maßgenau an das genetische Profil des Tumors eines Patienten anzupassen«, so der Stiftungsrat. Diese »bahnbrechenden Fortschritte« bildeten die Grundlage für einen breiteren Einsatz von mRNA – wie für die Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs. 2008 gründeten sie die Firma Biontech.

jme/dpa