Paxlovid und andere Expertenrat fordert besseren Einsatz von Coronamedikamenten

Antivirale Coronamedikamente werden nur selten verschrieben – dabei können sie Leben retten. Der Expertenrat der Bundesregierung macht nun Vorschläge, wie es besser gehen soll.
Antivirales Medikament Paxlovid

Antivirales Medikament Paxlovid

Foto: Nick Zonna / Índependent Photo Agency Int. / IMAGO

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat sich dafür ausgesprochen, die frühe Gabe von antiviralen Mitteln bei Covid-19-Patienten zu erleichtern. Der effektive Einsatz antiviraler Therapien habe einen hohen Stellenwert, die Krankheitslast durch Covid-19 zu begrenzen und schwere Verläufe und Todesfälle zu reduzieren, heißt es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Stellungnahme des Gremiums . Besonders bei Menschen mit Risikofaktoren oder einem unzureichenden Impfschutz bestehe ein Risiko für schwere Verläufe und Tod, das sich durch gezielte und frühe Anwendung einer antiviralen Therapie signifikant senken lasse.

»Um den Einsatz dieser in der Frühphase der Erkrankung hochwirksamen Medikamente in Deutschland in den kommenden Monaten weiter zu verbessern«, empfehlen die Expertinnen und Experten eine bessere Information der Bevölkerung und der Ärztinnen und Ärzte sowie Maßnahmen für eine einfachere Verwendung. Konkret vorgeschlagen werden unter anderem Internetseiten und Apps für Ärzte und Patienten. Spezielle Informationsangebote solle es für ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund geben. Für niedergelassene Ärzte und Amtsärzte sollen Fort- und Weiterbildung zu dem Thema intensiviert werden. Medikamente sollten bei nachgewiesener Coronainfektion und entsprechender Therapieindikation telefonisch verschrieben und von Apotheken zugestellt werden können.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant für den Herbst einen stärkeren Einsatz des Medikaments Paxlovid. Arztpraxen können das Mittel seit Kurzem schon direkt abgeben, ohne dass Patienten in die Apotheke gehen müssen. In Pflegeheimen sollen sich Beauftragte um Impfungen, Hygiene sowie auch um Medikamententherapien kümmern.

Der Expertenrat erläuterte, für die antivirale Therapie von Covid-19 stünden mehrere Substanzen zur Verfügung. Eine effektive Therapie erfordere die Identifikation von Personen mit Risikofaktoren und einen frühen Beginn in den ersten Tagen der Infektion.

Zugleich hätten einige antivirale Medikamente ein »erhöhtes Interaktionspotenzial« mit bestimmten anderen Medikamenten. Dies erfordere eine sorgfältige ärztliche Indikationsstellung und Abklärung möglicher Kontraindikationen, heißt es in der Stellungnahme. Dennoch sei ein breiter Einsatz antiviraler Medikamente in Risikopopulationen möglich. In Ländern wie Israel und Großbritannien werde dies bereits umgesetzt.

Zuletzt hatten unter anderem Intensivmediziner für eine vermehrte Verabreichung des bekannten antiviralen Medikaments Paxlovid ausgesprochen. Auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach hatte beklagt, das Medikament werde »viel zu selten eingesetzt«.

kry/AFP/dpa
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