Testperson erkrankt Pharmakonzern muss Studie zu Corona-Impfstoff stoppen

Rückschlag bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus: Die Firma AstraZeneca muss ihren Testlauf aussetzen, weil bei einer Person offenbar ernste Nebenwirkungen aufgetreten sind.
Behandlung von Corona-Patient in Schweden (Symbolbild): Studie zu möglichem Impfstoff vorerst gestoppt

Behandlung von Corona-Patient in Schweden (Symbolbild): Studie zu möglichem Impfstoff vorerst gestoppt

Foto: JONATHAN NACKSTRAND/ AFP

Weltweit läuft das Rennen um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Da kommt die jüngste Entwicklung aus Großbritannien denkbar ungünstig. Der Pharmakonzern AstraZeneca hat die klinische Studie für seinen Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt, nachdem bei einem der Teilnehmer gesundheitliche Probleme aufgetreten sind.

Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britische Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mit. "In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen."

AstraZeneca arbeitet bei der Entwicklung mit der Universität Oxford zusammen und gilt unter den weltweiten Konzernen als einer der Favoriten auf eine rasche Entwicklung des Impfstoffs.

Das britisch-schwedische Unternehmen werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es weiter. Bei der Überprüfung geht es letztlich darum festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme vom Impfstoff ausgelöst wurden.

Während des Stopps sollen keine weiteren Studienteilnehmer geimpft und bisher geimpfte Personen weiterhin beobachtet werden.

Unternehmen wollen sich politischem Druck nicht beugen

Bei den nicht näher genannten gesundheitlichen Problemen handele es sich um einen Einzelfall, betonte das Unternehmen. Der Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und abschließenden Studien-Phase mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Die "New York Times" berichtete  unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele - eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne.

AstraZeneca und acht weitere Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten erst am Dienstag versichert, dass sie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs keine Kompromisse bei der Sicherheit machen werden.

Dieser ungewöhnliche Schritt folgte mit Blick auf Bedenken, dass es vor allem in den USA politischen Druck zwecks einer Eil-Zulassung erster Impfstoffe vor der Präsidentenwahl am 3. November geben könnte. US-Präsident Donald Trump verspricht fast täglich, dass es bis Jahresende oder möglicherweise schon bis zur Wahl einen Impfstoff geben werde.

Deutsches Institut gibt Freigabe für Phase zwei

In Deutschland hat derweil das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Erprobung eines möglichen Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus an einer größeren Zahl von Probanden genehmigt. Wie das Institut am Dienstag mitteilte, erlaubte es der Firma Janssen-Cilag aus Neuss bei Düsseldorf den Start von Tests der sogenannten zweiten Phase.

In der ersten Phase wird ein mögliches Serum nur an einer kleinen Gruppe Freiwilliger getestet. In der zweiten Phase werden diese Tests auf eine größere Zahl von Probanden - oft mehrere hundert - ausgeweitet. Das im hessischen Langen ansässige PEI ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Bewertung und Zulassung von Impfstoffen zuständig.

Bei dem Impfstoffkandidaten von Janssen-Cilag handelt es sich nach Angaben des PEI ebenfalls um einen sogenannten Vektor-Impfstoff.

Dabei werden für den Menschen harmlose Viren mithilfe von Gentechnik als das neuartige Coronavirus "verkleidet". Dafür tauschen Forscher bestimmte Eiweiße an deren Oberfläche gegen typische Bestandteile des Krankmachers aus. Diese sogenannten Vektorviren sollen dem Körper eine Infektion vorgaukeln, aber nicht krank machen. Die Idee: Wer mit solchen Vektorviren geimpft ist, bildet Antikörper, die auch vor einer echten Infektion schützen. Der erste zugelassene Impfstoff gegen Ebola funktioniert so.

jok/dpa
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