Erreger-Stammbaum Forscher halten Pest-Pandemie für möglich

Die Pest gehört der Vergangenheit an? Nicht unbedingt, mahnen Forscher. Sie haben das Erbgut des Erregers entziffert - sein Stammbaum zeige, dass erneut Pandemien möglich sind.

Pestarzt um 1656: Warum manche Pesterreger später verschwanden, lassen die Forscher offen
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Pestarzt um 1656: Warum manche Pesterreger später verschwanden, lassen die Forscher offen


Aus den Genomen Dutzender Erregervarianten haben Wissenschaftler einen Stammbaum des Pest-Bakteriums erstellt. Während mache Stämme von Yersinia pestis vermutlich längst ausgestorben sind, haben sich andere weltweit etabliert, folgert ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung im Fachblatt "The Lancet Infectious Diseases". Demnach können Pest-Erreger jederzeit erneut Pandemien verursachen, mahnen die Autoren. Allerdings verweisen sie auch auf heute erhältliche Antibiotika gegen die Bakterien, so dass eine große Ausbreitung unwahrscheinlicher sei als zu früheren Zeiten.

Die Forscher um David Wagner von der Northern Arizona University in Flagstaff konzentrierten sich auf drei Pest-Pandemien: Die Pest des Justinian raffte im 6. Jahrhundert in Asien, Nordafrika und Europa schätzungsweise 30 bis 50 Millionen Menschen dahin. Der Schwarze Tod kostete allein bei der Welle zwischen 1347 und 1351 vermutlich etwa 50 Millionen Menschen das Leben. Zudem startete eine neuzeitliche Pestepidemie im 19. Jahrhundert in China, der ebenfalls Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Genom des Erregers veröffentlicht

Die Wissenschaftler sequenzierten das Genom des frühesten Pesterregers aus Zähnen zweier Opfer, die vermutlich um das Jahr 540 starben und im bayrischen Aschheim bestattet wurden. Einen ersten genetischen Nachweis der Pest-Erreger in dem Ort bei München hatten Forscher bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht. Das nun entzifferte Erbgut, den Forschern zufolge das älteste sequenzierte Genom eines Krankheitserregers, verglichen sie mit dem von 131 Typen späterer Pest-Erreger und erstellten daraus einen Stammbaum der Art.

Die frühe Variante, die den in Aschheim bestatteten Menschen zum Verhängnis wurde, habe keine näheren Verwandten mehr und sei vermutlich ausgestorben, schreiben die Forscher und sprechen von einer "evolutionären Sackgasse". Der spätere Stamm sei dagegen zwischen Asien, Afrika und Europa hin- und hergeschwappt. Mit diesem eng verwandt sei jener Typus, der die Pandemie im 19. Jahrhundert auslöste. Diese Variante habe sich weltweit etabliert.

Verbreitung hat eine Klimakonstante

"Wir folgern, dass Y. pestis zu mehreren Zeitpunkten der Geschichte aus Reservoiren bei Nagetieren auftauchte und Pandemien bei Menschen auslöste", schreiben sie. Noch immer gebe es Varianten des Bakteriums weltweit unter Nagetieren, die wieder auftauchen und neue Pandemien auslösen könnten, "wie sie es wiederholt in der Vergangenheit getan haben".

Warum manche Pesterreger verschwanden, lassen die Forscher offen. Doch die drei Pandemien könnten mit dem Klima zusammenhängen: "Allen gingen Perioden außergewöhnlichen Regens voraus und alle endeten in Zeiten klimatischer Stabilität", schreiben sie.

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Der "Schwarze Tod": Bakterien lösten historische Pestwellen aus

nik/dpa



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